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Kartoffeltag
Kartoffeln bringen Farbe auf den Teller

Pia Rückert / 08.04.2019, 14:21 Uhr
Raben Sie tragen wohlklingende Namen wie "Rosa Tannenzapfen", "Asparages", "Bamberger Hörnchen", "Violetta", "Rote Emmalie" oder "Alter Schwede" und sind teilweise mehr als 170 Jahre alt. Alte Kartoffelsorten liegen voll im Trend und finden immer mehr Liebhaber unter den Hobbygärtnern.

Am vergangenen Sonntag hatte das Naturparkzentrum in Raben zum Pflanzkartoffeltag eingeladen und genau diese Sorten im Angebot. Insgesamt 200 Kilo in acht Sorten hatten Juliane Wittig und ihre Kollegen beim Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg, kurz VERN e.V.,  bestellt. Was nicht verkauft wurde, kann auch weiterhin im Naturparkzentrum erworben werden, bis die Vorräte aufgebraucht sind.

Der Verein VERN e.V. wurde im Jahre 1996 gegründet. Mitglieder sind sowohl Privatpersonen, als auch Landwirte, Gärtner und Institutionen. Durch die verschiedensten Veranstaltungen informiert der Verein über Anbau, Umgang und Nutzung der alten Sorten.

Schon vor dem eigentlichen Beginn drängten sich die Besucher um den Tisch von Juliane Wittig. Besonders die farbigen Sorten hatten es den meisten angetan. Zusätzlich erhielten die Gäste wissenswerte Informationen zu den einzelnen Sorten. So sind die "Rosa Tannenzapfen" eine der ältesten bekannten Kartoffelsorten. Das Ursprungsland ist nicht eindeutig zu ermitteln. Sicher ist jedoch, dass sie um 1850 in verschiedenen Ländern Europas kultiviert wurde. Im englischsprachigen Raum nennt man sie auch "Pink Fir Apple". Die Kartoffel  ist sehr gut lagerfähig und eignet sich wegen ihres würzigen Geschmacks gut für Salate. Etwas vornehmer hört sich "Asparages" an, auch als Hörnchenkartoffel bezeichnet. Die Franzosen sagen es gibt "Ratte". Wegen ihres nussigen Aromas findet sie vor allem in der Spitzengastronomie Verwendung. Ihr Anbau ist allerding etwas anspruchsvoll. Sie benötigt einen garen Boden, gleichmäßige Wasserversorgung und ist anfällig für Krautfäule. Etwas ganz besonderes sind die "Bamberger Hörnchen", eine alte fränkische Lokalsorte. Sie findet immer mehr Liebhaber, kann aber wegen ihrer typischen fingerförmigen Knollen nur in mühevoller Handarbeit angebaut und geerntet werden. Sie steht auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Kartoffelsorten. Die Sorten "Violetta", "Rote Emmalie" und "Blauer Schwede" bringen Farbe auf den Teller. Die beiden ersten werden von Kartoffelbiobauer Carsten Ellenberg aus Niedersachsen gezüchtet und angebaut. Der "Blaue Schwede" wiederum ist eine alte Sorte, deren Ursprung nicht sicher ist.

Die bunten Sorten hatten es auch Christiane Herm angetan. Die Hobbygärtnerin ist extra wegen der Kartoffeln aus Groß Briesen gekommen. "Oma, wenn du blaue Kartoffeln findest, dann gibt es blaue Chips", hatten ihr ihre Kinder und Enkel mit auf den Weg gegeben. Christiane Herm bewirtschaftet ihren Garten auf besondere Art und Weise. Sie richtet sich nach dem Mondkalender, auch wenn sie zuerst deswegen oft ausgelacht wurde. Aber die Ergebnisse gaben ihr recht. Ihr Gemüse war längst nicht so anfällig und sah gesünder aus. "Da merken auch unsere Kinder schon, dass man früher nicht dumm war, es hatte wohl alles seinen Grund", schmunzelt sie. Deshalb kommen bei ihr die Kartoffeln erst am 29. oder 30. April in die Erde, dann ist laut Mondkalender der günstigste Zeitpunkt. Auch für andere Pflanzen findet sie im Kalender die richtigen Pflanz- und Aussaattermine und auch geerntet wird danach.

Aber auch wer keinen Garten hat, kann sich ein paar eigene Kartoffeln anbauen. Das geht nämlich auch in dunkelwandigen Eimern von mindestens 10 Litern Fassungsvermögen. Diese werden am Boden mit Kies oder Tonscherben gefüllt, damit das Wasser gut abfließen kann. Dann bis zu einem Drittel Kompost- und Blumenerde dazugeben. Maximal drei Kartoffeln mit den Keimaugen nach oben im Eimer platzieren. Eine Handbreit Erde draufgeben und gut angießen. Der Eimer braucht einen hellen Ort mit viel Sonnenlicht. Gegossen wird wöchentlich, gedüngt werden kann zum Beispiel mit Kaffeesatz. Während des Wachstums immer wieder Erde in den Eimer geben, bis nur noch die oberen Blätter zu sehen sind. Im Garten oder auf dem Feld werden die Kartoffeln angehäufelt. Dann heißt es warten, bis die Blätter vergilbt sind und die Erde ausgetrocknet.

Und dann: Guten Appetit!.

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