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Kandidaten
Zwei Generationen zur Wahl

Kandidieren für das Stadtparlament: Robert Gidius (19, Grüne) und Dieter Bollmann (81, SPD) trafen sich das erste Mal am Comicbrunnen. Ihre Gründe für die Kandidatur sind unterschiedlich, aber die Stadt verbindet sie.
Kandidieren für das Stadtparlament: Robert Gidius (19, Grüne) und Dieter Bollmann (81, SPD) trafen sich das erste Mal am Comicbrunnen. Ihre Gründe für die Kandidatur sind unterschiedlich, aber die Stadt verbindet sie. © Foto: Christopher Braemer
Christopher Braemer / 20.04.2019, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Dieter Bollmann (SPD) ist 81 Jahre alt, nutzt keine sozialen Medien, aber kannte Egon Bahr persönlich. Der Rechtsanwalt setzt sich seit 2015 für Flüchtlinge ein. Robert Gidius (Grüne) ist 19, studiert auf Lehramt in Berlin, ist Fraktionsgeschäftsführer in der Stadtverordnetenversammlung und arbeitet für Annalena Baerbock im Bundestag. Einer der ältesten und einer der jüngsten Kandidaten (beide Wahlkreis 2) trafen sich vor der Wahl am Comicbrunnen für ein Interview.

Herr Gidius, Herr Bollmann, Sie sind vielseitig in der Stadt engagiert. Haben Sie überhaupt Zeit für so ein intensives Amt?

Gidius: Frankfurt hat für mich eine hohe Priorität. Klar, es werden im Erfolgsfall noch ein paar Stunden dazukommen. Aber ich bin auch gern weiterhin Fraktionsgeschäftsführer, falls es nicht reichen sollte.

Bollmann: Ich habe mehr Zeit als Herr Gidius, auch wenn ich mich  vielfältig engagiere; in der Universität, in der Europa-Union. Aber ich brenne für meinen Job als Asylbewerberanwalt, das hält mich jung. Ich möchte all diese Erfahrungen einbringen.

Glauben Sie, dass Kommunalpolitik etwas verändern kann?

Bollmann: Selbstverständlich, sonst wäre die Doppelstadt nicht so gewachsen. Frankfurt hat Einfluss bis nach Warschau. Kommunalpolitik kann einen weiten Einfluss haben. Das beweisen Menschen wie René Wilke und Tübingens grüner OB, Boris Palmer, immer wieder.

Gidius: Als Kommune kann man mehr bewirken als man denkt, das wird von vielen unterschätzt. Mit Anträgen zu Schulsanierungen, den Nahverkehr oder Parks kann man viel beeinflussen. Das hat mich selbst überrascht.

Was wollen Sie in der Stadt verändern?

Bollmann: Ich möchte die Ausländerbehörde neu organisieren.  Frankfurt muss viel offener für Flüchtlinge werden, sie sind Teil der Stadt und keine Gäste. Als ältester Stadtverordneter will ich die Zusammenarbeit in der SVV stärken, falls ich gewählt werde. Wir müssen einander zuhören und nach außen die bunte Stadt praktizieren.

Gidius: Die Diversität stärken und Vorbild für junge Leute sein, sich in Frankfurt zu engagieren und hierzubleiben. Es geht um unsere Stadt, nicht um die Partei oder das Alter. Fridays for Future ist das beste Beispiel dafür, dass auch junge Menschen viel beeinflussen können.

Inwiefern nutzen sie soziale Medien vor der Wahl am 26. Mai?

Bollmann: Ich benutze keine sozialen Medien und wenn ich Donald Trump in den Medien beobachte, dann hat das für mich etwas Abstoßendes. Trotzdem informiere ich mich umfassend im Internet.

Gidius: Ich bin auf diversen Kanälen aktiv. Ob mir das bei der Wahl hilft, weiß ich nicht. Aber OB René Wilke hat gezeigt, dass Transparenz viel dazu beiträgt, dass die Bürger lernen, wie eine Stadt funktioniert.

Lassen Sie uns über Frankfurt reden. Was fehlt der Stadt?

Bollmann: Selbstbewusstsein. Es wird zu viel geschimpft. Die Leute müssen endlich zu ihrer Stadt stehen, sie wahrnehmen und genießen.

Gidius: Junge Menschen, in der Verwaltung, in der Wirtschaft, in der Kultur. Außerdem hoffe ich, dass wir bald dieses starre Ost-West-Denken überwinden. Wir sind Europäer, das müssen alle Generationen verinnerlichen.

Wie kann die Zusammenarbeit mit Słubice  verbessert werden?

Bollmann: Es braucht deutsch-polnische Schulen und Kooperation in allen Bereichen.

Gidius: Grenzübergreifende Kulturangebote wie Unithea und Art an der Grenze müssen gestärkt werden. Ein Traum von mir wäre ein  europäisches Jugendparlament Frankfurt oder Słubice als eine Plattform für junge Menschen in der Doppelstadt.

Frankfurt wird immer älter, junge Menschen gehen. Was wollen Sie für Alt und Jung tun?

Gidius: Wir haben viele Vorteile wie günstige Mieten und die Natur, Frankfurt als Zentrum Ostbrandenburgs ist lebenswert. Ein Ausbau des ÖPNV mit Berlin und Słubice kann viel beeinflussen. Es braucht Begegnungsstätten von Alt und Jung, z.B. durch die Verbindung von Seniorenheimen und Kindergärten.

Bollmann: Wir müssen die Stadt noch lebenswerter machen, um Menschen hier zu halten und anzulocken. Das Trennende muss überwunden und das Gemeinsame gefunden und praktiziert werden. Deswegen ist es toll, dass wir heute hier zusammensitzen.

Bewerber sind imSchnitt 50 Jahre alt

181 Bewerber treten insgesamt zur Stadtverordnetenwahl an. Die jüngste Kandidatin ist die Schülerin Emily Halle, Jahrgang 2000. Sie tritt für die Listenvereinigung aus Grünen und BI Stadtentwicklung im Wahlkreis 3 an.  Der älteste Bewerber heißt Siegfried Fiedler, wurde  1935 geboren und steht auf der Liste aus Frankfurter-Bürger-Initiative (FBI) und Freien Wählern im Wahlkreis 1. Der Altersdurchschnitt aller Kandidaten liegt bei 50 Jahren; bei den Kommunalwahlen vor fünf Jahren lag er bei 51 Jahren. Die Mitglieder der aktuellen SVV sind im Schnitt 57 Jahre alt.⇥thg

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