Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bibelwettbewerb
Bücher mit viel Geschichte

Thomas Berger / 16.04.2019, 06:30 Uhr
Buckow Auf rege Beteiligung zu hoffen gewagt hatte sie. Doch am Ende war Pfarrerin Inge Clausonet selbst ganz hingerissen und begeistert, welch enorme Resonanz der Aufruf zum Bibelwettbewerb am Sonntagnachmittag am Ende hatte. Um die 40 Bibeln mögen es gewesen sein, die da mitgebracht wurden, zwischen 35 und 40 Gäste fanden sich im Seminar Buck-ow ein und nutzten die Gelegenheit, die verschiedenen Exponate zu bestaunen, vor allem aber zu mancherlei Geschichte(n) dahinter miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein angeregter Austausch, der das eine oder andere Aha-Erlebnis, vielleicht sogar einen neuen Aspekt zur eigenen Bibel zutage förderte.

Mit erstem Gesellenlohn bezahlt

Wohl mit am berührendsten von allen ist die Geschichte, die Erhard Wendt zu erzählen hat. Die Bibel, die der Therapieleiter der Eichendorfer Mühle für dieses Ereignis beisteuerte, ist ein eher kleines, schon reichlich abgegriffenes Exemplar. "1938 hat das mein Onkel Bruno Keitz von seinem ersten Gesellenlohn gekauft", berichtet Wendt, der eine der letzten Seiten aufschlägt. Dort steht ein persönlicher Eintrag des Erstbesitzers vom 21. September 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg: "Russland kurz vom Angriff – Offenbarung zu Ende gelesen." 14 Tage später wurde Bruno Keitz erschossen, die Bibel schickte man seiner Mutter, Erhard Wendts Oma Anna Keitz. Die gab sie ihrem anderen Sohn Richard mit, der am 17. Mai 1945 notierte: "In der Gefangenschaft bei Heilbronn Offenbarung zu Ende gelesen." 1976 kam das Stück dann in die Hände Wendts.

Die zweibändige Bibel von Bernd Wittchow, zusammen auf 11,6 Zentimeter gemessen, wurde am Ende als dickstes Exponat prämiert. Die Ehrung für das kleinste Exemplar nahm wiederum Olaf Rauch aus Hermersdorf entgegen. Lediglich 28 x 35 x 13 Millimeter misst das Stück, das er übers Internet aus Eggersdorf-Siedlung erstanden hatte. Über den Preis als älteste Bibel freute sich wiederum das Ehepaar Ingrid und Hans-Michael Köller aus Bollersdorf. Aus dem Jahr 1792 stammt die in Basel gedruckte Bibel, die Ingrid Köller von ihrem Vater Siegfried Richter übernommen hat und die sich vermutlich schon ganz lange in Familienbesitz befindet. Köllers hatten noch mehrere andere Exponate mitgebracht, kaum minder interessant. So eine dicke "Jubiläums-Bibel" mit speziellen Anmerkungen. Auf einer der ersten Seiten steht eine Widmung: Das damals junge Ehepaar erhielt die Bibel 1968 durch Köllers Großmutter überreicht, eine Frau des Jahrgangs 1884. "Es war die Studienbibel meines Vaters", erzählt der heute selbst betagte Bollersdorfer, "der war 1937 bis 1943 als Pfarrer in Neuhardenberg". Also in jener Kirchengemeinde, deren Patron Hans Graf von Hardenberg war, bekannt als einer der adligen und bürgerlichen Widerstandskämpfer aus dem Kreis der Verschwörer vom 20. Juli 1944. "Mein Vater ist dann 1943 gefallen, die Bibel kam in die Obhut meiner Großmutter", erzählt Köller weiter.

Wohl noch um einiges älter als 1792, "das kann ich aber eben nicht genau belegen", ist ein Neues Testament, mit dem sich der Buckower Theologe und Liedermann Jörg Swoboda beteiligte. Das gute Stück, dessen von Mäusen zernagte Ecken liebevoll ausgebessert sind, gehörte einst dem Zirkusbesitzer Theodor Renz, Erbauer des Friedrichstadtpalastes in Berlin. Die letzten beiden Kapitel sind handschriftlich ergänzt. Schon auf den ersten Seiten zeigt sich das Alter in Druck-Details und Schreibweisen.

Ab 11. Mai: Von der Keilschrift zur Nanobibel

Qumran, Gutenberg, Luther – Europas größte mobile Bibelausstellung wird demnächst im Seminar Buckow (Neue Promenade 34) Station einlegen. Pfarrerin Inge Clausonet freut sich schon sehr auf die 350 Quadratmeter umfassende Schau, die am 11. Mai um 16.30 Uhr mit einer ersten Führung eröffnet werden soll. Dazu kommt extra Ausstellungsleiter Alexander Schick nach Buckow, der abends um 19.30 Uhr noch einen Vortrag hält. Der Sylter Wissenschaftsjournalist ist einer der renommiertesten Bibelforscher.

Anschließend ist die Ausstellung bis zum 9. Juni geöffnet. Dazu gehören vor allem auch interaktive Angebote für Kinder wie Drucken mit der Gutenberg-Presse, Exponate im Ausgrabungsfeld bestimmen, Pflanzenbestimmungen, Essen wie Jesus in Nazareth oder auch eine Ausstellungs-Rallye. Am 24. Mai findet um 18 Uhr ein Nachbarschaftsfest statt.⇥bg

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG