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Jugendleiter-Card
Gerichtsprozess um drei tote Hühner

Thomas Berger / 18.03.2019, 06:00 Uhr
Buckow Wer ist schuld? Um diese Frage dreht sich nun alles im Gerichtssaal. Schuld daran, dass drei Hühner auf einem Bauernhof, der sein Gelände für Kinderbesuche geöffnet hat, tot sind. "Jeremy, wie kamst du denn auf die Idee, Pfeil und Bogen zu benutzen? Und warum auf Hühner schießen?", will der Richter wissen. "Unabsichtlich" sei das passiert, sagt Jeremy sichtlich zerknirscht. Dem Elfjährigen ist ganz offensichtlich klar, dass er gehörig Mist gebaut hat.

Zudem ist das Ganze keine echte Verhandlung, der vermeintliche Gerichtssaal nur der große Seminarraum in Drei Eichen, wo im Rahmen des aktuell laufenden Juleica-Kurses dieses Szenario spielerisch nachgestellt wird. Auf der einen Seite haben Benjamin Kühne (16) als zuständiger Richter sowie Tim Duspva (18) und Johannes Stummvoll (23) als seine beiden Schöffen Platz genommen. Ihnen gegenüber sitzen die anderen Prozessbeteiligten. In der Mitte Jeremy, in dessen Rolle Helin Aygan (16) geschlüpft ist, dazu die beiden Jugendleiter Elias Escher (17) und Marvin Rohe (20) mit ihrem Anwalt (Arnim Riemer/16). Zur anderen Seite Angelique Krugmann (16) als Betreiberin des Bauernhofes, Rungphet Mukpan (18) als ihr Angestellter und Alina Patschke (18) als Anwältin.

Diese drei sind der Auffassung, die Jugendleiter hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt, als sie den Kindern der Gruppe zwei Stunden freie Zeit auf dem Hofgelände einräumten. "Wir waren aber ständig in der Nähe", heißt es von der Gegenseite. Bei einem auf Kinder eingerichteten Hof müsse man davon ausgehen, dass keine gefährlichen, waffenartigen Gegenstände wie Pfeil und Bogen noch von einem Training am Vortag einfach so rumliegen. Das sieht am Ende das Gericht genauso, das Jeremy noch mal ausdrücklich ermahnt, die Jugendleiter aber von einer direkten Mitschuld an den toten Hühnern freispricht.

Es sind solche praktischen, dem Alltag mit seinen vielfältigen situativen Herausforderungen entlehnten Übungen, die die Ausbildung zum Erwerb der Jugendleiter-Card (Juleica) so nachhaltig machen. Grau ist alle Theorie, obwohl wichtige Grundbegriffe wie Erziehungsberechtigte, Sorgeberechtigte, Vormund und Betreuer sowie bestimmte juristische Rahmenbedingungen erst einmal prinzipiell abgeklärt werden müssen. Doch manches wird erst im weiteren Gespräch zu Praxisbeispielen oder eben szenischen Untermalungen besser verständlich.

Schon seit mehreren Jahren bietet der Kreis-, Kinder- und Jugendring (KKJR) an drei Wochenendseminaren in Drei Eichen den Juleica-Kurs an – die Nachfrage ist entsprechend groß. Die aktuelle Gruppe, die an diesem Wochenende nach den ersten beiden Kurs-Einheiten Mitte Februar und Anfang März ihren Abschluss gemacht hat, ist relativ homogen.

Marvin und Johannes, beide aus Rehfelde, sind bereits ein wenig älter und Studenten, fallen damit etwas aus der übrigen Riege der zumeist über die Jugendclubs kommenden 16- bis 18-Jährigen heraus. Doch im Miteinander spielen diese Unterschiede keine Rolle. Alina, in Strausberg zu Hause, ist von der Hennickendorfer Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) entsandt worden, Helin über die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die ja bekannter Anbieter von Kinderferienfahrten ist.

Der Eggersdorfer Elias und der Neuenhagener Arnim kommen über den Jugendclub in Petershagen, der Garzauer Tim und der Rehfelder Rungphet über den dortigen Club "Gleis 3". In beiden Fällen geht es darum, einen Kreis verantwortungsbewusster Jugendlicher mit Juleica-Nachweis zu haben, die auch in Abwesenheit der erwachsenen Betreuer den Schlüssel bekommen können. "Zum Beispiel in den Sommerferien", wie Tim sagt. "Der Kurs macht Spaß", ist er sich mit Helin und allen einig.

Ein Lob, das Fabian Brauns vom KKJR und Co-Ausbilder Robert Aehnelt freut. Schließlich bemühe man sich auch immer wieder, die inhaltliche Gestaltung den konkreten Erfordernissen und Interessen der jeweiligen Teilnehmergruppe anzupassen.

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