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Kindernachsorgeklinik
Es ist wie nach Hause kommen

Fühlen sich wohl: Zum vierten Mal sind Jana und Patrick Röwer mit ihren Söhnen Luca und Noah in der Wandlitzer Nachsorgeklinik zu Gast. Sie schätzen vor allem die Erholung für die ganze Familie.
Fühlen sich wohl: Zum vierten Mal sind Jana und Patrick Röwer mit ihren Söhnen Luca und Noah in der Wandlitzer Nachsorgeklinik zu Gast. Sie schätzen vor allem die Erholung für die ganze Familie. © Foto: Irina Voigt
Irina Voigt / 20.04.2019, 07:00 Uhr
Wandlitz/Strausberg Wir haben gebacken. Da mussten wir den Teig ausrollen und haben Zitrone drangetan!" Der achtjährige Luca Röwer berichtet mit weit ausholenden Gesten von seinem spannenden Nachmittag. Er war mit anderen Kindern und Jugendlichen in Prötzel in der "Goldenen Kartoffel". Dort haben sie Osterbrote gebacken. Eins steht köstlich duftend auf dem Tisch des in hellen Farben eingerichteten Aufenthaltsraumes in der Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg gGmbH.

Für die größeren Kinder, die sich derzeit mit ihren Eltern in Wandlitz aufhalten, stand dieser Ausflug auf dem Programm. Nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten neben Therapien, Bastel- und Sportangeboten, die die Reha-Aufenthalte für ganze Familien bereithalten.

Familie zum vierten Mal da

"Wir sind inzwischen zum vierten Mal in Wandlitz", berichtet Jana Röwer, die Mutter von Luca. An ihrer Seite drängt sich noch etwas schüchtern der vierjährige Noah. Gründe für den Reha-Aufenthalt seien die Herzkrankheiten ihrer beiden Kinder. Luca war bei seiner Geburt winzig und kam zudem mit einer Pulmonalklappenstörung auf die Welt. Die Verbindung zur Lunge war verengt und das kleine Herz konnte nicht richtig versorgt werden. "Nach der OP waren wir 2012 zum ersten Mal hier", sagt Vater Patrick Röwer, der für die Kuraufenthalte seiner Söhne wochenlang unbezahlten Urlaub von seiner Arbeit als Adjustierer im Walzwerk nimmt, um mit der Familie zusammen zu sein. "Dass hier die ganze Familie in guter Obhut ist, ist das ganz große Plus der Einrichtung", sagt der 39-Jährige.

"Luca wollte unbedingt ein Geschwisterchen", erinnert sich die Mutter. Eine erneute Schwangerschaft kam aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage. Als man ihnen Noah im Alter von acht Wochen als ein gesundes Baby, das ihre Hilfe brauchte, vorstellte, "da war es Liebe auf den ersten Blick", sagt Jana Röwer, die als gelernte Kindergärtnerin inzwischen im intensivbetreuten Wohnen bei behinderten Menschen arbeitet.

Noah ist ein Pflegekind und, wie es das Schicksal bestimmte, ebenfalls herzkrank. Er hat eine parzielle Lungen-Herz-Fehlverbindung und zudem ein großes Loch. "Die Diagnose hat an unserem Verhältnis nichts geändert", sind sich die Eltern einig. Luca stimmt zu. Der zierliche Junge beschützt seinen kleinen Bruder. Sein eigenes Leiden hat ihn selbstbewusst gemacht. In der Kindernachsorgeklinik gefällt es ihm nicht nur so gut, weil im Brandenburgischen schon Ferien sind, und in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) noch nicht, sondern weil "hier auch andere Kinder eine Narbe haben und man nicht immer alles erklären muss".

Der Leidensweg, den die Familie bei Luca durchmachte, "hat uns trotz aller Anstrengungen und doppelter Arztbesuche, OPs und vieler anderer Krankheiten stark für Noah gemacht", sagt Jana Röwer.

Umso mehr genießen die vier die Aufenthalte in Wandlitz. "Hier fühlen wir uns wunderbar aufgehoben, es ist so schön familiär und die Ergotherapeutin Andrea kennen wir seit vielen Jahren", sagen beide. "Wir nehmen alle Angebote wahr, die Kinder sind zufrieden. Man schöpft viel Kraft, die ja auch länger anhält, weil wir auch Zeit für uns als Ehepaar finden."

Die Ärzte seien für alle Fragen offen und es sei immer, wie "ein Nach-Hause-Kommen". Über einen Erfolg freuen sie sich alle: Noah beginnt endlich, richtig zu sprechen. "Er sagt mit Vergnügen Knäckebrot, Babykacke oder Apfelbaum", lächelt der Vater. Vor dem Aufenthalt seien es nur drei, vier ganz einfache Worte gewesen, die er gesprochen habe.

So ist es für die Familie selbstverständlich, als Mitglied im Förderkreis der Klinik im Bundesverband für herzkranke Kinder mitzuarbeiten. Im Umzug der Klinik nach Strausberg, wo gerade die Erdarbeiten Jenseits des Sees für den geplanten  Neubau begonnen haben, sehen sie eine weitere Chance für die Betreuung von kranken Kindern und Jugendlichen. Denn gerade eine Herzkrankheit "wird man nicht einfach wieder los, da bleibt immer etwas, um das man sich kümmern, um das man sich sorgen muss. Ein Leben lang", wissen die Röwers.

Jede Spendehilft

Nur mit Spenden kann die Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg gGmbH ihr Konzept der familienorientierten Rehabilitation durchführen. Wer helfen möchte: Spendenkonto bei der Sparkasse Barnim; IBAN DE50 1705 2000 3000 0098 40; BIC WELADED1GZE; Verwendungszweck: Ostern MOZ 2019; Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.⇥Iv

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