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Vollblut-Musikerin
Von Bach bis zu den Beatles

Die Beatles haben es ihr angetan: Susanne Finsch im Probenraum ihres Hauses in Karutzhöhe, in dem sie ihre Verehrung für die berühmte Band auslebt. Dabei ist die Sopranistin auch in klassischer Musik ausgebildet.
Die Beatles haben es ihr angetan: Susanne Finsch im Probenraum ihres Hauses in Karutzhöhe, in dem sie ihre Verehrung für die berühmte Band auslebt. Dabei ist die Sopranistin auch in klassischer Musik ausgebildet. © Foto: Joachim Eggers
Joachim Eggers / 23.04.2019, 07:00 Uhr
Erkner (MOZ) Ihr Hund heißt Ringo. "Und er trommelt, wie Sie merken", sagt Susanne Finsch mit einem Lächeln, als der große Jagdhund mit dem Schwanz auf den Boden klopft. Der Bogen ist geschlagen zu Ringo Starr, dem Schlagzeuger der Beatles, die Susanne Finsch verehrt. Die 35-jährige Erkneranerin ist Vollblut-Musikerin: ausgebildete Sopranistin, die landauf, landab Konzerte bestreitet, Gitarre- und Klavierspielerin, Leiterin des Berliner Beatles-Chors. Dabei ist all das streng genommen Nebensache. Denn Susanne Finsch arbeitet in Vollzeit als Lehrerin an einem Berliner Gymnasium. Es liegt in Karlshorst und ist natürlich musikorientiert.

"Schon mein Großvater war Solo-Fagottist", schaut die junge Frau zurück, auch die Eltern waren Musiker. "Gesungen hast du schon, bevor du überhaupt sprechen konntest", hat ihre Mutter einst gesagt, weshalb Susanne Finsch schon mit acht Jahren klassischen Gesangs- und Klavierunterricht bekam, erste Kinderlieder komponierte und Bühnenluft schnupperte. Den Flügel aus den 1920er Jahren, der heute in ihrem Wohnzimmer steht, hat sie von ihrem Großvater geerbt. "Darauf wurde schon mein Vater gewickelt", weiß sie.

"Erkner erdet mich"

Aufgewachsen ist die Erkneranerin in Strausberg, hat dort auch ihre musikalische Ausbildung erhalten. Danach studierte sie – mit dem Berufsziel Musik- und Deutschlehrerin und dem Hauptfach Gesang – in Flensburg, lebte ein Jahr in der irischen Hauptstadt Dublin, wurde Referendarin in Zeuthen. Das Haus in Karutzhöhe, das sie jetzt mit Ringo, ihrem Hund, und einem Mieter bewohnt, bezog sie einst mit ihrem Mann, mit dem sie seinerzeit nach Irland gegangen war. Ein Jahr nach dem Einzug in Erkner ereilte sie ein Schicksalsschlag – ihr Mann starb plötzlich. "Das hat meine Welt aus den Angeln gehoben", sagt Susanne Finsch. Trotzdem fühlt sich die junge Frau in Erkner inzwischen heimisch. "Erkner erdet mich", sagt sie. Zur Vertrautheit mit der Stadt tragen auch die musikalischen Verknüpfungen mit dem Männerchor bei, mit dem sie wiederholt gesungen hat, auch einige Auftritte als Solistin hat sie absolviert.

Susanne Finsch legt Wert darauf, dass sie getaufte Christin ist und in Erkner der evangelischen Gemeinde angehört. Auch Kirchenmusik gehört zu ihrem Repertoire. Da ist der Weg nicht mehr weit zu Johann Sebastian Bach, den sie als ihren Lieblingskomponisten bezeichnet. "Ich höre aber auch viel Oper", sagt die blondgelockte junge Frau. Dass sie auch ein Faible für Pop-Klänge hat, ist für sie kein Widerspruch. "Für mich gibt es nur gute oder schlechte Musik", sagt sie.

Im Keller ihres Hauses hat sie einen Raum eingerichtet, in dem sie ihre Verehrung der Beatles auslebt. Dort gibt es Aktenordner mit Zeitungsausschnitten, Platten, Devotionalien, viele Fotos. Dass die große Zeit der Band längst abgelaufen war, als sie zur Welt kam, hat bei Susanne Finsch nur eins bewirkt: "Als Jugendliche habe ich mich als zu spät geboren empfunden." Aus einem Beatles-Stammtisch in Berlin hat sich der Beatles-Chor entwickelt, der jeden ersten und zweiten Donnerstag im Monat unter ihrer Leitung probt. John Lennons Witwe Yoko Ono hat sie einmal in Bremen getroffen, von Paul McCartney hätte sie fast ein Autogramm ergattert. Kurz bevor sie an der Reihe war, wurde die Autogrammstunde beendet. Zum musikalischen Gesamtbild der Susanne Finsch gehört, dass sie selber Songs schreibt.

Ringo, der nach dem Schlagzeuger benannte Weimaraner, hält Susanne Finsch viel auf Trab. Ein Nachbar hilft, den Bewegungsbedarf Ringos zu befriedigen. Denn die vielen anderen Verpflichtungen lassen die Musikerin oft spät nach Hause kommen. Tierliebe prägt Susanne Finsch aber noch auf andere Weise. Sie lebt vegan. "Ich will die Massentierhaltung nicht unterstützen", sagt sie.

Sieben Fragen an Susanne Finsch

Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst, geprägt?Meine Eltern, aber auch musikalische Vorbilder, wie die Beatles; ebenso die Mitglieder meiner Kirchengemeinde, die immer wie eine Familie für mich waren

Was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeisterin Ihres Ortes wären?alle erdenklich möglichen Maßnahmen zu mehr Tier- und Umweltschutz

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Respekt vor Menschen und Tieren, das Ende der Ausbeutung und der Kriege

Möchten Sie noch einmal 17 sein?Vielleicht für eine kurze Zeitspanne – eher wünsche ich mir in meinem Leben in den 30ern richtig anzukommen und geerdet zu werden

Träumen Sie gern?Ja

Was hält Sie in Ihrer Heimat? Würden Sie nochmal woanders hinziehen?Am ehesten hält mich mein Haus und meine künstlerischen Kontakte hier in der Region, man sollte jedoch niemals nie sagen⇥je

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