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Historie
Erstes Dokument zu 100 Jahren Gartensiedlung in Schwante

Mit Vordruck in der Hand: einige der Macher der Broschüre
Mit Vordruck in der Hand: einige der Macher der Broschüre © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 18.04.2019, 12:47 Uhr
Schwante (MOZ) Nach mehr als dreijähriger Arbeit liegt sie jetzt vor, die Broschüre über 100 Jahre Gartensiedlung Schwante. Ortsvorsteher Dirk Jöhling (BfO) spricht von vielfältigen Erkenntnissen, die die Lektüre bereithalte. "Ein Stück Geschichte konnte so bewahrt werden", sagt er. Am 4. Mai wird das Jubiläum mit einem kleinen Festakt samt Wanderung an historische Orte begangen.

"Wenn wir das nicht gemacht hätte, wäre diese Zeit in der nächsten Generation vielleicht schon vergessen gewesen", sagt Historiker Gerd Kley über das Zeitdokument. Zusammen mit einem Team aus Zeitzeugen und Interessierten wie Uta Hoffmann hat er die Broschüre inhaltlich und textlich erstellt. "Es war eine Gemeinschaftsarbeit", betont er. In Schwante weisen nur noch ein paar alte Häuser auf die Historie der Gärtner und Genossenschaften hin, keine Tafel oder Plakette informiert.

Ihren Ausgang findet die bisher nicht in Schriftform festgehaltene Geschichte der Gärtnereigenossenschaft Schwante in den Konsequenzen des ersten Weltkrieges. Not und Hunger waren Anlass zur Sorge, Nahrung war knapp. Arbeitslose, zurückgekehrte Soldaten und andere schlossen sich am 6. April 1919 zu einen Verein zusammen. "Es ging um die Ernährung, um das, was zu der Zeit nicht gewährleistet war", sagt Jürgen Ebel, Gründungsgeschäftsführer der SL Schwanteland. "Menschen haben damals etwas in die Hand genommen, eine Existenz aufgebaut, mit Ideen und Fleiß."

Mit Fleiß Existenz aufgebaut

Stand die Frage im Raum: Wo gärtnern? Die Enthusiasten konnten die Landgesellschaft "Eigene Scholle" in Frankfurt gewinnen, die den Finanzbrocken stemmte und das Areal ums Rittergut Schwante kaufte. Holzschuppen entstanden, später Häuser aus Schlackensteinen. Einige davon sind heute noch zu sehen.

Die Siedlung in Neu-Schwante (1937 zu Schwante eingemeindet) entstand und damit eine florierende Gärtnerlandschaft im späteren Oberkrämer. Zu DDR-Zeiten kamen mit der Kollektivierung die LPGs. Jöhling selbst erinnert sich, wie er sich als Junge mit der Ernte von Blumenkohl seinen ersten Kassettenrekorder verdiente. Im Blumenkohlbeet saß als Kind auch die heute 71-jährige Ingrid Reitmann. "Mit Herzblut hat mein Vater nach dem Zweiten Weltkrieg seine Gärtnerei aufgebaut", sagt sie. Es sei schwere, aber lohnenswerte Arbeit gewesen. Sie selbst hätte den Betrieb übernommen. Aber Studium und Kinder – also das Leben – kamen dazwischen.

200 Exemplare haben der Schwanter Geschichtskreis mit Unterstützung der Gemeinde, von Schwanteland GmbH und dem Regionalpark Krämer Forst drucken lassen. Kosten insgesamt: 2 000 Euro. Am Sonnabend, 4. Mai, wird die Broschüre präsentiert. Um 10 Uhr startet an diesem Tag eine kleine Wanderung an der Ecke Gartensiedlung und Mühlenweg. "Wir laufen mit Zeitzeugen durch die Siedlung", so Dirk Jöhling. Zweit Stunden soll die Tour dauern, die als weiterer Baustein gedacht ist, dass die Gartensiedlung in Schwante nicht vergessen wird.

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