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Was in Schöneiche geht, ist in Woltersdorf lange noch nicht möglich. Mancher verzichtet deshalb auf Straßenbahnfahrten mit dem Rollator.

Straßenbahn
Weiter Weg zur Schleuse

Annette Herold / 19.04.2019, 11:00 Uhr
Woltersdorf (MOZ) Es sind keine zwei Kilometer Luftlinie, und doch ist die Woltersdorfer Schleuse für Bernd Lungwitz aus der Lessingstraße derzeit kaum erreichbar. Wegen einer schweren Nervenentzündung kann der 79-Jährige nur mit großer Anstrengung laufen. Ein so langer Spaziergang ist derzeit trotz Rollator einfach nicht drin.

Nun ist Bernd Lungwitz zeitlebens ein aktiver Mensch gewesen, und er will sich auch von der Krankheit nicht den Schneid abkaufen lassen. "Ich möchte so gern mal wieder an die Schleuse", sagt er. "Früher habe ich die Welt bereist, das geht nicht mehr. Ich möchte aber wieder aktiv sein und wenigstens meine Heimat sehen." Die Straßenbahn wäre eine gute Alternative zum Spaziergang, einsteigen könnte er an der Haltestelle Eichendamm und dann bis zur Haltestelle Schleuse mitfahren. Doch das ginge nur mit Hilfe. Den Rollator kann Bernd Lungwitz nicht allein in die Bahn bugsieren. Dass jemand parat steht, der zufasst, darauf verlässt er sich lieber nicht.

Blick nach Schöneiche

Warum die Woltersdorfer Straßenbahn nicht soviel Komfort bietet wie die Schöneicher, die demnächst den zweiten barrierefreien Zug finnischer Produktion in Dienst stellen wird, möchte Bernd Lungwitz wissen. "Wenn ich nach Schöneiche blicke, kriege ich so einen Hals", ärgert sich der Woltersdorfer.

Der Betriebsleiter von Schöneicher und Woltersdorfer Straßenbahn, Sebastian Stahl, kann Bernd Lungwitz’ Ärger verstehen, eine kurzfristige Lösung kann er nicht versprechen. Das liegt daran, dass die Schöneicher Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) die Woltersdorfer derzeit nur übergangsweise betreibt. Gerade werden die Straßenbahnverträge diskutiert, mit denen die SRS die Betriebsführung bis 2042 übernehmen möchte.

Damit wäre auch  langfristige Planung möglich, sagt Sebastian Stahl. Denn anders als in Schöneiche, wo vor Jahren mit den Vorbereitungen für die bis 2022 geforderte Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) begonnen wurde, seien in Woltersdorf viele Fragen noch unbeantwortet. Das reiche von der Finanzierung bis zur Technik.

Die Kleinsten mit eigener Tram

Woltersdorf gilt als Deutschlands kleinste Kommune mit eigener Straßenbahn, und genau das bringt Stahl zufolge Herausforderungen mit sich. Große Städte bestellten 40 Meter lange Züge, in Woltersdorf genügten zehn bis 20 Meter. Damit ist schon klar: Von der Stange werden neue Straßenbahnen für die Gemeinde nicht kommen können.

Und Bernd Lungwitz, der von vielen älteren Woltersdorfern weiß, dass sie die Bahn gern nutzen würden, wegen ihrer Gehbehinderung aber verzichten müssen? Ihm bleibt vorerst nur, Nachbarn oder die Kinder zu bitten, wenn er mit seiner ebenfalls auf den Rollator angewiesenen Frau Ulla einen Ausflug unternehmen möchte. Er hat da schon Unterstützung. "Alle sind hilfsbereit", sagt er. "Aber man möchte doch nicht dauernd fragen."

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