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Gemeindevertretung Vierlinden stimmte für Erweiterungspläne des Diedersdorfer Bio-Geflügelhofs / Investor fehlte

Debatte
Für und Wider zur Hühnerfarm

Freilaufende Hühner: Im Diedersdorfer Bio-Geflügelhof von Siegmar Birk sollen im hinteren Teil der Anlage ein weiterer Legehennen-Stall und eine neue Kotlagerhalle gebaut werden. Den Erweiterungs-Plänen stimmte der Vierlindener Gemeinderat am Mittwochabend in Diedersdorf erst nach hitziger Debatte zu.
Freilaufende Hühner: Im Diedersdorfer Bio-Geflügelhof von Siegmar Birk sollen im hinteren Teil der Anlage ein weiterer Legehennen-Stall und eine neue Kotlagerhalle gebaut werden. Den Erweiterungs-Plänen stimmte der Vierlindener Gemeinderat am Mittwochabend in Diedersdorf erst nach hitziger Debatte zu. © Foto: Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 22.03.2019, 09:30 Uhr
Diedersdorf (MOZ) Erst nach hitzigen Diskussionen  hat die Gemeindevertretung von Vierlinden am Mittwochabend den Erweiterungsplänen des Diedersdorfer Bio-Geflügelhofs zugestimmt. Zumal der Anlagen-Betreiber Siegmar Birk zur Vorstellung seiner Projekt-Ideen nicht erschienen war.

Bürgermeister Constantin Schütze blickte durch den Saal des Gemeindezentrums in Diedersdorf als er den Tagesordnungspunkt zur Erweiterung des Bio-Geflügelhofs aufrief. "Leider ist Siegmar Birk nicht hier, der als Anlagenbetreiber seine Pläne vorstellen sollte. Auf mehrfache Anrufe, auch seitens des Amtes, hat er nicht reagiert. Nun soll sich die Gemeindevertretung damit beschäftigen."

Ziel des Antragstellers Siegmar Birk ist es, auf seinem Grundstück einen weiteren Legehennenstall und eine Kotanlagehalle zu errichten. Beide Gebäude sollen hinter den schon bestehenden Ställen stehen. Der Legehennenstall wäre dann der achte Stall und soll mit 1400 Quadratmetern weiteren 6000 Tieren Platz bieten. Vor Inbetriebnahme sollen zwei Ställe stillgelegt und später auch abgerissen werden. In vier Ställen verringert sich der Tierbesatz. Die Gesamtanzahl soll demnach nicht erhöht werden. Auch hätte jedes Tier auf den Auslaufflächen vier Quadratmeter Platz. Der entstehende Hühner-Kot soll in der sechs Meter breiten und zehn Meter langen neuen Halle  zwischengelagert werden. Dank drei Metern Höhe passen darin 150 Kubikmeter, heißt es in der Sachdarstellung zum Beschluss. Nach zehn Monaten Lagerung wird das Material als Dünger auf die Felder gebracht.

Um die Lage einschätzen zu können, bat Bürgermeister Schütze erst die Anwohner um ihre Meinung. Drei Frauen aus dem direkten Umfeld waren extra zur Sitzung gekommen. Corinna Lübbe sprach sich dafür aus, dass Siegmar Birk seine Anlage erweitert. "Wir leben hier im ländlichen Raum. Da sind Ackerbau und Viehzucht gang und gäbe. Außerdem schafft’s Arbeitsplätze und bringt Steuern ein", sagte die gegenüber der Ställe lebende Anwohnerin. Kordula Ludwig nickte zustimmend. Rena Kopplin hatte ebenfalls nichts gegen das Projekt. "Auch wenn bei Ostwind die Geruchsbelästigung schon manchmal sehr hoch ist. Aber früher hats mit den Schweineställen noch mehr gestunken." Auch Bürgermeister Constantin Schütze stand dem Vorhaben offen gegenüber. "Zumal die Hühner ja nicht mehr werden, nur anders verteilt."

Der Ortsbeirat habe sich laut Jörg Berndt wegen der Wahlversammlung zur Erweiterung der Anlage noch nicht positionieren können. Der Diedersdorfer Ortsvorsteher hatte selbst aber eine schlechte Meinung vom Projekt. Mindestens 12 000 Hühner seien es jetzt schon, da kämen sicher noch mehr. Und deren Hinterlassenschaften, der Kot, versickere voller Nitrat bis ins Grundwasser. "Den Kot-Anhänger an der Straße hat er immer noch nicht verschlossen", schimpfte er weiter. Und etliche der freilaufenden Hühner habe er schon bei sich plötzlich mit auf dem Hof gehabt. "Die sind voller Milben, weil Bio, und die hat man dann im eigenen Bestand." Berndt sorgte sich auch, dass Unfälle an der Straße wegen der Hühner passieren könnten, sprach von toten Tieren im Löschwasserteich. "Und wir hatten hier noch nie soviel Greifvögel. Da sieht man keinen Hasen mehr umherlaufen." Jörg Berndt sprach sich klar gegen eine Erweiterung aus. "Neben den vielen Fliegen, die beim Kaffeetrinken stören, bedeutet das ja auch Wertverlust für unsere Privathäuser."

Nach reichlichem Für und Wider wurde kurzzeitig auch überlegt, das Thema in die nächste Sitzung zu vertagen. Doch dann sprachen sich die Abgeordneten Katja Höhne und Martin Roland für den Bau der Anlage aus. Schließlich brauche der Investor Planungssicherheit. Es sollte im Gremium nicht um persönlichen Befindlichkeiten gehen, sondern rein um die Sachlage. Dass alte Anlagen einem modernen Stall weichen, und es um Bio-Eierproduktion geht, sei doch gut. Auch weil die Bürger aus dem direkten Umfeld dafür seien, wurde der Antrag auf Errichtung des neuen Stalls und der neuen Kothalle dann doch zur Abstimmung gestellt.

Die Mehrheit der Abgeordneten war dafür.

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