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Stand der Managementplanung von drei FFH-Gebieten für Natura 2000 in Falkenhagen vorgestellt

Natura 2000
Landnutzer warten auf Gespräche

Heike Mildner / 19.03.2019, 06:45 Uhr
Falkenhagen Falkenhagen. Zur Vorstellung der Managementplanungen für drei Fauna-Flora-Habitate (FFH) hatte das Planungsbüro Susanne Diemer ins Schweizerhaus Falkenhagen eingeladen. Es arbeitet im Auftrag der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. Landnutzer haben noch viele Fragen.

Es ging um die "Marxdorfer Maserkütten", die "Gusower Niederheide" und die beiden Oderhänge bei Seelow (Wilder Berg und Langer Grund-Kohlberg). Gekommen waren eine Handvoll Landwirte, zwei Forstwirte und nochmal so viele Naturschützer. Ziemlich wenig, denkt der Laie.  "Wenig wie immer", konstatieren die Planer, die mit zehn Prozent Beteiligung der von den Maßnahmen Betroffenen rechnen. Im Saal ist es dunkel und wahlweise kalt oder laut durch das Heizungsgebläse. Kein Unterhaltungsprogramm.

Die Darstellung der Managementplanung ist wie eine Mischung aus Eiskunstlauf und Steuererklärung: Das, was der Naturfreund als schön ansieht, wird im Rahmen der Natura-2000-Managementplanung von Biologen, Geographen, Geoökologen, Forstwirten und anderen Experten nach europaweit geltenden Kriterien gelistet, kategorisiert und bewertet.

Zunächst dröselt Diemer die "Marxdorfer Maserkütten", 21 Hektar zwischen Heinersdorf und Marxdorf, auf: "79 Prozent Laubwald, 16 Prozent Laubgebüsche, Feldgehölze und Baumgruppen, fünf Prozent Moore, Sümpfe und Uferbewuchs", dazu Buchstaben und Ziffern für Erhaltungszustände und Lebensraumklassen. Sinnlich wird es wieder bei den "bedeutenden Arten". Dass Sonnentau, Wollgras und Moosbeere quasi um die Ecke wachsen!

Die Landnutzer interessiert vor allem, was sie in Sachen Bewirtschaftung erwartet. Wurden doch die FFH-Gebiete aus rein naturschutzfachlicher Sicht ausgewiesen, ohne dass die Nutzer zu diesem Zeitpunkt gefragt wurden. Seit Jahren ist man auf die Folgen gespannt – und bleibt es in unserem Fall weiter. Denn das Planungsbüro bleibt vage: "Kleinflächige Mahd, partielles Entfernen von Gehölzen", heißt es da beispielsweise in Bezug auf den Lebensraumtyp 7140 "Übergangs- und Schwingrasenmoore". Auf Ackerflächen im "oberirdischen Einzugsgebiet" des Moores sollen Nährstoffeinträge minimiert werden.

Die in der ersten Vorstellungsrunde Ende November 2017 angekündigten Einzelgespräche mit Landnutzern haben bisher nicht stattgefunden, wurden nun erneut angekündigt. Für die Landwirte wie Heiko Ewald von der Landwirtschaftsgenossenschaft Dolgelin war das eine unbefriedigende Angelegenheit. Allerdings durfte man dafür manchem wortreichen Disput der Naturschützer beiwohnen und feststellen, dass die sich untereinander auch nicht immer einig sind.

So gab Detlev von Heydebrand vom Landesamt für Umwelt (LfU) zu bedenken, ob nicht vielleicht im FFH-Gebiet "Gusower Niederheide" der Schutz besonders erhaltenswerter Bäume durch Baumhosen aus Draht vor Biberfraß ins Maßnahmenkonzept aufgenommen werden sollte. Björn Ellner von der Unteren Naturschutzbehörde hält davon nichts. Es sei ein Naturschutzgebiet und solche Eingriffe nicht zu rechtfertigen.

Bisher ging es Diemer und ihrem Team um eine "belastbare Kartierung" der insgesamt sechs FFH-Gebiete, für die sie die Managementplanung übernommen haben. Wie schnell so eine Kartierung hinfällig wird – beispielsweise durch einen Sturm – zeigen die Lücken zwischen Plan und Wirklichkeit schon jetzt. Landwirt Martin Schulze aus Dolgelin meinte lakonisch: "Das eine ist anscheinend die ordnungsgemäße Meldung nach Brüssel, das andere der Naturschutz nach gesundem Menschenverstand." Widersprochen hat ihm an diesem Abend niemand.

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