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Kommunen auf dem Lande müssen immer tiefer in die Tasche greifen, um steigende Ansprüche an die Feuerwehren zu erfüllen

Freiwillige Feuerwehren
Brandschutz auf dem Dorf in Finanznot

Weit kommen die Gramzower Wehrleute damit nicht: Bei Hausbränden müssen fünf Einsatzkräfte die schwere Leiter vom Dach des Wagens holen. Sie reicht aber nicht bis in den vierten Stock eines Neubaus.
Weit kommen die Gramzower Wehrleute damit nicht: Bei Hausbränden müssen fünf Einsatzkräfte die schwere Leiter vom Dach des Wagens holen. Sie reicht aber nicht bis in den vierten Stock eines Neubaus. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 19.03.2019, 15:00 Uhr
Gramzow (MOZ) Sollte die Schwedter Feuerwehr im nächsten Jahr eine neue Drehleiter bekommen, könnte ihre alte nach Gramzow gehen. Darüber informiert Amtsdirektor Reiner Schulz. Der Deal ist das Ergebnis einer permanenten Auseinandersetzung über die Finanzausstattung im Brandschutz.

Überall im Land Brandenburg wird die bessere Ausstattung von Feuerwehren heiß diskutiert. Vor allem auf dem Lande kocht die Auseinandersetzung um neue Schutzkleidung, Schuhe, Fahrzeuge und Hilfsmittel. Ist das ehrenamtliche Rettungssystem in den Weiten der Uckermark auf Dauer haltbar?

Beispiel Gramzow. Wer das großzügige Gerätehaus betritt, staunt über die Ausstattung der Stützpunktfeuerwehr in einem Dorf. Große Fahrzeuge, junge Leute, alles schick. Doch die Mitgliederversammlung der Kameraden wird zu einem reinen Schlagabtausch mit der Amtsverwaltung. Ortswehrführer Danny Ruthenburg hat 28 Kritikpunkte aufgelistet, die seinen Leuten am Herzen liegen. Es reicht von der fehlenden Drehleiter bis zum Fensterputzen im Gerätehaus. Amtsdirektor Reiner Schulz kennt die Vorwürfe, versucht zu entkräften, appelliert an eine bessere Partnerschaft.

Doch das Problem sind das Geld und die sich verändernden Strukturen im Brandschutz. Über 80 Einsätze fährt die Gramzower Wehr pro Jahr. Vor allem bei Unfällen auf den umliegenden Bundesstraßen und der Autobahn rückt sie aus. Zusammengenommen sind das 2416 Stunden für alle beteiligten Männer und Frauen. Unfälle geschehen vor allem am Tage, wo aber die wenigsten Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. 26 der insgesamt 76 leisten den Hauptteil der Arbeit, berichtet Danny Ruthenburg. Obwohl die Wehr mit einem Altersdurchschnitt von 28 Jahren zu den jungen Einheiten zählt, macht sich der Wehrführer Sorgen über Wegzüge oder arbeitsbedingte Ausfälle bei gleichzeitig steigender Beanspruchung der Truppe.

Weil auch noch Technikinstandsetzung, Pflege und Ausbildung anfallen, steht nun die Forderung nach hauptamtlichen Kräften im Raum. Das Amt Gramzow denkt über einen fest angestellten Gerätewart nach. Das kostet Geld. Und damit würde nur eine Forderung der Kameraden erfüllt sein. Schon jetzt schlägt der Brandschutz mit rund einer Million Euro jährlich zu Buche, fast ein Viertel des Haushaltes. Bezahlen müssen das die Dörfer.

Doch Danny Ruthenburg lässt solche Argumente nicht gelten. Für ihn gibt es gesetzliche Auflagen. Und die Kommunen seien eben Träger des Brandschutzes. Und da es 49 viergeschossige Neubauten im Amt gebe sowie Alteneinrichtungen und Schulen, würde die Amtswehr eine Drehleiter benötigen. Im schlimmsten Falle könnte es sonst Menschenleben kosten. Doch eine Leiter gibt es auch in anderen Ämtern nicht, weil die Fahrzeuge richtig ins Kontor schlagen. Derzeit helfen bei Alarm umliegende Wehren aus. Vielleicht bahnt sich nun eine Lösung an: Sollte Schwedt 2020 eine neue Leiter bekommen, könnte die alte nach Gramzow kommen, so die Vorstellung von Reiner Schulz.

Doch damit wäre wieder nur ein Problem gelöst. Und auch andere Feuerwehren wie zum Beispiel die abgebrannte von Zichow, haben Wünsche. Danny Ruthenburg kritisiert schlechte Stiefelausstattung, verlangt Renovierungsarbeiten am Gerätehaus, einen Übungsplatz, eine Brandmeldeanlage, einen größeren Parkplatz. Einige Sorgen sind dem Bauamt nicht einmal bekannt. Muss im Amt Gramzow künftig die Amtsumlage erhöht werden, sodass die Dörfer weniger eigene Mittel in ihren Haushalten haben? "Was wir hier unten diskutieren, bringt wenig", sagt Lutz Timm vom Uckermärkischen Feuerwehrverband Angermünde. "Das System und die Geldverteilung müssen verändert werden. Die örtlichen Träger des Brandschutzes bekommen die meisten Aufgaben aufs Auge gedrückt, erhalten aber nicht die erforderlichen Mittel."

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