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Brunower wehren sich gegen Windräder im Wald / Unterstützer aus umliegenden Dörfern schlagen generelle Ablehnung vor

Protest
Beschluss zur Bürgerinitiative vertagt

Über den Wipfeln der Bäume: Drei Windräder sollen bald auch auf Brunower Gemarkung im Wald errichtet werden, vier weitere im Wald auf Freudenberger Gemarkung, der sich nahtlos anschließt. Die Dorfbewohner formieren sich zu einer Bürgerinitiative. Ihr wollen sich Bürger weitere Höhendörfer anschließen, wo immer mehr Windräder gebaut werden.
Über den Wipfeln der Bäume: Drei Windräder sollen bald auch auf Brunower Gemarkung im Wald errichtet werden, vier weitere im Wald auf Freudenberger Gemarkung, der sich nahtlos anschließt. Die Dorfbewohner formieren sich zu einer Bürgerinitiative. Ihr wollen sich Bürger weitere Höhendörfer anschließen, wo immer mehr Windräder gebaut werden. © Foto: Patrick Pleul
Steffen Göttmann / 24.03.2019, 11:15 Uhr
Heckelberg-Brunow (MOZ) Die Gründung einer Bürgerinitiative gegen die Windkraft im Wald bei Brunow ist auf nächste Woche verschoben worden. Nach dreieinhalb Stunden Diskussion am Donnerstagabend vertagten die Initiatoren Jessica Möwisch und Ralf Felkel den Beschluss auf nächste Woche.

Weil im Wald auf Brunower Gemarkung drei zusätzliche Windkraftanlagen aufgestellt werden sollen, formiert sich in dem 200-Seelen-Dorf der Widerstand. Eigentlich wollten Jessica Möwisch und Ralf Felkel die zur Versammlung erschienen Brunower darüber abstimmen lassen, um eine Bürgerinitiative ins Leben zu rufen, die den Namen "Wind ­– Wald ­ – Weg" trägt. Doch dazu kam es nicht, weil auch Bürger aus Beiersdorf, Freudenberg und Leuenberg den Weg ins neue Brunower Gemeindehaus gefunden hatten. Denn insgesamt acht Windräder kommen hinzu, wovon vier im Freudenberger Waldgebiet errichtet werden sollen. Der Forst schließt sich nahtlos an das Brunower Waldgebiet an.

"Wir sollten nicht nur Windkraft im Wald, sondern Windkraft generell ablehnen", empfahl Petra Dahms, Gemeindevertreterin aus  Beiersdorf, die schon seit vielen Jahren gegen die Verspargelung zu Felde zieht. Sie schlug vor, eine gemeinsame Bürgerinitiative zu gründen, die alle Höhendörfer einschließt. Schließlich seien auch die Wölsickendorfer in großem Umfang betroffen. Deren Windeignungsgebiet ist gemäß dem neuen Regionalplan deutlich in  Richtung Krummenpfahl erweitert worden.

Die Brunower wollten eine Bürgerinitiative gründen, um eine Petition an den brandenburgischen Landtag verfassen zu können. Der Brunower Carsten Fitzner war extra zur Bürgersprechstunde des Petitionsausschusses des Landtages nach Rathenow gefahren. Von den drei angekündigten Landtagsabgeordneten von SPD, CDU und AFD seien die Vertreter der Sozialdemokraten und der Union da gewesen. Die SPD-Politikerin habe ihm erklärt, dass er alles nicht so eng sehen solle, weil für Windräder nur minderwertiger Wald geopfert und dafür hochwertiger Wald nachgepflanzt werde. Die Petition laufe ins Leere, erfuhr der Brunower. Verantwortlich sei die Regionalversammlung, die den Teilregionalplan Windenergienutzung vergangenes Jahr beschlossen habe, nicht aber der Landtag. Für Carsten Fitzner ist die Energiewende "eine Umverteilung von Geld". Die Bürger bezahlen sie über ihre Stromrechnung, das Geld kassieren die Investoren und Betreiber. Und Brunow sei von Windrädern umzingelt.

Ansonsten könne die Bürgerinitiatíve ein Volksbegehren starten. Für die erste Stufe wären 20 000 Unterschriften erforderlich. Das Ziel, diese noch vor der Wahl zu erreichen, wäre wohl unrealistisch. Hans-Jürgen Klemm aus Wandlitz, Sprecher der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald", den die Initiatoren eingeladen hatten, um über seine Erfahrungen zu berichten, wies auf die gescheiterte Volksinitiative von 2015 hin, die Windräder aus dem Wald verbannen sollte und höheren Abstand von der Wohnbebauung erreichen wollte. Die erste Stufe mit 20 000 Unterschriften sei schnell geschafft worden, die zweite mit 80 000 dagegen gar nicht. Die Initiative endete bei 45 000 Unterschriften. "Mehr werden auch Sie nicht bekommen", so Klemm. Denn die Bürger in den Städten kennen die Probleme nicht, die die Landbewohner mit der Windkraft haben. Sie seien daher nicht zur Unterschrift zu bewegen. SPD und Linke hätten das Volksbegehren abgeschmettert, so Klemm. Der Wandlitzer redete sich derart in Rage, dass die ersten Brunower nach zwei Stunden entnervt den Saal verließen.

Ohne der Politik auf die Pelle zu rücken, würden die Brunower nichts erreichen, so Klemm weiter. Sie sollten Landtags-  und Bundestagsabgeordnete einladen, in die Gemeindevertretersitzung gehen und den Kreistag heimsuchen. In Heckelberg-Brunow dürften sie offenen Türen einrennen. Denn Bürgermeister Heiko Liebig verfolgte die Versammlung. Klemm empfahl eine Checkliste, die man bei der Volksinitiative "Rettet Brandenburg" bekommen könnte, in deren Vorstand er mitarbeitet. Sie sollten im Wald erfassen, welche gefährdeten Tierarten dort leben, welche Fledermausarten und welche Insekten.

Wind ­– Wald – Weg (WWW) wollten die Brunower ihre Bürgerinitiative nennen. Sie hatten Flyer und eine Internetseite gestaltet. "Wir haben sogar schon Trailer produziert", so Jessica Möwisch. Mit so viel Resonanz aus den umliegenden Orten hatten sie nicht gerechnet.

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