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Minister Vogelsänger informiert sich bei Forschern in Müncheberg über den Insektenschutz

Insektenschutz
Chance für den Schwalbenschwanz

Ina Matthes / 02.03.2019, 09:00 Uhr
Müncheberg (MOZ) Was ist zu tun gegegen das Insektensterben? Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger sucht Rat bei Forschern. Und will einen Insektengipfel einberufen.

Den gelb-schwarzen Schwalbenschwanz sieht man noch häufiger in Brandenburg. Aber auch dieser Schmetterling ist auf dem Rückzug. „Er ist bei Weitem nicht mehr so häufig wie früher“, sagt Thomas Schmitt, Direktor des Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg (SDEI). Das Institut der Senckenberg-Gesellschaft hat schöne Expemlare vorzuweisen in seiner großen Insektensammlung.

Der Falter ist nicht der einzige, der sich rar macht. 2017 hatten Forscher und Naturschützer eine Studie veröffentlicht, die einen drastischen Rückgang von Insekten in Deutschland belegt. Das Bürgerbegehren zu den Bienen in Bayern hat dem Thema in Öffentlichkeit und Politik nun neuen Auftrieb gegeben.

Am Freitag traf sich Brandenburgs Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Jörg Vogelsänger (SPD), mit Wissenschaftlern am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Zalf in Müncheberg. „Es gibt ein großes Know-How am Zalf“, lobte Vogelsänger im anschließenden Pressegespräch: „Wir müssen dafür sorgen, dass Insekten eine Chance haben.“  Ende März, kündigte er an, solle es einen „Insektengipfel“ geben. Arbeitsgruppen sollen gebildet werden. Überdies solle der Vertragsnaturschutz „deutlich erweitert“ werden. Im März will der Minister auch mit den Bauern reden – über die Blühstreifen. Das sind Blumenwiesen in der Agrarlandschaft. Brandenburg ist das einzige Flächenland, das Blühstreifen nicht fördert. „Wir werden uns austauschen, welche Möglichkeiten wir finden“, kündigte Vogelsänger an.

Blühstreifen bieten Insekten eine wertvolle Zuflucht. Eine bunte Oase allein aber reicht nicht. Insekten-Gemeinschaften brauchen miteinander vernetzte Lebensräume. „Man muss den Gesamtzusammenhang sehen,“ sagt Klaus Müller, einer der leitenden Wissenschaftler am Zalf. Die Forscher untersuchen Wechselwirkungen in den Ökosystemen – zwischen Insekten, Böden, Wasserflächen, Landnutzung. Und sie suchen nach gemeinsamen Lösungen mit den Landwirten, sagte Müller. „Das muss nicht zwangsläufig konfrontativ sein.“

Ein Problem beim Insektenschutz auch in Brandenburg ist, dass niemand das Ausmaß des Rückgangs genau kennt – wie viele Arten, wo und in welchen Dimensionen. Es fehlen die Experten, die das analysieren. Es gibt aber bestimmte Insekten, die genauer dokumentiert sind und über deren Zustand man auf die Situation in bestimmten Lebensräumen schließen kann. Dazu zählen die Schmetterlinge. Von den 120 Tagfalter-Arten im Land sind 20 bereits verschwunden. „Und noch einmal so viele sind dabei zu verschwinden“, sagte Insektenforscher Thomas Schmitt. Die Ursachen sind vielfältig. Der Schwalbenschwanz zum Beispiel leidet darunter, dass Wiesen verloren gehen, dass zu viele Pestizide eingesetzt werden. Luftschadstoffe, zerschnittene Landschaften, Klimawandel verschlechtern die Bedingungen für Insekten überdies. In all diesen Bereichen, so machten die Experten deutlich, müsse etwas getan werden.

Das Müncheberger Zalf will unter anderem mit einer neuen Naturschutz-App Landwirte und Behörden unterstützen. Damit können Bauern zum Beispiel das freiwillige Anlegen von Schutzstreifen an Gewässern dokumentieren. Behörden sollen damit kontrollieren, wie geförderte Maßnahmen umgesetzt werden. Das soll Aufwand sparen.

Aber auch die Bürger sind aufgerufen sich zu engagieren. Das Zalf hat gemeinsam mit Partnern einen Marktplatz für Naturschutz-Investitionen eingerichtet: Agora Natura. Bürger sollen in nachvollziehbare Projekte investieren; Landwirte ohne viel bürokratischen Aufwand Geld für Naturschutz bekommen. In diesem Jahr ist der Start der Plattform im Internet geplant.

Dem Schwalbenschwanz nützt es aber auch schon, wenn der Hobbygärtner auf seinen Beeten Möhren pflanzt. Die mag der Falter. Und es hilft ihm, wenn der Gartenbesitzer die große grüne Raupe mit den schwarz-orangen Streifen an seinen Pflanzen nicht beseitigt, sagte Thomas Schmitt. Sondern sie „hegt und pflegt.“

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