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Statisten und Filmteam-Partner aus dem Oderland erleben Uraufführung des Streifens "Benzin" im Letschiner Kino

Oderbruch-Film
Wenn sich Nestwärme verflüchtigt

Ulf Grieger / 21.03.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 22.03.2019, 11:49
Letschin (MOZ) Der Film "Benzin" erlebte im Letschiner Haus Lichtblick eine Vorschau für alle Unterstützer und Statisten aus dem Oderbruch. Der Film hatte in Berlin eine Woche zuvor eine Preview für die Schauspieler und das Team. Er entstand als Diplomarbeit des Regisseurs Oliver Mohr, der Kamerafrau Doro Götz und der Szenenbildnerin Clara Wuigk. Gedreht wurde im Oderbruch.

Beifall gab es schon im Voraus. Dafür, dass die Filmemacher ihr Diplom erhalten haben, und dafür, dass sie ihn in Letschin zum ersten Mal öffentlich zeigten. Bisher lief er nur zur Diplomverteidigung und vor Kollegen der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Dort studierten Oliver Mohr, Doro Götz und Clara Wuigk. Mohr bedankte sich bei allen, die sein Team in den vergangenen drei Jahren unterstützt haben, Gedreht wurde in Golzow, Gorgast, Batzlow, Wollup und Letschin. Viele, die im Film als Statisten zu sehen sind, waren in den übervollen Kinosaal gekommen.

Von Oliver Mohr gab es den Rat, sich nicht nur auf die Kulissen zu konzentrieren, sondern auch auf seinen Spielfilm, der eine ganz eigene Aussage habe. "Es wird Ihnen gehen wie Zuschauern, deren Onkel in einem Krimi mitspielt. Sie achten vor allem auf ihn", prophezeite er.

Vor drei Jahren hatte Drehbuchautorin Elena Hell ihm den Stoff angeboten, den er in "Benzin" verwandelt hat. So richtig glücklich sei er damit nicht, gestand er. Zu sehr klebe die Handlung an der Hauptperson, dem Schulabsolventen Leon (Béla Gabor Lenz), dem die Familie, die heimatliche Tankstelle, ja sogar Freunde und Dorf plötzliche so fremd werden, dass er fliehen will. "Mich interessieren mehr auch die Perspektiven der anderen. Thema des Films ist es ja auch, wie Leute gehen und kommen. Aber wie will man das in 48 Minuten umsetzen?", fragte Mohr. Im Film spielen Töne eine große Rolle. Geräusche, die keine Melodien mehr ergeben, wie die Hauptfigur immer wiederholt. Gestört sind die Beziehungen zum Vater (Jörg Bundschuh) und zum Bruder (Joseph Bundschuh), aber auch zu den anderen im Dorf wie dem auf seine Weise verzweifelten Alex (Frederik von Lüttichau). Der macht eine Tugend daraus, dort, im Heimatdorf an der Grenze zu bleiben, obwohl seine Qualifikationen dort überhaupt nichts mehr taugen.

Eine zarte Liebesgeschichte ist der einzige Lichtblick in dem eher düster-depressiv gestimmten Streifen. Die Liebe zwischen Leon und der souveränen und selbstbewussten Ukrainerin  Sascha (Katerina Molchanova), die sich bei einer schnöseligen Besserverdiener-Familien als Kindermädchen verdingt. Was dem Film völlig fehlt, und diesen Mangel sieht auch der Regisseur selbst, ist jedwede Art von Humor. Man kann darüber nicht lachen, obwohl es tragikomische Szene gäbe. Zum Beispiel im reaktivierten Letschiner "Alten Fritz" mit Wolfgang Bartsch in seiner besten Rolle als Wirt oder beim Besuch Leons bei der Golzower Feuerwehr. Nie hebt sich der Schleier der Traurigkeit.

Glücklich waren die Filmemacher bei der Auswahl der Dreh­orte. Die haben dem Publikum natürlich gefallen: Die alten Gewächshäuser von Gorgast, die Geisterhäuser von Wollup-Siedlung oder die alte Tankstelle von Batzlow. Dort, an der Tankstelle, sieht Leon das Benzin verdunsten, wie seine vertraute Umgebung. Nur er selbst schien übrig zu bleiben.

"Uns war er stellenweise etwas langatmig", gestand Matthias Brückner nach dem Film. Beifall gab es trotzdem kräftig. Und den Wunsch, den Film noch mal zu sehen. Vielleicht in Golzow, zur Langen Filmnacht. Erste Absprachen dazu laufen bereits, so der Regisseur.

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