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Spargelkönigin
Christiane Kutzner und der Friedhof

Andreas Trunschke / 29.03.2019, 08:27 Uhr - Aktualisiert 29.03.2019, 10:31
Reesdorf (freier Autor) "Auf einander aufpassen", das ist für Christiane Kutzner gleichermaßen wichtig wie natürlich. Das hat sie schon immer so gemacht. Als 14-Jährige hat die heute 36-jährige geborene Reesdorferin in den Schulen in Beelitz und Fichtenwalde Kuchen für gute Zwecke verkauft.

Das Gemeinwohl hatte immer Priorität, sodass Sie auch Ihre eigene Erdbeerente im Jugendalter kostenlos im Seniorenhaus in Beelitz verteilte. Später war sie Spargelkönigin, spielte im Fanfarenzug und tanzte im Karnevalsverein.

Nach der Schule suchte sie zunächst verzweifelt einen Ausbildungsplatz. Die Situation war damals ganz anders als heute. Von einhundert Bewerbungen wurde nur eine einzige beantwortet. Die KFZ-Werkstatt, in der sie sich zur Bürokauffrau ausbilden ließ, erwies sich dann gleich doppelt als Glücksfall. Hier lernte sie ihren künftigen Mann Ronny kennen, der gerade seine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker beendete. Heute arbeitet Christiane Kutzner an einer Schule für Physiotherapie. Im Jahr 2015 beschloss sie, sich zur Betriebswirtin im Gesundheitsmanagement weiter zu qualifizieren. Drei Jahre lang drückte sie an drei bis vier Abenden in der Woche für drei Stunden noch einmal die Schulbank. "Das hatte ich mir einfacher vorgestellt", erzählt sie und ist stolz darauf, es geschafft zu haben, "das wollte ich einfach für mich tun, zumal mein Mann sich stets weiterqualifizieren konnte".

Ein Jahr vor diesem Entschluss war sie außerdem zur Ortsvorsteherin von Reesdorf gewählt worden. Gefragt, warum sie das alles macht, kommt Kutzner richtig ins Schwärmen. Tatsächlich sieht der Rundling an der Straße zwischen Beelitz und Brück richtig schmuck aus, was den meisten Autofahrern entgeht, die oft genug ahnungslos und mit mehr als den erlaubten 30 km/h an dem eindrucksvollen Rundling mit einer Kirche in der Mitte vorbeifahren. "Hier kann man links und rechts nicht mehr anbauen", sagt die Ortsvorsteherin mit einem Schmunzeln. Ihr gefallen die Gärten hinter den Höfen. Bis heute halten sich die Kutzners für den Eigenbedarf Kaninchen, Gänse und Kühe. "Wenn ich mit unserem Labrador bis zur Nieplitz laufe, dann komme ich runter", genießt Kutzner das Landleben. Dafür nimmt sie die Fahrtzeit nach Potsdam gerne in Kauf.

In der Dorfgemeinschaft fühlt sie sich zu Hause. Seit zehn Jahren mischt sie bei der Freiwilligen Feuerwehr mit, deren Chef ihr Mann ist. Seit zwei Jahren betreut sie dort die Kindergruppe "Die Flämmchen". "Man bekommt sehr viel zurück", begründet Kutzner ihr Engagement und zählt gleich weitere Sachen auf: den regelmäßigen Kaffeeklatsch der Frauen, das Plaudern an der von ihr organisierten Sitzgruppe am Spielplatz in der Dorfmitte. "Manchmal ist es schon viel", sagt sie, während ihre Augen etwas anderes erzählen.

Jetzt will sie wieder antreten als Ortsvorsteherin und gleich noch als Beelitzer Stadtverordnete für das Unabhängige Kommunalbündnis Beelitz (UKB). "Ich würde mich riesig freuen, wenn ich noch eine Wahlperiode für mein Reesdorf wirken kann", erklärt sie. Kutzner hat noch Pläne für Ihr kleines, rundes Dorf. So träumt sie anlässlich der Landesgartenausstellung in Beelitz 2020 von Wiesen voller Wildblumen auf den ungenutzten Flächen hinter Reesdorf.

Der besondere Ort

Einer ihrer wichtigsten Pläne für Reesdorf betrifft den Friedhof, zu dem man die gut befahrene, unübersichtliche B 246 überqueren muss. Am Ende der Kaniner Straße liegt linkerhand ein kleiner und unscheinbarer Friedhof mit einer kleinen Trauerhalle. Ursprünglich gab es auch an der Kirche in der Dorfmitte einen Friedhof, der jedoch im Rahmen der Dorfsanierung 2014 aufgelöst wurde.

Dabei ist der zweite Friedhof auch schon ein alter Friedhof. Die Erstbelegung fand um 1983 statt, die Leichenhalle stand bereits länger vor Ort. Dort wurden die Leichen aufbewahrt. Reesdorf schaffte sich extra einen Holzwagen an, um die Verstorbenen zur Beerdigung auf den ehemaligen Friedhof an der Kirche bringen zu können.

Der übrig gebliebene Friedhof wird gebraucht. "Im letzten Jahr hatten wir vier Beisetzungen", berichtet Kutzner und ergänzt: "Das ist viel für einen Ort mit 120 Einwohnern. Auch die letzte Ruhestätte soll künftig zum schmucken Reesdorf passen. Der Zaun soll erneuert, Sitzgelegenheiten aufgestellt, die Gartengeräte ordentlich aufbewahrt, alles in Form gebracht und Wasser neu gelegt werden. Kutzner wünscht sich Einzelgräber und Familiengräber. Weiter hinten, da, wo die Fläche bisher noch ungenutzt ist, könnte ein Streubaum stehen. Der Reesdorfer Landschaftsplaner Kai Schwericke hat bereits einen ersten Plan erstellt, der schon dem Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth vorgestellt wurde.

Für Kutzner ist der Friedhof mehr als nur ein Platz der Trauer: "Es ist ein Ort der Besinnung und gehört zum Dorfleben dazu." Kutzner weiß, warum sie wieder für ihr Reesdorf kandidieren will.

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