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Die Choriner Klosterkeller durchliefen mehrere historische Etappen / Fast immer wurden sie zum Frischhalten von Lebensmitteln genutzt

Kellerserie
Vom Vorratslager zur Ausstellung

Julia Lehmann / 10.03.2019, 06:45 Uhr
Chorin (MOZ) Für die Serie "Oberbarnim unterirdisch" begeben sich Reporter in den Untergrund und spüren die Orte auf, die sonst verborgen bleiben. Welche Geheimnisse, welche Geschichten lauern unter der Oberfläche? Diesmal: der Klosterkeller in Chorin.

Im Choriner Kloster sind auffallend viele Bereiche unterkellert, findet Leiterin Franziska Siedler. Neben dem Westflügel und dem Infirmarium vermutet man, dass auch der nicht mehr existierende Südflügel einen besaß. Grund dafür ist die Hanglage des 1273 als Hauskloster der Askanier im Stile der Backsteingotik erbauten und heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, die einen Zugang zur untersten Etage auf Parterre-Ebene ermöglicht. Wirklich im Verborgenen liegen diese Keller natürlich nicht. Im Gegenteil. Teilweise haben sie längst eine neue Funktion bekommen.

Mönchsgesang, geht man den Keller im Westflügel hinab. Der ehemalige Vorratskeller der Mönche besaß auch einen extra Bierkeller mit eigener Brauerei. "Im Mittelalter wurde kein Wasser getrunken", sagt Franziska Siedler. Wasser war nicht sauber, stattdessen gab es gegorene Getränke wie Dünnbier. Einst führte sogar mal eine Wendeltreppe vom Keller aus in den darüber liegenden Speisesaal, das Refektorium.

Der Bereich unter dem Refektorium war lange zum Teil zugeschüttet. 1994 begann man damit, ihn wieder freizulegen. Für diese Region selten sei der gotische Baustil mit dem charakteristischen Kreuzgewölbe, die man im Keller entdeckte. In den 1970er-Jahren wurden Gewölbeteile wiederhergestellt. Die Denkmalpflege der DDR-Zeit rückte von ihrem Vorhaben allerdings ab, weil man das dem Mittelalter ähnliche Material nicht zur Verfügung hatte. "Das war eine gute Entscheidung", sagt Franziska Siedler. Der Stein war zu hart und hätte vermutlich Risse gebildet. Stahlstützen stabilisieren den Westkeller heute. Im Zuge der 2015 begonnenen Sanierung, bei der überwiegend Originalsteine verwendet wurden, sind nicht wieder hergestellte Kreuzgewölbeteile gesichert worden. "Mit der Dauerausstellung zum Klosterbau und -wirtschaft bekam der Raum eine neue Funktion", sagt Franziska Siedler.

Eröffnet wurde diese im April 2017. Aus konservatorischer Sicht war die Sicherung des Raums ebenfalls notwendig. Man konnte insofern zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Dort, wo sich seit Ende 2018 ein weiterer Teil der Dauerausstellung zu den im Kloster entdeckten Inschriften befindet, war früher ebenfalls ein Vorratskeller.

Ein vergittertes Fenster deutet aber noch auf eine andere Funktion hin. Im 18. Jahrhundert hatte das Kloster – im 17. und 18. Jahrhundert war das Kloster landwirtschaftliche Domäne – ein Gefängnis, das sogenannte Lieseloch. Der Britzer Autor Gunther Nisch  fand heraus, dass ein um 1750 des Mordes angeklagter Jude dort sieben Jahre inhaftiert war.

Die Domänenzeit sei ein Glück gewesen für das Kloster, weil die Anlage so erhalten blieb. In einem angrenzenden Raum nahe des Eingangs war früher der mittelalterliche Heizungskeller mit Hypocaustumheizung untergebracht. Warme Luft offener Feuer gelangte über ein Tonröhrensystem in den Boden der ehemaligen Schreibstube – heute Kapelle – und spendete so Wärme.

Der Keller unter dem Infirmarium ist für Besucher nicht zugänglich. Der Weg existiert nur über die ans Kloster angrenzende Landeswaldoberförsterei Chorin. Es ist staubig, die Wände karg. Ein klassischer Lagerkeller. Das Licht ist an diesem Tag ausgefallen. Franziska Siedler beleuchtet die beiden kaum mit Tageslicht versorgten Räume mit einer Taschenlampe. Die angebrachten Fledermauskästen sind zurzeit leer. In großen Regalen lagern Formsteine. Das sind Originale aus verschiedenen Teilen des Klosters, die als Ersatz und zur Nachbildung bereitgehalten werden.

Etwas abgelegen am Amtssee und ebenfalls Unterschlupf für Fledermäuse liegt der einstige Eiskeller, der mehrere Meter in die Erde hineinreichte, heute aber für Besucher nicht mehr zugänglich ist.

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