Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nehmitzkanal
Votum mit Kopfschütteln

Lange schwelender Konflikt: Schon Silvester 2017 machten die Angler ihrem Ärger über das Verbot Luft.
Lange schwelender Konflikt: Schon Silvester 2017 machten die Angler ihrem Ärger über das Verbot Luft. © Foto: Sandra Jütte
Matthias Henke / 19.04.2019, 22:37 Uhr
Stechlin Wohl selten haben Stechlins Gemeindevertreter so einmütig einen Beschluss gefasst, dessen Zustandekommen sie gleichzeitig so kritisierten. Am Mittwoch beschlossen sie einstimmig, das Projekt "Weißfischentnahme" im Stechlinsee und Nehmitzsee der Stechliner Angelvereine  in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land zu unterstützen und befürworteten damit ausdrücklich die Maßnahme als Beitrag zur Umsetzung der Verordnung über das Naturschutzgebiet (NSG) "Stechlin".

Einen "Minikompromiss" nannte Bürgermeister Wolfgang Kielblock (WG Heimatverein/ Dollgower Bürger) das Ganze. "Wir waren einmal ziemlich euphorisch", fügte er hinzu, denn eigentlich wollte man mehr. Die Gemeinde hatte eine Befreiung von der NSG-Verordnung hinsichtlich der Befahrung des Nehmitzkanals zwischen Stechlin und Nehmitzsee beantragt. Die Befreiung sollte für zwei Jahre gelten. Unterstützung kam von der Naturparkverwaltung sowie dem IGB. Zunichte gemacht wurde das Ganze dann aufgrund einer Stellungnahme des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, da die NSG-Verordnung keinen Raum für die angestrebte Befreiung biete. Der Konflikt um die Befahrung des Kanals schwelt bereits seit Langem (wir berichteten). Strittig ist zudem, ob im Gerlinsee geangelt werden darf.

Das eingangs erwähnte Projekt ist nun eine Hilfskonstruktion, da in diesem Rahmen das Befahren des Kanals erlaubt wäre, wenn auch nicht für jeden. Ziel ist es, den Bestand an Weißfischen und fremden Arten zu verringern. Dazu sind entsprechende Statistiken zu führen. Nach zwei Jahren soll das Projekt evaluiert werden. Beauftragte Personen sind neben der Fischerei Böttcher Mitglieder der Angelvereine und Besitzer von Angelkarten. Der Projektantrag ist noch in der Vorbereitung. Ziel ist, eine Anordnung durch die Untere Naturschutzbehörde bis Juli zu erreichen.

"Wir müssen dranbleiben, um den Kanal auch für Touristen aufzubekommen. Das mit der Weißfischentnahme ist doch an den Haaren herbeigezogen", sagte Egon Brehe (WG Heimatverein/ Dollgower Bürger). Die Befürchtung, dass mit der Öffnung des Kanals ein hohes Verkehrsaufkommen einhergehe, sei unrealistisch. Als "juristische Schreibtischtäterei" bezeichnete Dr. Diethelm Ronneberger (WG Heimatverein Neuglobsow/Dagow) das nun gewählte Prozedere. Eine Zähl- und Meldeanlage für Wasserfahrzeuge unter einer Brücke sei "Nonsens", da die Brutzeit der Vögel sowieso von der Befahrung ausgenommen sei und das Bootsaufkommen generell gering sein dürfte. "Ich hoffe, die rostet nicht ein", kommentierte sein Fraktionskollege Rainer Böttcher, der gleichzeitig mahnte, sich nicht komplett querzustellen in dieser Angelegenheit. Unverständlich bleibe für ihn aber, wie in Potsdam eine ablehnende Entscheidung gefällt werden könne, ohne die Gegebenheiten vor Ort zu kennen.

Der Kanal und seine Nutzung

Der Nehmitzkanal wurde als Verbindungsgewässer einst geschaffen, um als Rückfluss für den Wasserkreislauf des Kernkraftwerkes Rheinsberg zu dienen.

Das Gewässer liegt mitten im fast 8 700 Hektar großen Naturschutzgebiet (NSG) Stechlin.

Sowohl die Angler als auch Rudertouristen hatten den Kanal aber noch bis 2015  regelmäßig genutzt.

Eine Erlaubnis, die den Anglern zugesagt worden war, wurde im 4. März 2016 endgültig zurückgezogen. ⇥sju

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG