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Neue Großbaustelle auf der A 11 hinter dem Kreuz Uckermark / Hoppelpiste wird grundhaft ausgebaut

Nach über 80 Jahren
Reichsautobahn reif für Schredder

Oliver Schwers / 06.03.2019, 06:30 Uhr
Gramzow (MOZ) Die kaum noch befahrbare Autobahn 11 bei Schmölln wird abgerissen und neu gebaut. Damit verschwindet das letzte sichtbare Stück der originalen Reichsautobahn aus den 1930er-Jahren. Am Montag haben die Arbeiten begonnen. Die Baustelle dauert zwei Jahre.

Der Sattelanhänger verlässt die letzten Meter auf dem Asphalt. Als seine Räder auf die folgende Betonpiste rollen, fängt der gesamte Laster an zu wippen. Fahrwerk, Aufbauten und Ladung scheppern wie ein Panzer. Erschrocken bremst der Fahrer ab, obwohl er nur noch Tempo 60 fährt. Andere Fahrer von Pkw und Transportern, die die Stelle kennen, wechseln ohnehin auf die linke Seite, wenn sie hinter dem Autobahnkreuz Uckermark in Höhe Wollin Richtung Stettin unterwegs sind. Das schont Federn und Stoßdämpfer. Denn die Betonplatten der Fahrbahn sind überall gerissen, zeigen Spalten und Absätze. "Die alten Betonplatten waren damals nur für eine Last von 25 Tonnen ausgelegt", erklärt der Gramzower Autobahnmeister Lars Kähler das Problem. "Heute fahren hier Lkw mit 40 Tonnen und mehr darüber."

Über 80 Jahre hat die Autobahn an dieser Stelle unverändert gehalten. Es ist das einzige noch frei sichtbare und befahrene Originalstück in Deutschland. Ansonsten wurde in der Vergangenheit wenigstens eine neue Deckschicht drübergezogen, um ein vernünftiges Fahren zu ermöglichen. Übrig blieb der Rest auf der A 11.

Bei Schmölln sind jetzt orangefarbene Wagen im Einsatz. Deren Besatzungen bereiten die zweijährige Baustelle vor, richten Nothaltebuchten ein, nehmen Böschungssicherungen vor. Erst wird ein drei Kilometer langer Abschnitt zwischen dem Autobahnkreuz und der Anschlussstelle Schmölln (Richtung Stettin) erneuert. Der gesamte Aufbau verschwindet im Schredder. Die neue Piste wird wieder in Betonbauweise errichtet. "Das hält länger, auch wenn man nicht überall gute Erfahrungen damit gemacht hat", sagt Lars Kähler.

Notwendig sind mehrere Brückenbauten und die Regenentwässerung. Gleichzeitig entsteht in diesem Bereich der bis jetzt fehlende Standstreifen. Auf beiden Seiten schafft der Landesbetrieb Straßenwesen zusätzlich je einen Parkplatz mit dem Namen "Randowtal" Nord beziehungsweise Süd. Dort gibt es später Stellflächen für Lastwagen und Pkw sowie WC-Gebäude.

Wenn die Stettiner Richtung fertig ist, wechselt die Baustelle auf die Gegenseite. Dann beginnt zwischen Schmölln in Richtung Kreuz Uckermark der zweite Abschnitt mit einer Länge von 6,7 Kilometern. Auch hier befindet sich unter dem längst erneuerten Asphalt noch die alte Reichs­autobahn, die nun grundhaft ausgebaut wird.

Autofahrer müssen ab sofort bis voraussichtlich Ende Oktober 2020 in beiden Richtungen mit Einschränkungen rechnen. Der Verkehr in dem Bereich verläuft ab Mitte März einspurig auf jeweils einer Fahrbahnseite. Bis Oktober ist die Stettiner Richtung Baustelle, danach wechseln die Baufirmen auf die Gegenrichtung. Nach Einschätzung des Autobahnmeisters könnte es lediglich zu solchen Reisezeiten wie Ostern zu Staus kommen.

Die Anschlussstelle Schmölln bleibt frei und ist nicht betroffen. Einschränkungen gibt es lediglich durch den Bau zweier Brücken über die Kreisstraße bei Wollin. Sie muss voraussichtlich viermal für drei bis vier Tage gesperrt werden. Ansonsten regelt eine Ampel die Durchfahrt.

Mit der 30 Millionen Euro teuren Sanierung verschwinden auch Gefahrenstellen durch abgesackte Böschungen. Sie sind wegen aufgeweichter Böschungen nach Starkregenereignissen vor zwei Jahren entstanden.

Auch in den kommenden Jahren ist mit weiteren Baustellen auf der A 11 zu rechnen. Denn unter dem Asphalt zwischen Gramzow und Pfingstberg liegt ebenfalls noch auf 13,5 Kilometern der alte Beton und hinter Pfingstberg nochmals etwa zehn Kilometer. Hier zwischen Neuhaus und Glambeck (Richtung Berlin) bereitet der Landesbetrieb Straßenwesen bereits jetzt den geplanten grundhaften Ausbau von sechs Kilometern Autobahn vor.

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