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Regionalgeschichte
Bahnfahren zwischen Nauen und Ketzin

Gerhard Gall (li.) und Bernd Stenzel schrieben mit ihrer mehrere Jahrzehnte währenden Arbeit bei den Kreisbahnen deren Geschichte mit.
Gerhard Gall (li.) und Bernd Stenzel schrieben mit ihrer mehrere Jahrzehnte währenden Arbeit bei den Kreisbahnen deren Geschichte mit. © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 14.04.2019, 13:23 Uhr
Tremmen Ab dem 4. Oktober 1893 fuhren die ersten Güterzüge und ab dem 13. Dezember des gleichen Jahres auch Personenzüge auf der genau 15,6 Kilometer langen Strecke zwischen Nauen und Ketzin/Havel. Möglich geworden war der Bau der Ost- und später auch der Westhavelländischen Kreisbahnen durch das Inkrafttreten des Preußischen Kleinbahngesetzes im Jahre 1893. Dokumentiert wird deren Geschichte bis zur Stilllegung in den sechziger Jahren in der diesjährigen Sonderausstellung des Tremmener Dorfmuseums, die am vergangenen Wochenende eröffnet wurde.

Lothar Lehnhardt, Vorsitzender des Fördervereins, dankte besonders Jörg Schulze aus Brandenburg an der Havel, der bereits ein Buch über die Osthavelländischen Kreisbahnen herausgegeben hat und ein weiteres über die Westhavelländischen Kreisbahnen vorbereitet und sich somit bestens mit der Bahngeschichte auskennt. Er habe ihn vor fünf Jahren auf einer Ausstellung der Freunde der Ziegeleigeschichte kennengelernt und ihn für die Mitgestaltung dieser Ausstellung gewinnen können, sagte Lehnhardt.

An einem historischen Bild der damaligen Streckenverläufe informierte Schulze dann auch die mehr als 100 Eröffnungsgäste, dass der Bau der Osthavelländischen Kreisbahn auf einen gemeinsamen Beschluss des Landkreises, der Gemeinden Nauen und Ketzin/Havel sowie der Zuckerfabrik Nauen beruht, das Kreisgebiet mit Eisenbahnen in der Fläche zu erschließen. Hinzu kamen später die Bahnstrecken von Nauen nach Velten (1904) und von der Zwischenstation Bötzow noch die Bötzowbahn zum Spandauer Johannesstift. Die Havelländische Eisenbahn AG als Betreiber, baute auch zwei Kleinbahnen im Westhavelland. Sie führten von Röthehof nach Brandenburg, Krakauer Tor und nach Brandenburg Altstadt.

Gerhard Gall befuhr als Lokführer Jahrzehnte die Strecken und hatte am Rande des Eröffnungsrundganges viele Episoden parat. Auch wenn Lothar Lehnhardt während der Eröffnung scherzhaft meinte, dass die Geschwindigkeiten der Züge zwar nicht besonders hoch, aber vom Blumenpflücken an der Strecke wohl auch nicht die Rede sein könne, erzählte Gerhard Gall eine andere tatsächliche Version. Als Lokführer von Güterzügen habe er in der Saison öfter mal an einer Koppel bei Niebede angehalten und Champignons gepflückt. "In zehn Minuten war der Korb voll", sagte er verschmitzt. Er erinnert sich aber auch an einen schweren Unfall in Ketzin/Havel, als man eine Lok in den Bahnhof einfahren ließ, die dann auf eine Lok auffuhr, welche dort auf der Rampe zum Bekohlen stand, wobei der Lokführer unter die Lok geriet.

Von Streichen der Eisenbahner untereinander erzählte Helmut Stoll. Da er für das Aufziehen der Röthehofer Bahnhofsuhr zuständig war, musste er schließlich einen solchen dann auch erleben. Man hatte ihm eine Ratte ins Uhrwerk gelegt. So erlebten die Eröffnungsbesucher einen Nachmittag angefüllt mit unzähligen, sorgfältig zusammengetragenen Informationen und Utensilien der Kreisbahnen und gleichfalls mit Zeitzeugen angeregte Gespräche über ein Verkehrsmittel, das wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der angeschlossenen Orte und der beiden Landkreise insgesamt beigetragen hat.

Geöffnet ist die Ausstellung zur Geschichte der Havelländischen Kreisbahnen noch bis Ende Oktober jeweils an den Wochenenden und Feiertagen von 13.30 bis 17 Uhr.

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