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Bogenjagd
Der Tod kommt schnell und leise

Jenseits von Robin Hood: Der Alu-Bogen mit Laservisier von Jagdpächter Peter Hemmerden ist ein Hightech-Produkt und hat mit seinen historischen Vorgängern nur wenig gemein.
Jenseits von Robin Hood: Der Alu-Bogen mit Laservisier von Jagdpächter Peter Hemmerden ist ein Hightech-Produkt und hat mit seinen historischen Vorgängern nur wenig gemein. © Foto: Mathias Hausding
Mathias Hausding / 06.04.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 06.04.2019, 09:22
Stahnsdorf (MOZ) Die Oberste Jagdbehörde erteilt grünes Licht für die Pirsch mit Pfeil und Bogen in Stahnsdorf und Kleinmachnow. Aber Jäger Peter Hemmerden muss sich vor Ort viel Kritik anhören.

Das Klima wird rauer am südwestlichen Stadtrand von Berlin. Vor gut einer Woche dichtete jemand "Pfeil und Bogen ist verlogen" und schmierte die Zeile als Protest gegen den Bürgermeister an die Fassade des Stahnsdorfer Rathauses. Zwei Tage später ging ein Hochstand in Flammen auf.

"Ich habe den Wirbel um die Bogenjagd unterschätzt", sagt Peter Hemmerden. Er ist der Jagdpächter von Stahnsdorf-Kleinmachnow. Und er ist der Mann, der die Bogenjagd beherrscht und sie nach dem Willen der Behörden wohl ab Juni oder Juli betreiben soll. Gemeinsam mit anderen extra geschulten Kollegen.

Die Oberste Jagdbehörde hat jetzt grünes Licht für die Ausnahmeregelung gegeben, wie Leiter Carsten Leßner erklärt. Nun warte man noch auf das Votum des Landestierschutzbeauftragten. Leßner berichtet von etlichen Protest-Mails, adressiert an Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Dennoch hält es der Chef der Jagdbehörde für richtig, die Bogenjagd als eine Maßnahme gegen die Wildschweinplage in den beiden Orten zu erproben. Für einen begrenzten Zeitraum und mit wissenschaftlicher Begleitung.

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Wie fliegt ein Übungspfeil?

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Peter Hemmerden, Bauingenieur, verheiratet und drei Kinder, steht unter Druck, und das von mehreren Seiten: "Wenn es Probleme mit Wildschweinen gibt und ich dann vor Ort bin, rufen die einen ‚Du Mörder!’ und die anderen ‚Wird ja auch Zeit, dass du endlich etwas unternimmst.’" Seit zehn Jahren ist er Jagdpächter in Stahnsdorf und Kleinmachnow, einem besonders komplizierten Revier. Weil dichte Besiedlung und Waldgebiete immer wieder fließend ineinander übergehen, was die Möglichkeiten des Schusswaffengebrauchs stark einschränkt. Und weil hier manche immer noch Wildschweine illegal füttern. "Körbe voller Brot werden in den Wald gekippt", ärgert sich Hemmerden.

Ergebnis ist, dass ganze Rotten wie selbstverständlich durch die Straßen ziehen und die Schweine keine Scheu vor Menschen haben. "Sie sind urbanisiert. Ich kann mich ihnen bis auf wenige Meter nähern. Das ist nicht normal", erzählt Hemmerden. Dieses Verhalten mache wiederum die Bogenjagd möglich, sagt er an die Adresse von Kritikern in den eigenen Reihen. In diversen Jäger-Foren ist die Skepsis groß, ob Hemmerden den Tieren nahe genug kommt, um sie tierschutzgerecht töten zu können. Viele Waidleute halten Pfeil und Bogen außerdem ganz grundsätzlich für ein überholtes und in Deutschland zu Recht seit Jahrzehnten verbotenes Jagdwerkzeug.

Wer das sagt, kenne die Bedingungen in seinem Revier nicht und habe keine Ahnung von modernen Compound-Bögen, antwortet Peter Hemmerden. Seine 2500 Euro teure Ausrüstung erinnert weniger an Robin Hood, als an das Bogenschießen mit Hightech-Geräten bei den Olympischen Spielen. Zwei Besonderheiten fallen auf: Einmal die Spulen oben und unten. Dort wird die Sehne beim Spannen des Bogens auf- und abgerollt. Das soll für eine besonders gute Kraftübertragung sorgen. Und dann ist da noch das Laservisier mit integriertem Entfernungsmesser. Es erleichtert das Zielen.

Hemmerden hat mit der Technik auf der Jagd in Namibia eine Oryx-Antilope erlegt. Seit zwei Jahren beschäftigt sich der 57-Jährige mit dem Bogenschießen, hat beim Deutschen Bogenjagdverband eine Prüfung abgelegt. Wenn er seine Künste mit Übungspfeilen demonstriert, sind drei von drei Schüssen Volltreffer, aus rund 15 Metern Entfernung auf ein Plastik-Schwein.

Aus maximal 25 Metern würde er in der Praxis auf die Tiere schießen. Mehr nicht, weil die Schweine sonst das Schnappen des Bogens hören würden, bevor der Pfeil sie mit 90 Metern pro Sekunde erreicht. Und dann würden sie sich womöglich bewegen und der Schuss wäre ungenau.

Aus Tierschutzsicht relevant ist, wann und wie der Pfeil im Vergleich zu einer Gewehrpatrone tötet. "Schlecht schießen kann man auf beide Arten", sagt Hemmerden. "Wer das Bogenschießen beherrscht, trifft innere Organe und Blutgefäße. Der Pfeil bleibt nicht stecken, sondern durchschlägt das Tier. Nach zehn bis 20 Sekunden ist das Schwein tot. Das ist tierschutzgerecht." Bei jeder Drückjagd auf sich bewegendes Wild sei das Risiko, Tiere krank zu schießen, deutlich höher.

Und Vorteil der Bogenjagd sei, dass die sogenannte Hinterlandgefährdung durch Querschläger gegen Null gehe und kein Schussgeräusch die Nachbarn verängstige. Hemmerden schätzt, dass in seinem Revier pro Jahr zehn bis 20 Schweine mit Pfeil und Bogen erlegt werden könnten.

Auch eine Vergrämung erhofft er sich, eine Vertreibung der Rotten aus den Siedlungen. Kein Grund also, so vehement gegen die Bogenjagd Front zu machen, findet er. "Aber ich weiß, dass ich es niemand völlig recht machen kann."

Compound-Bogen

Auffälligstes Merkmal eines Compound-Bogens (zu deutsch Verbund-Bogen), erfunden vor 50 Jahren in den USA, sind die Rollen an den Bogenenden. Beim Spannen wird zum Beispiel von einer Spule die Sehne abgerollt. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass im Vergleich zu anderen Bögen bei gleichem Kraftaufwand mit höherem Zuggewicht gezogen werden kann. Außerdem erhöht sich die Reichweite. Die Sehne wird in der Regel mit einem mechanischen Auslöser statt mit den Fingern gezogen. Er wird an der Sehne eingehakt und über einen Hebel ausgelöst. Das soll eine Schlingerbewegung des Pfeiles verhindern, was der Genauigkeit zugute kommt. ⇥mat

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