Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

50. Geburtstag
Marienthaler feiern ihren Gastwirt

Die Marienthaler spendieren eine Urlaubsreise: Die Dorfbewohner haben zusammengelegt, um Sven Matthiesen samt Frau und Kind in den Urlaub an die Ostsee zu schicken. Für den Gastwirt, der am Sonntag 50 wurde, war die Überraschung perfekt.
Die Marienthaler spendieren eine Urlaubsreise: Die Dorfbewohner haben zusammengelegt, um Sven Matthiesen samt Frau und Kind in den Urlaub an die Ostsee zu schicken. Für den Gastwirt, der am Sonntag 50 wurde, war die Überraschung perfekt. © Foto: Martin Risken
Martin Risken / 10.04.2019, 16:14 Uhr
Marienthal (MOZ) Das haut selbst einen gestandenen Gastwirt aus den Socken: Ein ganzes Dorf hat zum 50. Geburtstag von Sven Matthiesen gesammelt, um ihn, seiner Frau und dem 14-jährigen Sohn einen einwöchigen Urlaub im Ostsee-Bad Zinnowitz zu ermöglichen. Und das Taschengeld für die einwöchige Reise gab’s noch obendrauf.

Der Gastwirt, der eigentlich nur mit seiner Familie und Freunden in eher kleinem Rahmen am Samstagabend in seinen 50. Geburtstag hineinfeiern wollte, wurde durch die Dorfgemeinschaft überrascht: Aus der Geburtstagsfeier wurde eine riesige Party mit mehr als einhundert Gratulanten. Ein großer Tisch, voll gepackt mit Geschenken zeugt noch Tage danach von der überwältigenden Anteilnahme am runden Geburtstag des Gastwirtes, der den Betrieb 1997 von seinen Eltern Hans und Helga Matthiesen übernommen hatte. Vater Hans ist bereits verstorben, die Mutter lebt bei Verwandten in Meißen.

Seit 34 Jahren am Herd

Sven Matthiesen ist mit dem Marienthaler Gasthof groß geworden. 1985 zog es ihn aus dem sächsischen Pirna in die hiesige Region. In seiner Heimatstadt hatte der Jugendliche damals eine Kochlehre begonnen. Als aber feststand, dass die Eltern ihre Gastwirtschaft in Pirna gegen eine in Marienthal tauschen wollten, zog Sven Matthiesen voraus und absolvierte sein zweites Ausbildungsjahr, zuletzt im Granseer Gesellschaftshaus. Ein Grund für den ungewöhnlichen Ortswechsel sei gewesen, dass seine Großeltern nach Lübeck verzogen waren. Von dort waren es rund 800 Kilometer bis nach Pirna. Mit dem Umzug nach Marienthal sollte die Distanz halbiert werden.

1986 war es dann soweit: Gaststätten- und Haustausch wurden vollzogen, die Eltern übernahmen die Klubgaststätte vom Gastwirt Werner Urbanski, die schon damals in privaten Händen war. Aus der Klubgaststätte wurde nach Umbau- und Renovierungsarbeiten "Der Marienthaler", weil sich die Familie schnell heimisch und mit den Dorfbewohnern verbunden fühlte, habe man diesen Namen gewählt.

Seit 1986 arbeitet Sven Matthiesen in der Küche des Hauses, jetzt sind es bereits 34 Jahre. Aus dem Sohn des Hauses ist längst der Chef geworden. Seine Frau Nadine Löschner, die im Jobcenter arbeitet, unterstützt ihn nach Feierabend, an den Wochenenden und den Feiertagen. Dass sich die Beiden gefunden haben, ist wohl dem Interesse seiner späteren Frau an der Gastronomie zu verdanken. Denn  mit 14 Jahren absolvierte sie ein Schulpraktikum im Gasthof. Später trafen sie sich wieder. "Wenn man in der Gastronomie arbeitet, ist es gar nicht so leicht, einen Partner zu finden", ist Sven Matthiesen glücklich über die schicksalhafte Begegnung. Wie lange er noch hinter der Theke stehen will, weiß er nicht. Solange es die Gesundheit eben zulässt.

Der 14-jährige Tim interessiere sich bislang noch nicht für die Gastronomie. Bei einem 16 bis 17 Stunden Tag muss das Familienleben hinter anstehen. Umso gerührter war Sven Matthiesen, als er an seinem 50. Geburtstag den Reisegutschein überreicht bekam. Die Marienthaler gönnen es ihrem Gastwirt, dass er sich mit Frau und Kind an der Ostsee ein paar schöne Tage machen kann, im Hotel Asgard Meereswarte ist das Apartment bereits fest gebucht. "Es ist schön zu sehen, was sich die Marienthaler da haben einfallen lassen", zeigte sich Sven Matthiesen überwältigt von der Dorfinitiative.

Vorfahren stammen aus Schleswig-Holstein

Der Name Matthiesen verrät es: Wer so heißt, kann nicht aus der Region stammen. In Schleswig-Holstein, wo die Vorfahren von Sven Matthiesen herkommen, stehen allein in Lübeck rund 40 Familien mit diesem Namen im Telefonbuch.

Die Kriegswirren waren Schuld, weshalb es die Familie nach 1945 zunächst ins sächsische Pirna verschlug, bevor die Großeltern in den 1980er-Jahren zurück nach Lübeck zogen. Hans und Helga Matthiesen bauten sich dann in Marienthal eine neue Existenz auf.Svens Bruder war Kellner, er verunglückte tödlich. Seine Schwester arbeitet heute in Herne (NRW) als Anästhesistin. Sie kam am Wochenende mit ihrer Verwandtschaft zur Geburtstagsparty nach Marienthal. Die Verwandtschaft übernachtete bei Familie Grüneberg, die seit neuestem Ferienwohnungen im Ort anbieten.

Die Konkurrenz in der Gastronomie ist im Ort groß: Heute muss sich "Der Marienthaler" gegen gleich drei andere Anbieter behaupten.⇥ris

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG