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Wirtschaft
Vom Blumenladen zur "Blümerin"

Regina Herfert Blümerin aus Sommerfeld, Blumencafé
Regina Herfert Blümerin aus Sommerfeld, Blumencafé © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 21.04.2019, 07:47 Uhr
Sommerfeld (MOZ) Es begann als Ratespiel. Als Regina Herfert sich vor mehr als zehn Jahren beruflich neu orientieren musste, brauchte sie für die Neugründung ihres Gewerbes einen Namen. "Es gab Tausend englische Begriffe, aber damit konnte ich mich nicht identifizieren", sagt sie.

Ihr Mann Jörg hatte eine Idee: Blümerin. "Ich dachte zuerst, das klinge zu albern", sagt Regina Herfert. Aber ihr Mann konnte überzeugen. Auch wenn es das Wort offiziell nicht gibt, jeder, könne damit etwas anfangen. Seitdem ist Regina Herfert die Blümerin von Sommerfeld.

Janz weit draußen

Weit und sandig: Wer zum Blumencafé nach Sommerfeld will, muss einige Huckelpisten überwinden. Der Löwenberger Weg 57 liegt jwd, janz weit draußen. Zwischen hohen Bäumen dann die Überraschung im Wald: ein kleines Café, Blumengestecke, Dekoration. Dort hat Regina Herfert 2006 einen Neustart gewagt. Sie kommt aus Oranienburg, ihr Mann aus Hohen Neuendorf. 1984 der Umzug nach Sommerfeld.

Eine Trennung lag hinter Regina Herfert, die Wohnungssuche mit Kindern war nicht einfach. Sie fand Anstellung als Gärtnerin in den Sana Kliniken. Die Wohnung gab’s obendrauf. "Es war ideal, Sommerfeld hatte damals alles. Auf dem Weg zur Arbeit lagwn die Kita, der Fleischer, ein Bäcker, ein Hauswarenladen."

Nach der politischen Wende folgte für sie der Einstieg in ein blühendes Geschäft: Von 1992 bis 1999 hatte die heute 61-Jährige einen Blumenladen im Dorf. Das Geschäft lief. Bis die Vollsperrung ihrer Straße kam. Anderthalb Jahre lang. "Da ging der Laden pleite." Die Verluste konnte sie nicht kompensieren. Doch sie fand diverse Job in verschiedenen Geschäften. Bis sie jedes Mal wegrationalisiert wurde. "Nur das Stammpersonal blieb." 2006 folgte der Neustart als Blümerin. Zuerst nur mit einem Blumenhandel samt Bestell- und Liefersearvice.

In einer Fachzeitschrift stieß sie schließlich auf ein Blumencafé. Seit gut fünf Jahren verkauft sie neben ihren Blumen auch selbst gebackten Kuchen (gluten- und laktosefrei) und Kaffee. Trotz abgeschiedener Lage: Es gibt sogar einen WLAN-Hotspot.  Das Café läuft, brummt aber nicht wirklich. Meist ist es ruhig. Wenn zwei Autos vorbeifahren, sei das schon eine Rush Hour, sagt ihr Mann scherzhaft.

Oft begrüßt Regina Herfert Patienten. In den Sana Kliniken habe es sich herumgesprochen, dass zwei Kilometer entfernt ein Waldcafé den rund zwei Kilometer langen Spaziergang lohnt. "Der Ort entwickelt sich auch langsam zum Geheimtipp für Motorradfahrer", sagt ihr Mann Jörg. Der 59-Jährige arbeitet im Fahrsicherheitstraining in Velten. Reiter und ganze Gruppen mit Pferden kommen zudem vorbei.

Die Blümerin arbeitet mit Gastronomen der Umgebung zusammen, wenn sie Feiern wie Geburtstage ausrichtet. Die Unternehmer wiederum bestellen bei ihr Gestecke. "Es geht Hand in Hand", sagt Regina Herfert über die gegenseitige Unterstützung. In Sommerfeld komme das gut an. Regina Herfert werde im Dorf mit "Hallo, meine Blümerin" begrüßt.

Winter im Licht und sorbische Eier

Das Hauptaugenmerk der Arbeit von Regina Herfert liegt in der Bearbeitung von Bestellungen. Sie liefert Blumen unter anderem für Geburtstage, Hochzeiten, Beerdigungen.

Neben dem Café organisieren sie und ihr Mann aber auch kleine Veranstaltungen. Am bekanntesten dürfte das Hoffest im Advent sein: "Winter im Licht". Regionale Händler stellen sich vor, es gibt eine Adventsausstellung der Blümerin.

Bis zu 300 Besucher kommen zum Hoffest. Nach dem selbst gemachten Eierpunsch werde in Sommerfeld schon im Sommer gefragt, sagt Jörg Herfert.

Sorbisches Eierbemalen ist ein weitere Baustein der Blümerin. Sie gibt jedes Jahr drei Wochenenden lang vor Ostern für jeweils zehn Interessierte Workshops in der alten, sehr filigran ausgeführten Tradition.

Weitere Events wie ein Maiglöckchenfest oder eine Tauschbörse für Obst im Herbst wollen Herferts in den nächsten Jahren anschieben.⇥win

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