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Jubiläum
Mittelalter-Dorf in Chorin wird 30 Jahre alt

Blick in die Glaskugel: Ob das diesjährige Osterkloster-Fest in Chorin ein Besuchermagnet wird, weiß derzeit wohl nur die Wahrsagerin. Laut Meterologen soll es sonnig und warm werden.
Blick in die Glaskugel: Ob das diesjährige Osterkloster-Fest in Chorin ein Besuchermagnet wird, weiß derzeit wohl nur die Wahrsagerin. Laut Meterologen soll es sonnig und warm werden. © Foto: Andreas Gora
Julia Lehmann / 16.04.2019, 20:50 Uhr
Chorin (MOZ) Freitag war der letzte von vier Containern verschlossen worden. Darin: ein ganzes Dorf. Das Ziel ist die Festwiese in Chorin:  Bereits zum 30. Mal lassen Veranstalter Roman Streisand und seine Formation Spilwut das Mittelalter-Dorf in Chorin errichten. Eine Welt aus mittelalterlichem Minnegesang, mittelalterlichem Handwerk und Markttreiben, Spielen und Instrumenten. Ritter, Tänzer und Gaukler, Theaterdarbietungen, Waldschrate, Magier und Hexen nehmen Besucher immer zu Ostern mit in eine andere Welt.

Veranstalter Roman Streisand schlüpft seit Existenz des Fests in verschiedene Rollen. Er ist Produzent, Regisseur, Veranstalter und Musiker: Mit seiner Gruppe Spilwut bringt er "Sang und Klang aus Renaissance und Gotik" auf eine der drei Bühnen. Die Faszination für Sackpfeifen, die er heute nicht nur spielt, sondern auch selbst baut, war die Initialzündung für die Anfänge der ersten Osterkloster-Fest-Ausgaben. Diese Anfänge gehen in die DDR-Zeit und Streisands Zeit als Straßenmusiker zurück. Damals gründete er einen kleinen Markt mit ein paar Ständen, Käsebroten und  Musik, erinnert sich Streisand.

Heute sei das Fest mit Auflagen und Kosten verbunden, an die früher nicht zu denken war, so Streisand. Allein der Strom koste 4000 Euro pro Fest. "Ich finde das erschütternd, denn im Mittelalter gab es auch keinen Strom", sagt er. Auch wenn nicht jedes Detail geschichtlich haargenau ist, ist dem Veranstalter ein authentisches Setting wichtig.

Bei Angaben zu Besucherzahlen, Einnahmen und Ausgaben hält sich Roman Streisand bedeckt. Nur so viel: Der Erfolg des Fests steht und fällt mit dem Wetter. Streisand erinnert sich an das Rekordjahr 2004 mit 15.000 Besuchern und an 2013 mit nur 6000 Besuchern, die im Schnee kamen.

Musikgruppe Vielle neu dabei

Im Zentrum des fünftägigen Festivals steht auch nach 30 Jahren die Musik. Neben den Auftritten von Spilwut unterstützen etliche Künstler und Musiker das Fest. "Jede Gruppe sollte ihre Eigenheit haben", sagt Roman Streisand. In diesem Jahr neu dabei ist die Gruppe Vielle, die mit Drehleiern, einem Streichinstrument, bei dem die Saiten mittels eines Rades gestrichen werden, kommt.

Spilwut hat pünktlich zum 30. Osterkloster-Fest ihre inzwischen achte CD auf den Markt gebracht. Stücke aus "Cornucopia" gibt es natürlich auch am Wochenende zu hören. Die meisten mittelalterlichen Lieder sind aus der Feder von Roman Streisand. In "Die Ratte" allerdings hat er sich aus Goethes Faust bedient. "Ich fand den Gedanken gut, das Verliebtsein mit einer Vergiftung zu vergleichen", so Streisand. Hier lagern auch all die vielen Figuren für das Osterkloster-Fest. Im Jahr 2011 vernichtete ein Brand die gesamte Scheune und alles, was sich darin befand. Einiges konnte Streisand ersetzen, aber die meisten Dinge seien unersetzbar gewesen, sagt er. Viele Instrumente und Figuren fielen dem Feuer zum Opfer. Auch der rote Drache, eine der Hauptattraktionen des Fests, wurde zerstört. Streisand nimmt es gelassen. Er baute den Drache neu – und zwar deutlich besser, wie er findet. Heute steht dort längst eine neue Scheune. Und hierhin kehren all die magischen Figuren nach Ostern wieder zurück. Aber bis dahin warten mittelalterliche Wundervögel und Riesenfeuerdrachen auf ihren Auftritt.

Wer sich als Statist beim mittelalterlichen Theater beteiligen will, kann sich kurzfristig beim Veranstalter melden: spilwut@spilwut.de.

Osterkloster-Fest: Gründonnerstag (ab 14 Uhr), Karfreitag bis Ostersonntag, 10 bis 20 Uhr, Montag 10 bis 18 Uhr, Festwiese Chorin, Amt Chorin 11c-e, Eintritt fünf bis zehn Euro

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