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Hommage an Christa Wolf zum Auftakt des Literatursommers in Buckow rund um Verfilmung von "Selbstversuch"

Literatursommer
Ein Juwel zurück ins Gedächtnis geholt

Erinnerungen: Henry Hübchen (l.), damals unter den Hauptdarstellern, und Eberhard Görner (Szenarium) blickten zurück auf die Arbeit am Film "Selbstversuch" nach Christa Wolf.
Erinnerungen: Henry Hübchen (l.), damals unter den Hauptdarstellern, und Eberhard Görner (Szenarium) blickten zurück auf die Arbeit am Film "Selbstversuch" nach Christa Wolf. © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 24.03.2019, 21:33 Uhr
Buckow Sie zählte zu den he-rausragenden Schriftstellerpersönlichkeiten der DDR, hatte auch einem gesamtdeutschen Lesepublikum viel zu sagen: Mit einer Hommage an Christa Wolf, die vorigen Montag 90. Geburtstag gehabt hätte, wurde am Sonnabend der Auftakt zum 22. Literatursommer im Brecht-Weigel-Haus gefeiert. Bisher eher selten waren dort Filme zu sehen, und auch nur wenige Werke von Christa Wolf sind überhaupt für dieses Medium verarbeitet worden. "Selbstversuch", basierend auf einer eher etwas spröden und dünnen Erzählung aus dem Jahre 1972, wie Eberhard Görner die literarische Vorlage beschrieb, ist etwas Besonderes. Ein Juwel aus dem Schatzkästlein der Defa, dessen Wert noch nicht viele erkannt haben. Sonst wäre das in mancherlei Hinsicht experimentelle Werk nicht nach der Premiere im DDR-Fernsehen und im ZDF in den Archiven verschwunden.

Im Gespräch mit der Buckower Museumsleiterin Margret Brademann hatte der in Bad Freienwalde lebende Görner, damals für das Szenarium verantwortlich, die Idee dafür, "Selbstversuch" nun noch einmal ins Gedächtnis zu holen. Schließlich seien die Botschaften heute so aktuell wie damals. Da Johanna Schall, die im Film (übrigens auf besonderen Wunsch der mit ihr freundschaftlich verbundenen Christa Wolf) eine Frau spielt, die sich in einen Mann verwandelt, keine Zeit hatte, war als zweiter Gesprächspartner Henry Hübchen nach Buckow gekommen. Er verkörpert im Film einen Wissenschaftlerkollegen Johannas, mit dem sie auch ein Verhältnis hat.

"Selbstversuch" erzählt von einem "barbarischen Experiment", wie es die Hauptheldin selbst nennt, vom Kampf der Frauen um Anerkennung, männlicher Dominanz und Arroganz, von Rollenmustern, Erwartungen, aber auch der Sehnsucht nach Liebe. Ein Stoff, der Fragen zum Umgang der Geschlechter ebenso aufwirft wie zur Ethik von Wissenschaft, dem Spannungsfeld von Selbstbestimmtheit und Kontrolle. Während Autoren heute Filmrechte früh aus der Hand gäben, nahm Christa Wolf damals direkten Anteil an der Umsetzung, berichtete Görner. Auch für ihn und die anderen sei gerade das futuristische Setting etwas Besonderes gewesen.

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