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Erster Rundgang
Laga der kurzen Wege

Mathias Hausding / 15.04.2019, 06:00 Uhr
Wittstock (MOZ) Mirko Giese zieht eine Fuge glatt, dann fällt er sein Urteil. "Wie eng hier Stadt und Gartenlandschaft miteinander verbunden sind, das sieht gut aus", findet der Mann, der gerade letzte Arbeiten am künftigen Wasserspielplatz verrichtet. Giese kommt als Handwerker viel herum, außerdem ist er aus Rathenow und damit Buga- und Laga-erfahren. "Eine Ausstellung irgendwo in die Landschaft zu setzen, bringt nichts", findet er. Aber wie in Wittstock die Wiesen direkt hinter der Stadtmauer zum Blühen zu bringen, das sei eine gute Idee.

Noch drei Tage bis zur Laga-Eröffnung, Gelegenheit für einen Rundgang, bevor der Rummel beginnt. Der erste Eindruck: Der Bahnhof von Wittstock ist nicht nur frisch saniert, er riecht auch noch ganz neu. In Bahnsteignähe wird soeben verlegter Rollrasen gewässert. Einmal umdrehen und schon steht man vor einem der Eingänge zum Ausstellungsgelände. Wird das die Laga der kurzen Wege, nachdem die räumlich ausgefranste Havelland-Buga vor vier Jahren den Besuchern einiges zugemutet hat?

Klares ja, schon nach ein paar Schritten ist man mittendrin, die leuchtende Backstein-Stadtmauer weist den Weg von Garten zu Garten. Am Wegesrand blüht die Kaiserkrone. "Über den Rasen zu latschen ist erwünscht", beruhigt ein Verantwortlicher, wenn sich der Besucher nicht entscheiden kann, ob er erstmal einen Blick in die Blumenhalle im früheren Güterdepot am Bahnhof werfen will oder schnurstracks zur Bischofsburg laufen möchte.

Erinnerungen an Fontane

Eine schlanke Brücke über die Glinze (die Dosse kommt später) verbindet die fein gekiesten Wege durch die Blumenwiesen Richtung Stadt. Eine Mustergrabanlage mit extravaganten Grabsteinen ist als Teil der Laga zu besichtigen. Es folgt der erste von zwei Fontane-Gärten. Der eine ist mit Spalierobst den Erzählungen vom elterlichen Fontane-Garten nachempfunden, der andere setzt auf die verschiedensten Himbeersträucher, weil der Dichter mit Mitte 20 ein Gedicht über die Frucht geschrieben hat. Sehr schön auch, wie ein paar Meter weiter die vorhandenen Schrebergärten in die Laga integriert werden, zwei Muster-Bungalows inklusive.

Angst vor einer Hitzewelle

Jetzt ist die Neugier aber kaum noch auszuhalten, also mal weg von den Gärten und durch ein Tor in der Mauer rein in die tausendjährige Stadt. Schon anno 1904 sollen die Wittstocker ihre Stadt touristisch als "das märkische Rothenburg" vermarktet haben. Die Gassen, die Häuser, der Markt – alles schön restauriert und sicher gerade an den heißen Laga-Tagen im bevorstehenden Sommer ein lohnendes Ziel, um kühlenden Schatten zu finden. Eine drohende Dürre ist übrigens die größte Sorge von Chef-Gärtner Hagen Rossmann. "Es heißt für uns schon jetzt: wässern, wässern, wässern", sagt er.

Verlaufen kann man sich in der Altstadt nicht, sie ist ja klein, außerdem geben die 65 Meter hohe Marienkirche und andere Türme Orientierung. Feierlust kommt auf, wenn man den großen Amtshof mit Wiese, Biergarten und Bühne an der Bischofsburg betritt. Hier werden an hoffentlich lauen Sommerabenden jedes Wochenende Konzerte stattfinden. "Wenn Keimzeit spielt, sind hier 4000 Leute", sagt Josefin Richert vom Laga-Veranstaltungs-Management.

Wer etwas über die Stadtgeschichtew wissen will, möge sich an Wolfgang Dost wenden, sagen die Laga-Mitarbeiter. Gute Idee. Der 78-Jährige ist Stadthistoriker und Stadtverordneter, hat immer ein Lächeln auf den Lippen und kann herrliche Geschichten erzählen, zum Beispiel wie er einmal Manfred Stolpe fast davon überzeugt hätte, dass Wittstock die älteste Stadt der Mark ist.

Wolfgang Dost ist nicht zu entlocken, ob er nun stolz darauf ist, wie mit der Laga 30 Jahre Wiederaufbau nach der Wende gekrönt werden. Pathos ist ihm fremd, dafür ist er zu nordisch nüchtern. Er erzählt lieber, wie sie gemeinsam die 2435 Meter lange Stadtmauer, die Bibliothek und den Markt saniert haben und wie er sich öffentlich mit der Deutschen Bahn gezofft hat, bis die einsah, dass der Bahnhof hergerichtet werden muss.

Auch wenn die Stadt in der europäischen Geschichte nur einmal auftaucht, mit einer berühmten Schlacht im Dreißigjährigen Krieg, so ist es doch Wittstocks Historie, die in diesem Jahr viele Leute anlocken sollte, hofft Wolfgang Dost.

Wittstock – im Namen der Rose

Eine Rose ziert das Logo der Laga 2019 – und das ist nicht der bloße Einfall eines Grafikers. Rosen sind ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte, wie der Wittstocker Lokal-Historiker Wolfgang Dost weiß. So schenkte der leutselige örtliche Bischof Konrad von Lintdorf den Wittstockern im Jahre 1460 einen Tanzplatz, den Rosenplan. Die angepflanzten Blumen waren Nebensache, sagt Dost. "Es ging ums Feiern." Etwas später, nämlich 1884, hatte Wittstock so etwas wie seine erste Laga, nämlich eine dreitägige Gartenbau-Ausstellung ganz im Zeichen der Rose. Initiiert hatte sie ein Wittstocker Lehrer, zu seiner Zeit der deutschlandweit wichtigste Rosenfreund. "Die Gartenbau-Ausstellung war ein Riesenereignis", sagt Historiker Dost. Der Verein Rosenfreunde Wittstock hält die Fahne der Erinnerung bis heute hoch – und will auf der Laga natürlich ordentlich auftrumpfen. Anfang Juni brechen in Wittstock rosige Zeiten an. ⇥mat

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