Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Verkehrschaos
Für Kampf um Behelfsbrücke schließen Politiker Demos nicht aus

Bei der letzten Verkehrserfassung im Jahr 2010 wurden pro Tag 24 000 Fahrzeuge gezählt. Seither dürften die Zahl derer, die die Havelbrücke passieren, eher zugenommen haben.
Bei der letzten Verkehrserfassung im Jahr 2010 wurden pro Tag 24 000 Fahrzeuge gezählt. Seither dürften die Zahl derer, die die Havelbrücke passieren, eher zugenommen haben. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 16.04.2019, 18:38 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Am Montag sind in Magdeburg die Würfel gefallen. Beim Treffen der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt mit den für den Neubau der Hennigsdorfer Havelbrücke zuständigen Planern und Ingenieuren wurde endgültig entschieden: Während des Baus der neuen Brücke wird es für Fahrzeuge keine Möglichkeit geben, die Havel zu überqueren. Auch die am Montag von Peter Münch, Leiter des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde, erwähnte Autofähre wird es nicht geben. Neben vielen anderen hatte auch Bürgermeister Thomas Günther (SPD) die Fähr-Variante als abstrus empfunden: "2010 wurden pro Tag fahren 24 000 Fahrzeuge auf der Brücke gezählt. Viel Arbeit für so eine Fähre."

Wenn also die zuvor auf dem nebenan liegenden Festplatz montierte neue Havelüberquerung 2021 über den Fluss eingeschoben wird, kappt das Landesamt Hennigsdorfs Hauptverkehrsader. Nur für Fußgänger und Radler, so Münch, "besteht die Option einer Behelfsbrücke. Das Projekt ist noch nicht gekippt." Aber auch nicht sicher.

Laut Münch seien es nicht Kostengründe gewesen, auf den Behelfsbau zu verzichten. "Wir sparen fast eineinhalb Jahre, weil wir kein Planfeststellungsverfahren für die Behelfsbrücke einleiten müssen", argumentiert Münch. "Das sind Schmerzen ohne Ende, aber in einem absehbaren Zeitraum", beschreibt er die Konsequenzen für die Hennigsdorfer. Und er hat noch einen Trost parat: Die Havelbrücke werde in zwei bis drei Jahren fertig sein, für die Elsenbrücke in Berlin-Treptow – ebenfalls eine Hauptschlagader – würden zehn Jahre gebraucht. Was er verschweigt: Dort ist eine Behelfsbrücke sicher.

Hennigsdorfs Bürgermeister reagiert mit Entsetzen, als der Generalanzeiger ihm die Hiobsbotschaft mitteilt: "Wie bitte? Gar nichts wird es als Ersatz geben? Da sind wir ja kein Stück weiter! Das führt uns ins erwartete Verkehrschaos." Als er sich zur Brücken-Krisensitzung am Montag mit den Stadtverordneten getroffen hat, sei allen klar gewesen: "Wir müssen parteiübergreifend Druck auf den Bund ausüben." Darauf angesprochen, ob er sich als Protestmaßnahme auch eine Art Brücken-Boykott, also eine Demonstration, vorstellen könne, sagt er: "Das will ich nicht ausschließen. Öffentlichkeitswirksame Aktionen halte ich sogar für notwendig." Bürger, Politiker und die Wirtschaft würden sich das nicht gefallen lassen. Dieser Meinung ist auch der Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler (CDU). Ebenso wie Günther hat er sich bereits ans Bundesverkehrsministerium gewandt. "Wenn ich bis zur Sitzungswoche im Mai keine vernünftige Antwort habe, werde ich den Minister auffordern, nach Hennigsdorf zu kommen und sich die Situation vor Ort anzusehen. Der weiß doch gar nicht, was hier abgeht." Ob sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beim Anblick des Verkehrs auf der Brücke zum Handeln entschließt? Er könnte dort die Autos zählen. Am Dienstag waren es Punkt 14.45 Uhr in einer Minute 40 Fahrzeuge. Macht in der Stunde 2 400 Wagen. Auch dem CDU-Abgeordneten scheint die Hutschnur zu platzen. Selten hört man von ihm Sätze wie diesen: "Wir müssen alles zusammensuchen, was Beine hat und ein bisschen Bambule machen."

Dass es das Wasserstraßenamt jetzt so eilig hat, mag daran liegen, dass die Brücke seit mehr als zehn Jahren zu den Sorgenkindern gehört. Im Mai steht das nächste Gutachten an. Münch befürchtet Schlimmes: "Der Trend geht dahin, dort jeglichen Lkw-Verkehr zu verbieten." Und zwar unverzüglich! Eine einseitige Sperrung sei keine Option: "Der Stauraum reicht nicht aus."

Dass die Behörde die Fähr-Idee verworfen hat, liegt ebenso am Rückstau und an den langen Wartezeiten. Da sei die Umfahrung über die Autobahn schneller. "Für zwölf Kilometer rechnen wir 20 Minuten." Und was ist mit dem Rettungsdienst, der in 15 Minuten den Einsatzort erreichen muss? Münch räumt ein: "Keine Ahnung. Da sind wir in Gesprächen mit Stadt und Kreis."

Sie haben auch ein Problem? Dann rufen Sie uns unter 03301 596322 oder schreiben Sie eine Mail an lokales@hennigsdorfer-generalanzeiger.de.

ÖffentlichesForum

Peter Münch, Leiter vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde, hat zugesagt, am 23. April im Ratssaal über das Bauprojekt und seine Auswirkungen zu informieren.

In Absprache mit Bürgermeister Thomas Günther (SPD) ist aus der Info-Runde für Stadtverordnete ein öffentliches Forum geworden. Jeder Hennigsdorfer kann ab 18 Uhr im Ratssaal dabei sein.⇥rol

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG