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Theodor Fontane
"Evatum" als pragmatisch und intelligent geschätzt

Fontane und die Frauen: Christine von Brühl las am Sonnabend aus ihrem Buch.
Fontane und die Frauen: Christine von Brühl las am Sonnabend aus ihrem Buch. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 10.03.2019, 23:00 Uhr
Kraatz "Wie ein guter Schnaps" sei Theodor Fontane, sagte der Literarturkritiker Dennis Scheck in einer Buchbesprechung im WDR-Radio zu einer neuen Biographie über diesen "Jahrhundertschriftsteller". Brandenburg feiert seinen wohl größten Sohn – Generäle und Könige mal auf der Seite gelassen – in diesem Jahr mit einem riesigen Reigen von allerlei Lesungen, Feiern und Festen.

Nachdem das Mühlenhaupt-Museum am vergangenen Sonntag mit einer Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Theodor und seiner Frau Emilie begonnen hatte, setzte die Kunstkate in Kraatz am Sonnabend das zweite Ausrufezeichen in der Region zu diesem Thema.

Die Autorin Christine von Brühl aus Dresden legte im vergangenen Jahr eine faktenreiche, fundierte Abhandlung über Theodor Fontanes Frauen unter dem Titel "Gerade dadurch sind sie mir lieb" vor.

In ihrer Lesung am Sonnabend folgte sie ihrem Buch, in dem sie die Frauen seines Lebens als auch die fiktiven Figuren charakterisiert. Durch seine besondere Bobachtungsgabe zeichne er die Frauen und ihre jeweiligen Lebenssituation präzise nach und leiste dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Kulturgeschichte der Frau, würdigt die Autorin den Schriftsteller. Durch seine Ausbildung zum Apotheker habe er die damaligen Heilprozesse gekannt, wusste, wie man Essenzen zusammenrührt.

Frauenversteher ja, aber frauenbewegt war Theodor Fontane nach von Brühl nicht. Die Begeisterung seiner Frau für das Wahlrecht kann er nicht teilen. In einem Brief verweist er auf die Frauen, die zur Zeit Ludwig XIV. regierten "hatten kein Stimmrecht, haben sich aber leidlich wohl befunden…" Nebenbei bemerkt: hier schimmert wieder die Fontan’sche Ironie durch. Gleichwohl legte er sehr großen Wert auf Bildung für seine Kinder. Er schickt seine einzige Tochter Martha im Alter von zehn Jahren nach England, weil er sie vom preußischen Schulunterricht unterfordert sieht. Er begründet diesen Schritt mit "die volle Kenntnis einer fremden Sprache ist wie ein Kapital, von dessen Zinsen man leben kann".

Theodor Fontane fühlte sich von den Frauen, vom "Evatum", stark angezogen, so Christine von Brühl, weil sie stark empfanden, intelligent waren und gleichzeitig pragmatisch handelten.

Dies zeige sich bei allen literarischen Frauenfiguren ganz besonders bei "Effi Briest" im gleichnamigen Roman – einer Ehebruchgeschichte aus Fakten, die zu seinem einzigen "Bestseller" wird und Fontane zum Vorreiter des deutschen Gesellschaftsromans macht, der mit Thomas Manns "Buddenbrocks" schließlich mit dem Nobelpreis für Literatur geadelt wird. (wg)

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