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Deponie
Endlich: Die Müllberge sind verschwunden

Minister Jörg Vogelsänger und Amtsdirektor Thomas Hemmerling unterzeichnen den Abschluss der Beräumungsarbeiten.
Minister Jörg Vogelsänger und Amtsdirektor Thomas Hemmerling unterzeichnen den Abschluss der Beräumungsarbeiten. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 18.04.2019, 08:52 Uhr
Neuendorf An die Müllberge, die sich auf dem Gelände der ehemaligen Fläming Sortieranlage GmbH in Neuendorf bei Niemegk türmten, erinnern nur noch Fotografien. Am Montag setzte sich  Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) persönlich hinter das Steuer eines Radladers, um die Beräumung des illegalen Abfalllagers offiziell zu beenden. 7,2 Millionen Euro investierte das Umweltministerium in die Beräumung der Fläche am Ortsausgang des Dorfes. Damit ging ein fast zehn Jahre langer Kampf um die Beräumung der Deponie zu Ende. "Es war ein langer Weg des Redens, aber auch des Streitens", sagte Amtsdirektor Thomas Hemmerling.

Der Hintergrund: Am 7. April 1999 wurde die Genehmigung erteilt, auf dem Areal der ehemaligen Kartoffel-Sortieranlage in Neuendorf eine Abfallsortieranlage zu betreiben. Kurze Zeit nach Inbetriebnahme durch die Firma Fläming Sortieranlage GmbH kam es zu ersten Beschwerden. Es wurde deutlich mehr Müll angefahren, als wieder abgefahren. Das damalige Amt für Immissionsschutz Brandenburg stellte bald darauf eine Überschreitung der zulässigen Lagermengen fest. Die behördlichen Vollstreckungsmaßnahmen zur Beräumung blieben jedoch ohne Erfolg. 2002 wurde der Betrieb der Anlage eingestellt. Im Jahr darauf meldete die Betreiberfirma Insolvenz an. Sie hinterließ unsortierte Abfälle wie Kunststoffe, Altholz und Bauschutt in Hallen und auf Freiflächen des etwa 3,2 Hektar großen Areals. Im Herbst 2011 entstand in den Müllbergen ein Großbrand, der die Feuerwehren tagelang in Atem hielt. Die Angst, die von der Anlage ausging, wuchs.

Lokalpolitiker wie Helmut Köppke, Hans-Joachim Linthe, Siegfried Frenzel, Ralf Raffelt und Thomas Hemmerling gehörten zu denen, die den sprichwörtlichen Finger immer wieder in die Wunde legten, um die Landespolitik in die Pflicht zu nehmen. Sie schrieben Petitionen, führten Gespräche, organisierten Proteste. 2014, nach einem scheinbar unendlichen Gerangel um Zuständigkeiten, fand die Problematik endlich Gehör. Umweltminister Jörg Vogelsänger war zu diesem Zeitpunkt gerade in sein Amt eingeführt worden. Doch bevor Gelder für die Beräumung des Abfalllagers fließen konnten, musste die Gemeinde Rabenstein Fläming Eigentümer der Fläche werden. Der entsprechende Beschluss wurde 2016 gefasst. Er ebnete den Weg für den Einsatz von Landesmitteln. "Ihr Amtsdirektor war damals ein sehr mutiger Mann. Nicht einmal ich wusste, ob dass Geld für die Beräumung auch wirklich fließt", so Vogelsänger rückblickend. Ende 2016 kam die gute Nachricht in Niemegk an. Nachfolgend wurden zwischen Oktober 2017 und März 2019 im Auftrag des Landesamts für Umwelt 53.500 Tonnen Abfälle entsorgt. "Über dieses Gelände gibt es viel zu sagen. Es sind zu viele Jahre vergangen, bis etwas geschah", so Hemmerling abschließend.

"Kunststoffabfälle und Altholz wurden in Abfallverbrennungsanlagen oder Ersatzbrennstoffkraftwerken thermisch entsorgt oder verwertet. Mineralische Abfälle je nach vorgefundenem Schadstoffgehalt auf Deponien gelagert oder als Baustoff genutzt. Verwertbare Abfälle, zum Beispiel Metalle, fanden sich kaum. Abfälle mit Gefahrenpotenzial für die Anwohner oder das Grundwasser wurden nicht aufgefunden. Dennoch blieben die Arbeiten nicht frei von Überraschungen: Gegen Ende der Beräumung wurde eine unbekannte Bodenvertiefung festgestellt, in der zusätzlich etwa 5.000 Kubikmeter Abfälle vorgefunden wurden", heißt es in der Pressemeldung des Landesumweltamtes.

Zurückgeblieben ist eine betonierte Fläche, die nunmehr entsiegelt und renaturiert werden kann. Diesen Prozess wird der Naturparkverein "Hoher Fläming" begleiten. Naturparkmitarbeiter Oliver Müller informierte, dass die Fläche mit Laubbäumen, insbesondere mit Traubeneichen, Birken und Kiefern angepflanzt werden soll. Späterhin soll der Burgenwanderweg verlegt werden und über die Fläche hinwegführen.

Helmut Köppke begann das Renaturierungsprojekt zu unterstützen. Gegen eine Spende gab er Postkarten ab, die das Areal vor der Beräumung zeigen. Mit den Erlösen soll der Baumkauf unterstützt werden. Langfristig, so die Pläne der Gemeinde, könnte auf der Fläche einmal Friedwald entstehen.

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