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Wanderschäfer Dirk Schulze ließ in Altbarnim 400 seiner Tiere scheren / Merino-Wolle wird verkauft

Nackig gemacht
Friseur-Besuch bei den Schafen

Cornelia Link-Adam / 03.03.2019, 10:15 Uhr - Aktualisiert 03.03.2019, 14:35
Altbarnim (MOZ) Minuten ist die Wolle runter: In anderthalb Tagen wurden auf dem Hof von Schäfer Dirk Schulze in Altbarnim 400 Schafe geschoren. Die Prozedur findet jährlich statt. Die Wolle wird der Wanderschäfer meistbietend verkaufen.

Wenige Schritte entfernt von der Fachwerk-Dorfkirche ist es mit der Idylle vorbei. Ein dauerhafter Summton ertönt, gepaart mit einem „Mäh“-Gezeter in unterschiedlichen Tonlagen. Die dazugehörigen Schafe stehen dichtgedrängt im Stall, andere blöken noch weiter hinten auf der Wiese.

Nach und nach werden die Öko-Rasenmäher einzeln in einen mit kleinen Zäunen abgesperrten Bereich des Stalls zum Friseurtermin herein geholt. Hier sorgen große Lampen für genügend Licht. Dabei gehen die Helfer nicht zimperlich um. An Kopf und Hintern gepackt, werden die Tiere geschoben, wenig später flugs und gekonnt gedreht. Dann sitzen sie auf dem Hintern. Versiert greifen sich Jens Gebert aus Haselberg sowie Jörg Hauptmann und Fritz Krüger aus Schleswig-Holstein die Tiere. „Gute Schafscherer sind knapp“, sagt Schäfer Dirk Schulze. Er ist froh, dass er das Wander-Trio wieder auf seinem Hof hat. Schließlich stehe die alljährliche Schafschur an. Über 400 Tiere werden dieses Mal binnen anderthalb Tagen von ihrer Wolle befreit.

Es blökt und summt im Stall und in wenigen Minuten ist die Wolle runter: In anderthalb Tagen wurden auf dem Hof von Dirk Schulze in Altbarnim jetzt über 400 Schafe geschoren. Die Prozedur findet jährlich statt. Die Wolle wird der Schäfer nun meistbietend verkaufen.
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Schafschur in Altbarnim

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Die drei Männer hängen dafür kopfüber in einer den Rücken entlastenden Vorrichtung und beginnen mit der Schur am Bauch des Tieres. Sie arbeiten sich mit ihren elektrischen Scheren durch die Wollen an den Beinen, legen dann abschließend das große Rückenstück frei. Die Wolle auf den Holz-Unterlagen wird flugs zusammengekehrt, von wiederum anderen Helfern in große Säcke verstaut. Auch Dirk Schulzes Söhne Daniel und Patrick packen mit zu.

Die jeweils gut 100 Kilo schweren Schafe gehen mit der Prozedur ganz unterschiedlich um. Einige halten still, als wären sie froh, endlich die vier Kilo Zusatzgewicht vom Leib zu bekommen. Andere haben keine Lust auf den Friseurbesuch, wehren sich mit strampelnden Beinen gegen die Schur. Die Schaf-Scherer fluchen hin und wieder, sind aber stets Herr der Lage. Sie stecken sich bei der Arbeit die Beine und manchmal auch den Kopf der Tiere kurzerhand zwischen die eigenen Beine. Wird ein Tier doch durch die Klingen verletzt, kommt Jod auf die Wunde. „Das ist schon vergleichbar mit einer Rasur beim Mann“, sagt Schäfer Schulze. Er sieht die jährliche Schur als Entlastung für die Tiere an. Nach gerade mal fünf Minuten rappeln sich die von der Wolle befreiten Schafe auf, dürfen über einen anderen Weg zurück raus ins Außengehege. Das füllt sich fix. Schäfer Dirk Schulze bringt einige Tiere zur Weide.

„Sie kommen heute Abend bis Mitte April in den Stall“, erzählt der Altbarnimer. Ohne ihr Fellkleid am Körper würden sie draußen frieren. „Ein Teil der Muttertiere bekommt auch bald ihre Lämmer. Da ist es im Stall mit der Hygiene bei geschorenen Tieren besser, alles übersichtlicher.“

Der 47-jährige weiß, wovon er spricht. Seit 32 Jahren ist er Schäfer, seit 1991 sogar selbstständig. Zu DDR-Zeiten war die Schäferei ein sich durchaus lohnendes Geschäft. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Die Wolle seiner Merino-Schafe wird er verkaufen, meistbietend. Aktuell liege der Kilopreis bei 1,30 Euro. Das decke nicht die Kosten. Daher muss er andere Geldquellen nutzen, in der Landschaftspflege. Als Wanderschäfer ist Schulze ab April bis in den Herbst wieder unterwegs. Von kurz vor Bad Freienwalde bis zu den Oderhängen bei Reitwein kurz vor Frankfurt erstreckt sich sein Gebiet, das er mit seinen Tieren abgrast. Die Angst vor Wolfs-Übergriffen ist immer da. Trotz höherer Zäune. „In den 90er Jahren gab es massive Überfälle. In der letzten Zeit wurden wir zum Glück verschont.“

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