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Ziegelei
Gedanken ins Blaue hinein

Zahlreiche Interessierte, darunter Bürgermeister Marco Beckendorf und Harald Dieckmann, Geschäftsführer der Neue-Ziegelei-Manufaktur in Glindow, besichtigten die Ziegelei und überlegen, was darauf werden könnte.
Zahlreiche Interessierte, darunter Bürgermeister Marco Beckendorf und Harald Dieckmann, Geschäftsführer der Neue-Ziegelei-Manufaktur in Glindow, besichtigten die Ziegelei und überlegen, was darauf werden könnte. © Foto: E. Loth
Eva Loth / 07.04.2019, 08:00 Uhr
Reetz Im Laufe der Jahre ist die Alte Ziegelei in Reetz mehr und mehr zerfallen. Inzwischen ist der Zerfall soweit fortgeschritten, dass nichts mehr zu retten ist. Auch die Untere Naturschutzbehörde sieht wenige Möglichkeiten, noch etwas geradezubiegen. Aber was soll mit dem Gelände geschehen?

Dazu gab es kürzlich ein Treffen mit dem Beirat der Reetzer Naturschutzstiftung, dem Naturparkverein Hoher Fläming, dem Reetzer Ortsbeirat und Bürgermeister Marco Beckendorf. Dieser hatte Diplomingenieur Harald Dieckmann dazu gebeten. Er ist Geschäftsführer der Neue-Ziegelei-Manufaktur in Glindow und steckt fachmännisch in der Materie. Er findet sowohl den Ringofen, als auch das Grundstück recht "charmant" und wird mit überlegen, was eventuell daraus entstehen kann. Für die Ziegelei bliebe wohl nur der Abriss, der jedoch ziemlich teuer und den Rahmen für Ausgleichsmaßnahmen überschreiten wird. Die Höchstgrenzen werden überschritten, aber es gibt dann die Möglichkeit eines Freikaufs. Wie alles bewerkstelligt werden kann, und ob es Ausnahmereglungen gibt, soll nun die Naturschutzstiftung erfragen. Außerdem werde überlegt, welche Teile der Anlage möglicherweise als Industriedenkmal erhalten werden können. "Bisher sind das aber alles Gedanken ins Blaue hinein", so Marco Beckendorf. Viele fragen sich, warum es überhaupt so weit kommen musste. Die Hoffnung, dass die Firma Röben Tonbaustoffe als ehemaliger Besitzer des Areals, die alte Ziegelei zumindest erhält, hatte sich nicht erfüllt. Alle freuten sich, als sich ein Pächter fand, der im Rahmen einer GmbH die Ziegelei zumindest in Teilen erhalten und als Denkmal der Öffentlichkeit zugängig machen wollte. Es wurde aufgeräumt und es gab sogar Führungen über das Gelände. Eine schwere Krankheit des Pächters machte aber auch diese Hoffnung zunichte. Dabei war die Ziegelei einst einer der größten Arbeitgeber des Ortes.

Zur Geschichte:

Der 1856 geborene Maurermeister Friedrich Senst kaufte die Erdgruben der Familie Friedrich, die eine Ziegelei betrieben hatte, in der Ziegel in Handarbeit hergestellt wurden. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts gab es Ziegelbrennöfen in der Gegend. 1883 begann er mit dem Bau eines Wohnhauses und der Errichtung der Ziegelei, die vier Jahre dauerte. Senst hatte selber kein Geld und finanzierte das Projekt mit einem 300 Mark Kredit von der Kreissparkasse.

1938 wurden bestimmte Produktionsbereiche der Ziegelei automatisiert. Ab dem 1. Januar 1956 gehörte der Betrieb den Vereinigten Ziegelwerken des Kreises Belzig mit Sitz in Niemegk. 1956 waren noch ein Betriebsleiter, eine Köchin und 34 Arbeiter in der Ziegelei beschäftigt. Die Ziegelei blieb der wichtigste Arbeitgeber im Ort, aber die Arbeit forderte auch einen hohen Preis. Die Produktionsarbeiter atmeten dabei täglich Rußpartikel des Kohlenstaubs ein. Da halfen auch nicht die zur Verfügung gestellten Getränke.

Anfang der neunziger Jahre wurde die Ziegelei geschlossen und durch einen Neubau der Röben Tonbaustoffe auf der anderen Straßenseite ersetzt. Versprochen war eigentlich der Erhalt der alten Ziegelei, was allerdings nicht zustande kam.

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