Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Christiane Gohlke arbeitete einst im Sägewerk, fuhr Obus und zog als musikalische Früherzieherin durch Kitas in der Region

Ostereier-Ausstellung
Eierfrau mit bunter Vita

Lädt am nächsten Wochenende wieder zur Eier-Schau ein: Christiane Gohlke. Seit Sommer 2018 hat sie für diese Exposition fleißig ge- und bemalt. Vom Wachtel- übers Hühnerei bis zum Enten- und Gänseei kommt alles aus der Familie bzw. vom eigenen Hof in Sandkrug.
Lädt am nächsten Wochenende wieder zur Eier-Schau ein: Christiane Gohlke. Seit Sommer 2018 hat sie für diese Exposition fleißig ge- und bemalt. Vom Wachtel- übers Hühnerei bis zum Enten- und Gänseei kommt alles aus der Familie bzw. vom eigenen Hof in Sandkrug. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 07.03.2019, 20:33 Uhr
Chorin (MOZ) Berlin hat den Internationalen Frauentag zum Feiertag erklärt. In Brandenburg muss die Weiblichkeit indes auch heute ran. Deshalb wollen wir mit dieser Ausgabe einige starke Frauen würdigen und vorstellen. Hier: Christiane Gohlke aus Sandkrug.

Was war zuerst da: Henne oder Ei? Auf dem Hof von Christiane Gohlke und Ehemann Rainer leben zwar jede Menge Hühner. Doch bei ihr fing definitiv alles mit Eiern an. Mit Ostereiern hat sich die heute 56-Jährige selbständig gemacht. Das war 2001. Sie hatte kurz zuvor einen Dremel geschenkt bekommen. Ein Präsent, das für Christiane Gohlke ein Zeichen war. Und Ermutigung: aus dem Hobby "eine Berufung zu machen".

Obgleich Kunst sie schon seit der Kindheit begleitete, wie die Malerin sagt, beruflich schlug sie einen ganz anderen Weg ein. In Spechthausen aufgewachsen, wollte sie eigentlich Botanik oder Forstwissenschaften studieren. Beides habe nicht geklappt. So nahm sie "die untere Laufbahn", wie Gohlke die Lehre nennt. Im Forstbetrieb Eberswalde absolvierte sie eine Ausbildung zur Forstwirtin. Nach der Lehre arbeitete sie im Sägewerk Spechthausen. In der Produktion. "Ich war damals die einzige Frau im Betrieb." Und ihr Chef war Frank Banaskiewicz, den Eberswaldern als Stadtverordneter bekannt. Es war ein harter Job. Und eigentlich hatte sich Christiane Gohlke unter Forst etwas anderes vorgestellt: Wald, Wild, mehr Wissenschaft. Ein Trugschluss.

Gohlke sattelte um: auf Kraftfahrer. Anfang/Mitte der 1980er-Jahre absolvierte sie beim VEB Kraftverkehr in Eberswalde eine zweite Ausbildung. Und fuhr fortan Obus in der Stadt. Gelernt habe sie auf einem Strippen-Modell, das liebevoll "Eisenschwein" genannt wurde. Gemeint sind die älteren Skoda-Busse mit Anhänger vom Typ 9Tr. Später rollten gelbe Gelenkbusse der ungarischen Marke Ikarus über die Straßen. Zu Gohlkes Zeit saßen – mit ihr – gerade mal zwei Frauen hinterm Steuer. Busfahren, das war eine Domäne der Männer. Im Betrieb lernte sie auch ihren heutigen Mann kennen. Der arbeitete in der Werkstatt, als Schlosser. Wenig später wurde die junge Frau Mutter. Sie bekam drei Kinder, die sie forderten.

Als der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus war, fing die Sandkrugerin in der Musikschule Fröhlich an. Wieder ein Neustart. Sie zog durch die Kitas der Region, um dem Nachwuchs mit musikalischer Früh-erziehung den Spaß an Noten, Tönen, Rhythmus und Singen zu vermitteln. Das nötige Rüstzeug holte sie sich an der Kreismusikschule, wo sie selbst Unterricht nahm.

Bis sie Anfang der 2000er das Akkordeon gegen den Dremel tauschte. Und aufs Huhn bzw. das Ei kam. Die erste Osterausstellung 2001 im Gemeindehaus nahm sich recht bescheiden aus, mit gerade mal 40 Eiern. Von Jahr zu Jahr wurden es mehr. Gohlke, die nie eine Kunstschule besucht hat (als Gaststudent hörte sie aber ein Semester lang Vorlesungen an der Humboldt-Uni in Kunstgeschichte), sondern autodidaktisch lernte, verfeinerte die Techniken, erweiterte ihr Spektrum. So gestaltete sie etwa große Milchkannen. Um schließlich festzustellen: "Ich bin Miniaturmalerin." Das Großformatige sei ihre Sache nicht. Ihr liege das Filigrane.

Und warum ausgerechnet Eier? "Wir haben schon als Kinder Eier bemalt und später graviert." Das Faible habe sie von ihrer Tante. Der Reiz der Eiergestaltung liege eben in der Besonderheit des Bildträgers, dem ovalen Körper. "Mit jeder Drehung verändert sich die Perspektive", erklärt die Schöpferin. "Und man sieht nie alles auf einmal." Prädestiniert seien deshalb Motive aus der Natur. Für die Ausstellung 2019 hat sich Christiane Gohlke vor allem auf Vögel konzentriert. Dass Kritiker die Botschaften ihrer Werke als einfach oder trivial bezeichnen könnten, störe sie überhaupt nicht. Die Liebe zur Natur, was kann es Schöneres geben? "Und meine Freude tut offensichtlich auch anderen gut", wie die Reaktionen zeigen würden. Die Eier kommen natürlich vom eigenen Hof, abgesehen von den Straußeneiern.

Ostereierausstellung: 15. bis 17. März im Scheunenflur auf dem Gohlke-Hof in Sandkrug, Angermünder Straße 21, jeweils von 13 bis 18 Uhr

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG