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Handwerk
Der lange Weg zum Meisterbrief

Macht seinen Meister: Mario Wachner, Tischlergeselle aus Manschnow. In Frankfurt (Oder) konnte er seine Ausbildung nicht beenden, jetzt lernt er in Berlin weiter.
Macht seinen Meister: Mario Wachner, Tischlergeselle aus Manschnow. In Frankfurt (Oder) konnte er seine Ausbildung nicht beenden, jetzt lernt er in Berlin weiter. © Foto: Ina Matthes/MOZ
Ina Matthes / 20.04.2019, 13:00 Uhr
Manschnow (MOZ) Hans-Ulrich Müller wollte alles richtig machen. "Ich habe mal gelernt, dass man sich zehn Jahre vor dem Ausscheiden  um einen Nachfolger kümmern soll." Das hat der Tischlermeister aus Manschnow (Märkisch Oderland) bei seiner Ausbildung zum Betriebswirt des Handwerks erfahren. Den passenden Nachfolger fand er in Mario Wachner. Seit 2009 ist der Geselle in der Firma, ein geschätzter Mitarbeiter. Aber um das Geschäft führen zu können, braucht er den Meisterbrief. Also ging er noch mal zur Schule – und Müllers schöner Plan kam ins Wanken. Seit drei Jahren versucht Mario Wachner seinen Meister zu machen – ohne Erfolg.

Aber das liegt nicht an Wachner. Eigentlich fing auch alles gut an: Im September 2016 hat Mario Wachner bei der Handwerkskammer in Frankfurt (Oder) mit seiner Meisterausbildung begonnen. Er startete mit Teil 3 und 4 – der kaufmännischen Qualifizierung und dem Befähigungsnachweis als Ausbilder. "Ich habe mit den Teilen drei und vier begonnen, weil eins und zwei nicht angeboten wurden", erklärt der 40-Jährige. Bei 3 und 4 sitzt Tischler neben Bäcker und Zimmermann – der Unterricht ist für alle Gewerke gleich. Teil 1 und 2 aber sind die fachspezifischen Elemente der Ausbildung – also nur für die Tischler. Dafür bekomme die Handwerkskammer in Frankfurt (Oder) keinen Kurs zusammen, sagt Wachner. 2017 schloß er die Teile 3 und 4 ab und seither habe er immer wieder in Frankfurt (Oder) nachgefragt. Zuerst habe es geheißen, der Kurs starte im März 18. Daraus wurde Oktober 2018. Schließlich März 2019. Auch der Termin wurde abgesagt.

Unter der Ungewissheit leide auch seine Familie, sagt Wachner. "Ich konnte keinen längeren Urlaub im Voraus planen, weil ich ja nicht wußte, ob nicht doch noch ein Kurs startet." Ähnlich geht es seinem Chef. Dessen Personalplanung geriet in Schieflage. Mario Wachner will seinen Meister in Teilzeit absolvieren. Das heißt, er hat für rund anderthalb Jahre freitags und sonnabends Schule und fällt freitags für den Betrieb aus. Müller würde gerne jemanden einstellen. Geht Wachner aber nicht zur Schule, dann wäre eine zusätzliche Stelle eigentlich schon wieder zu viel, sagt Müller. "Nichts ist planbar", beklagt der Chef.

Auch größere Ausgaben nicht. Für Mario Wachner hängt viel Geld an dieser Ausbildung. Der Teil, den er bereits abgeschlossen hat,  kostete rund 2000 Euro. Vom Landkreis Märkisch-Oderland hat Wachner einen Zuschuss von knapp 800 Euro erhalten. Beendet er die komplette Ausbildung nicht bis 2020, muss er dieses Geld möglicherweise zurückzahlen, befürchtet er. Der Löwenanteil der Finanzierung rollt erst noch auf ihn zu, wenn der fachspezifische Teil der Meisterschule startet. "Das wird um die 10 000 Euro kosten, vermutlich eher mehr", sagt er. Mario Wachner will den Meisterbrief vor allem über das Meister-Bafög  finanzieren. Seine private Finanzplanung lag wegen der Ungewissheit vorerst auf Eis. Für Müller geht es um die Zukunft seines Betriebes. Sechs Leute beschäftigt er. 2016 gab es die letzten Meisterausbildung für die Tischler bei der Handwerkskammer in Frankfurt (Oder), bestätigt die Kammer. Es hätten sich seither nicht mehr genug Teilnehmer gefunden, bedauert Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg. Die Kammer bietet die Teile 1 und 2 der Ausbildung nicht selbst an, das übernimmt ein Ausbildungszentrum in Frankfurt (Oder). Sieben Teilnehmer müssen sich melden, damit die Kosten für einen Kurs gedeckt sind. Auch mit sechs Leuten hätte die Kammer noch einen Kurs gestartet, sagt Hoppe. "Das Problem ist, dass auch die sechs nicht zusammengekommen sind." Die Kammer suche gemeinsam mit dem Ausbildungszentrum nach einer Möglichkeit, die Kurse auch mit noch weniger Leuten anbieten zu können.

Das Interesse am Meisterbrief ist bei den Tischlern deutlich gesunken: Gab es im gesamten Kammerbezirk zwischen 1993 und 1999 noch 97 Jungmeister sind es in den vergangenen drei Jahren nur noch insgesamt zehn gewesen. Die Kammer werbe für den Meisterbrief und hoffe, in diesem Jahr noch einen Kurs für Tischler starten zu können, sagt Hoppe.

Mario Wachner will nicht mehr warten. Er will seine Ausbildung jetzt in Berlin zu Ende bringen. Im August soll es losgehen. Das bedeutet für ihn längere Wege und mehr Zeit. Er nimmt es in Kauf. "Ich will jetzt auch mal fertig werden."

Die Tischlerei

Vor 29 Jahren hat sich Tischlermeister Hans-Ulrich Müller selbstständig gemacht. Seine Firma beschäftigt heute sechs Mitarbeiter. Die Tischlerei arbeitet viel für größere Bauprojekte in der Region. Am Gläsernen Café der Hemme-Molkerei in der Uckermark hat sie mitgearbeitet, beim Umbau einstiger Kasernen zu Wohnungen in Frankfurt (Oder), bei der Sanierung des Alten Rathauses in Fürstenwalde. Auch die Digitalisierung hat hier längst Einzug gehalten: Aufträge werden zum Beispiel digital erfasst; Projekte mit CAD-Programmen (computergesteuertes Design) erstellt. ⇥ima

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