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Ortsvorsteher
Eberhard Otto tritt noch einmal an

Neue Runde: Ortsvorsteher Eberhard Otto aus Blumenow stellt sich mit 77 Jahren am 25. Mai dieses Jahr noch einmal zur Wahl.
Neue Runde: Ortsvorsteher Eberhard Otto aus Blumenow stellt sich mit 77 Jahren am 25. Mai dieses Jahr noch einmal zur Wahl. © Foto: Thomas Pilz
Thomas Pilz / 12.03.2019, 14:45 Uhr
Blumenow (MOZ) Er will es noch einmal wissen — trotz Zipperlein hier und vieler Verpflichtungen da (Rentner haben niemals Zeit) sowie eines mehr als liebgewordenen Hobbys, der Collie-Zucht. Der Blumenower Eberhard Otto bewirbt sich wieder um das Amt des Ortsvorstehers.

Am Freitag hat der Parteilose Otto seine Wahlunterlagen in der Fürstenberger Stadtverwaltung abgegeben. Keine Schnapsidee, betont der Lehrer im Ruhestand, auch wenn er neun Tage vor der Kommunalwahl das 77. Lebensjahr vollenden wird und er mittlerweile seit 30 Jahren in der Lokalpolitik mitmischt, was einhergeht mit dem freiwilligen Schlucken so manch bitterer Pille.

Seine politische Karriere startete Eberhard Otto in der stürmischen Wendezeit. Stellvertretender Bürgermeister wurde er in einer damals noch selbstständigen Gemeinde Blumenow, im besten Sinne dominiert von zwei großen Betrieben, der LPG und dem volkseigenen Gut.

Als rechte Hand von Heidi Warnke, der damaligen Ersten Frau im Dorf, sorgte Otto über die Jahrtausendwende dafür, dass die vom Land Brandenburg geförderte Dorferneuerung große Teile von Blumenow in ein Schmuckstück verwandelte, als längst die Arbeitslosigkeit grassierte und der Strukturwandel erst allmählich neue Chancen eröffnete. "Es waren tatsächlich auch ganz schöne Jahre dabei", erklärt der Ruheständler unumwunden.

Viel bewegt habe man damals, "was man auch am Erscheinungsbild des Dorfes sieht", fügt er hinzu. Ende der 90er-Jahre hatten unter anderem Heidi Warnke und er am Seddiner See bei Potsdam extra ein Seminar für die Dorferneuerung in Blumenow besucht. Mittlerweile fast undenkbar sei solche Gründlichkeit gegenüber den Randregionen heutzutage.

Realisiert wurden die Vorhaben schön der Reihe nach. Zum Beispiel konnte bewirkt werden, dass Blumenow fast ausschließlich ein reines Straßendorf geblieben ist und das Bauen in der zweiten Reihe vermieden werden konnte.

Sahnehäubchen all dessen war ein Projekt, das mit der Dorferneuerung herzlich wenig zu tun hatte, aber für die Erneuerung des Dorfes vielleicht am nachhaltigsten war: die grundhafte Instandsetzung der Landesstraße im Ort. Vor etwa zehn Jahren führten nicht nur glückliche Umstände dazu, sondern auch ein allseits energisch dafür streitender Ortsvorsteher. "Das war schon ein Husarenstück", erinnert sich Otto, wobei man in Kauf genommen habe, dass neben der 800 Meter langen Piste lediglich eine offene Regenentwässerung gebuddelt wurde.

"Was soll‘s, die funktioniert, wenn auch mit Abstrichen!". Wobei Eberhard Otto erfolgreich dafür sorgte, dass der alte Straßenbelag, fast schon historisch anmutendes, großflächiges Kopfsteinpflaster, Waldwege nordwestlich des Dorfes verdichtete, so dass sie passierbar wurden.

Aber was hilft das Schwelgen in alten Geschichten, die Frage sei tatsächlich, warum er denn nun noch einmal antrete? Und nachdenklich fügt Otto hinzu: "Tja, eigentlich wollte ich nicht mehr." Bei einer kleinen Rundreise durchs Dorf gespickt mit Gesprächen, die er mit vornehmlich jüngeren Einwohnern führte, habe sich aber schließlich herausgestellt: Keiner wollte zur Kommunalwahl antreten, lautet seine Erfahrung.

Ausschließlich einen Korb zu bekommen, das habe ihn dann doch ziemlich verwundert, räumt Otto ein. Obwohl klar sei, die meisten Berufstätigen seien Pendler und haben viel um die Ohren. Das Dorf habe in den vergangenen Jahren ohnehin einen rasanten Wandel erlebt, so eine Gemeinschaft wie vor der Wende gebe es einfach nicht mehr.

Damals war alles eine große Familie mit allem Für und Wider. "Inzwischen haben wir Einwohner, die aus acht Bundesländern stammen."

Der aus Sachsen stammende Otto ist seit 1975 in Blumenow beheimatet, "mittlerweile leben von den damaligen Ureinwohnern nur noch etwa ein Dutzend", merkt er an.

Wie sich die Dinge auch wenden mögen, Eberhard Ottos Maxime lautet noch immer: "Der kluge Mann baut vor". Deshalb verwundert es nicht, wenn er erklärt: "Falls sich aber doch noch ein Blumenower um den Posten des Ortsvorstehers bewerben sollte, dann ziehe ich meine Kandidatur sofort zurück", gibt der 77-Jährige abschließend offen zu bedenken.

Blumenow

■ 1309: Erste Erwähnung des Namens Blumenow, Mitteldniederdeutsch "Blumenaue".

■ 1812: Das Blumenower Vorwerk wird vom Hauptgut abgetrennt und als selbstständiges Rittergut in Mecklenburg-Strelitz geführt, neuer Name: Boltenhof.

■ 1901: Boltenhof errichtet eine Spritfabrik, der Ort zählt 85 Einwohner.

■ 1906: Kommerzienrat Bolle von der Molkerei Bolle kauft den Boltenhof.

■ Nach dem Tod Bolles übernimmt der Amtmann Gustav Witte den Boltenhof.

■ 1945: Flucht vor den sowjetischen Truppen. Im Ort leben rund 200 Menschen.

■ 1946: Das Schloss brennt aus.

■ 1950: Blumenow wird aus dem mecklenburgischen Landkreis Neustrelitz in den brandenburgischen Landkreis Templin verlegt.

■ 26. Oktober 2003: Blumenow wird in die Stadt Fürstenberg eingemeindet.

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