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Heidekrautbahn
Schildower Kritiker fordern mehr Informationen

Sind Skeptisch: Patrick Schumann (links), Sprecher der Bürgerinitiative, und Jan Oertner sehen für die Schildower mehr Nach- als Vorteile mit der Wiederinbetriebnahme der Heidekrautbahn.
Sind Skeptisch: Patrick Schumann (links), Sprecher der Bürgerinitiative, und Jan Oertner sehen für die Schildower mehr Nach- als Vorteile mit der Wiederinbetriebnahme der Heidekrautbahn. © Foto: Aileen Hohnstein
Aileen Hohnstein / 01.04.2019, 07:02 Uhr
Schildow Die geplante Reaktivierung der Heidekrautbahn sorgt weiterhin für Unmut. Die Bürgerinitiative Dialog Heidekrautbahn hat am Freitagabend im Schildower Bürgersaal über das Projekt informiert. Ihr Ziel ist es, Kommunalpolitiker für die Sorgen der Anwohner zu sensibilisieren.

Die Zeiten haben sich geändert. Seit Jahrzehnten haben sich Menschen für die Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn engagiert. Jetzt, wo sie tatsächlich bis 2023 in Betrieb genommen werden soll, ruft das Kritiker auf den Plan. "Heute ist die Infrastruktur eine ganz andere als vor 20 Jahren. Früher wäre die Bahn am Rande von Schildow gefahren, heute fährt sie mitten durch", sagt Jan Oertner am Freitagabend. Er ist Mitglied der Bürgerinitiative Dialog Heidekrautbahn, die zum zweiten Bürgerdialog in Schildows Bürgersaal geladen hat.

Den gut 60 Gästen werden Informationen zum Planungsstand, zu Fahrgastzahlen und zum Bau von Bahnübergängen geboten. Wird das Schildower Ortsbild bald zerstört, weil meterhohe Schallschutzwände gebaut werden? Gibt es überhaupt einen Anspruch auf Lärmschutz? Und hat die Reaktivierung der Strecke Auswirkungen auf das bestehende ÖPNV-Netz? Das sind nur einige der Fragen, die im Laufe des Abends von der Bürgerinitiative in den Raum geworfen werden. "Braucht es die Bahn unbedingt? Nicht, um die Leute in die Berliner Innenstadt zu befördern", findet Jan Oertner und verweist auf das gut funktionierende S-Bahn-Netz.

Die Bürgerinitiative sieht das Projekt kritisch, fühlt sich nicht gut genug informiert – auch, was die Kosten betrifft, die auf die Gemeinde zukommen. Von mehr als einer Million Euro Baukosten geht die Bürgerinitiative aus, die für Bahnübergänge und Straßenumbauten anfallen würden. Doch man gibt sich offen und gesprächsbereit.

Am Freitag ermuntert Patrick Schumann, Sprecher der Bürgerinitiative, die Gäste dazu, Fragen zu stellen, Anmerkungen zu machen, sich vielleicht sogar in kleineren Diskussionsrunden zu treffen: "Wenn wir mitmischen wollen bei diesem Projekt, dann müssen wir es jetzt tun. Wir müssen die Gemeindevertretung wachrütteln." Dennis Hentschel, Mitbegründer der Initiative, bekräftigt: "Wir müssen jetzt darauf drängen. Wir wissen doch, wie langsam politische Mühlen mahlen. Wenn wir uns zu viel Zeit lassen, haben wir unsere Chance verpasst." Hentschel betont zwar, dass Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus (SPD) sich für die Gründung eines beschlussfähigen kommunalen Ausschusses einsetze, der die Mobilität im Mühlenbecker Land und gezielt auch das Thema Heidekrautbahn bearbeiten soll. Doch wann genau dieser realisiert werde, sei ungewiss.

Gemeindevertreter und Projektbefürworter Gerhard Peter (SPD) versichert, dass der Ausschuss nach den Wahlen gebildet wird. "Das wird nicht auf die lange Bank geschoben." "Zu spät", ruft eine Frau. Das findet auch Hentschel, der davon ausgeht, dass die Entwurfsplanung für das Projekt bis Mitte des Jahres stehen soll und somit die Zeit für die Gemeinde begrenzt ist, um eigene Änderungsvorschläge vorzubringen. "Wir müssen die Sommerpause für diesen Ausschuss aushebeln. Hauptsache, die Sache kommt auf den Tisch", fordert er und erntet dafür Applaus. Gerhard Peter sieht das Projekt Heidekrautbahn als unantastbar, verspricht aber, dass Bürgersorgen berücksichtigt werden sollen.

"Schildow ist zugebaut. Wo sollen Pendler ihre Autos parken?", hatte zuvor ein Mann gefragt. Zugeparkte Anliegerstraßen und fehlende Parkplätze sind die befürchteten Szenarien. Als Peter vorschlägt, einen Teil eines Landschatzschutzgebietes am Schildower Nordbahnhof in Parkplätze umzuwandeln, erntet er entrüstete Reaktionen. "Es langt jetzt", ruft ein Mann. Der Bürgerdialog zeigt deutlich: Das Thema birgt Diskussionsstoff.

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