Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Organischer Dünger
Bauern ziehen vorzeitig aufs Feld

Bettina Winkler / 27.02.2019, 06:45 Uhr
Heinersdorf (MOZ) „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt“ – die Zeilen des Volksliedes sind längst überholt. Die heutigen Landwirte haben statt einer Pferdestärke hochmoderne Technik mit  450 PS starken Maschinen im Einsatz. Dünger – auch in organischer Form – ist im Frühjahr entscheidend für den Ertrag.

Die Winterruhe für die Bauern ist vorbei. Frühlingshafte Temperaturen und frostfreier Boden ermöglichen einen vorzeitigen Start auf den Feldern. Am Montag hat Max Ebeling, gelernter Landwirt vom Tierzuchtgut in Heinersdorf, das große Tankfahrzeug mit vergorener Rindergülle aus der hauseigenen Biogasanlage beladen und diese als organischen Dünger auf dem Acker, wo Wintergetreide in den Startlöchern steht, ausgebracht.

Mit 450 PS wird die gehaltvolle Masse mittels Schleppschuhverteiler bodennah aufgebracht. „Der Tank hat ein Fassungsvermögen von 32 Kubikmetern“, erläutert der Rauener Max Ebeling. Die bei der Milchproduktion anfallende Gülle wird für die Biogasanlage genutzt, die durch ein Blockheizkraftwerk  täglich 9000 Kilowattstunden Strom produziert. Die Gärreste werden auf den Ackerflächen ausgebracht. „Der wertvolle Dünger aus Stickstoff, Phosphor und Kalium ist völlig geruchlos und hat alles, was die Pflanzen jetzt für die Vegetationsperiode benötigen“, erklärt Chef Erik Zijlstra. Die zweite Gabe mit mineralischem Dünger folgt, wenn die Pflanzen in die Länge wachsen. Sie ist je nach Witterung für Ende April anvisiert. Auch die jungen Rapspflanzen erhalten zum Wachstumsstart jetzt mineralischen Dünger aus Stickstoff und Schwefel.

Auf einem Feld zwischen Steinhöfel und Heinersdorf, nahe der Milsana, eines weiteren Landwirtschaftsbetriebes der Familie Zijlstra, zieht ein Traktor seine Runden und pflügt den Boden um. Durch die lange Trockenheit ist der Acker für die schwere Technik gut befahrbar, was nicht in jedem Frühjahr so ist. Auf der Fläche  soll demnächst Hafer gedrillt werden. Auch das Saatland für Luzerne wird vorbereitet.  Der Holländer Erik Zijlstra setzt bei Grünfutter eher auf den Schmetterlingsblütler Luzerne mit einem hohen Gehalt an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen.

„Die Pflanze ist ein Tiefwurzler und kommt so besser mit Trockenheit zurecht“, sagt der Landwirt. 400 Hektar sollen in diesem Jahr angebaut werden. Einmal gesät, kann Luzerne  bis zu fünf Jahre auf der Fläche stehen. Dreimal im Jahr wird das kostbare Grün gemäht und mit Mais, Raps und Getreide als Futter für die 2800 Kühe der beiden Milchviehbetriebe verwendet. „Wir bauen immer mehr an, als wir brauchen. So haben wir in trockenen Jahren einen Vorrat“, sagt Zijlstra. Der 48-Jährige liebt seinen Beruf. Jedes Frühjahr ist für ihn voller Hoffnung auf eine gute Ernte. „Dafür müsste es aber bis April mal ausgiebig regnen“, sagt er.

Die Unternehmensgruppe Zijlstra ist mit 85 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im landwirtschaftlichen Bereich in der Region. Allein 18 Mitarbeiter sind für den Ackerbau zuständig. Für täglich frische Milch sorgen 2800 Holsteiner-Kühe, die in luftigen Offenställen gehalten und dreimal täglich gemolken werden. Die Milch wird zur Molkerei nach Elsterwerda geliefert und kommt als „Mark Brandenburg“ auf die Tische der Verbraucher. „Die Regionalität kommt gut an“, sagt Erik Zijlstra, dessen Motto ist: „Milch, die hier produziert wird, sollte auch vor Ort verbraucht werden.“

Nach 20 Jahren  ist der gebürtige Holländer längst im brandenburgischen Heinersdorf angekommen. Als kleiner Gruß aus der Heimat stehen im Frühling in seinem Garten zahlreiche Tulpen – die Nationalblume der Niederlande – in voller Blüte.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG