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Die Tartanbahn des einzigen echten Leichtathletik-Stadions des Kreises ist marode. Die Landesmeisterschaften wurden abgesagt.

Dranbleiben
Das Unbehagen läuft stetig mit

Dirk Schaal / 18.04.2019, 05:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die frühlingshaften Temperaturen locken wieder ins Freie. So auch die etwa 100 Leichtathleten von Motor Eberswalde. Doch mit einem Schrecken mussten sie beim Freiluft-Auftakttraining feststellen, dass die Tartanbahn mächtig gelitten hat. "An einigen Stellen waren in den Vorjahren ja schon Risse zu beobachten, doch jetzt haben die schon gefährliche Ausmaße angenommen", erklärte Sabine Preuß, Vorsitzende der Abteilung Leichtathletik bei Motor Eberswalde.

Tatsächlich hat sich über den Winter die Situation noch verschlimmert. Mittlerweile hat sich Löwenzahn in den Rissen angesiedelt. "Da ist noch ein Riss", "dahinten auch" und "boah, ist der riesig", kommentieren die jungen Motor-Leichtathleten vorm Training ihre Suche nach den Beschädigungen in der Laufbahn.

Bereits seit Jahren legt Sabine Preuß immer wieder den Finger in die Wunde. Von der Stadt Eberswalde als Eigentümer des Lesch-Stadions kamen in der Vergangenheit  viele warme Worte, doch geändert hat sich kaum etwas. Einige Bahnen wurden von der Stadt vor einigen Jahren saniert. Doch das war nur Flickschusterei. Durch den unterschiedlichen Belag haben gerade Sprinter so ihre Probleme und die Nahtstellen bergen ein Unfallrisiko, erklärte Trainerin Carmen Kluge-Postier. "Man kann doch nicht immer nur neue Projekte angehen, man muss sich doch auch um die bestehenden kümmern", kritisiert Sabine Preuß.

Die Stadtverwaltung teilte auf Anfrage lapidar mit, dass sie sich der Situation im Fritz-Lesch-Stadion bewusst ist. "Entsprechende Maßnahmen werden ergriffen, der genaue Zeitpunkt kann derzeit jedoch nicht benannt werden", heißt es in einem Schreiben. Nach schneller Abhilfe klingt das jedoch nicht.

Unbehagen läuft bei den kleinen Leichtathleten mit, als sie auf der Tartanbahn ihre Trainingsrunden drehen. "Es sieht nicht spektakulär aus, aber wenn du da mit hohem Tempo und Spikes in solch einem Riss hängenbleibst, dann kann das schon verheerende Auswirkungen haben", sagte Carmen Kluge-Postier, die die Gruppe der Jugendlichen trainiert.  Dazu kommen noch  Dellen in der Bahn durch das Wurzelwachstum der Bäume am Rand, die mehr spür- als sichtbar sind. Ob da eine Wurzelsperre vergessen wurde, als vor etwas mehr als 20 Jahren das Stadion erneuert wurde, daran kann sich keiner erinnern.

Gerade für solche Fälle hat der Landessportbund Brandenburg (LSB) ein Kommunales Infrastrukturprogramm auf die Beine gestellt. 19 Millionen Euro werden für den Bau oder die Sanierung von Sportanlagen bereitgestellt, die sich außerhalb der Fördergebietskulisse "Ländlicher Raum" befinden. Doch beim Sportbund liegen keine Eberswalder Anfragen nach Finanzierung vor. "Es können auch Förderungen über die Stadt- oder Kreissportbünde beantragt werden", erklärte Fabian Klein, Pressechef des LSB. Beim KSB Barnim verneint Finanzerin Claudia Villain auf Anfrage, ob der Kreis sich in irgendeiner Form des teils maroden Lesch-Stadions angenommen und Fördermittel beantragt hat: "Das ist in erster Linie Aufgabe der Stadt Eberswalde".

Die Mängel könnten weitreichende Folgen für die Eberswalder oder vielmehr sogar Barnimer Leichtathletik haben. Denn das Lesch-Stadion ist der einzige Ort, an dem Landesmeisterschaften stattfinden können –  das einzige echte Leichtathletikstadion im Landkreis.

In diesem Jahr finden zum ersten Mal keine Landesmeisterschaft im Lesch-Stadion, also auch nicht im Barnim statt. "In der Tat beobachten wir den Zustand des Stadions mit Sorge. Im Gespräch mit Sabine Preuß haben wir uns dazu entschieden, in diesem Jahr keine Meisterschaften in Eberswalde durchzuführen", erklärte Volker Pietsch, Wettkampfstättenverantwortlicher vom Leichtathletikverband Brandenburg. Ob und wann es wieder solche Wettkämpfe für Barnimer Sportler vor der eigenen Haustür geben wird, ließ er offen.

In Brandenburgischen Jüterbog hatte man mit der Tartanbahn im Rohrteichstadion genau die selben Probleme. Die 1992 erbaute Bahn war zerschlissen. "Es war schon ein langer Atem notwendig, um an die Fördermittel zu kommen, aber im Endeffekt hat es geklappt", berichtete Silke Göritz vom Jüterboger Bauamt. 75 Prozent der Kosten kamen vom Sportbund, für den Rest musste die Stadt selbst aufkommen, erklärte sie. Die Erneuerung der mit der Eberswalder vergleichbaren Tartanbahn hat 370 000 Euro gekostet. Hinzu kamen dort noch 50 000 Euro für eine teilweise Erneuerung der Drainage. Im Sommer vorigen Jahres fing man an dort mit der Sanierung an. Da der neue Kunststoff nur bei Temperaturen über 10 Grad verlegt werden kann, war bis jetzt Winterruhe. Doch schon bald können wieder die ersten Läufer völlig unbeschwert über die Jüterboger Tartanbahn flitzen.

Davon können die Eberswalder Leichtathleten nur träumen. Denn beim Lauf über die Tartanbahn im Fritz-Lesch-Stadion ist wegen der Mängel derzeit immer irgendwie ein gewisses Unbehagen dabei.

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