Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Immobilienmarkt
Zehdenick hat ein Wohnungsproblem

Die "Platte" ist begehrt: Zum Teil wohnen die Mieter hier seit Jahrzehnten. Viele Alternativen bietet der Wohnungsmarkt in Zehdenick derzeit aber auch nicht.
Die "Platte" ist begehrt: Zum Teil wohnen die Mieter hier seit Jahrzehnten. Viele Alternativen bietet der Wohnungsmarkt in Zehdenick derzeit aber auch nicht. © Foto: Martin Risken
Martin Risken / 23.04.2019, 17:43 Uhr
Zehdenick (MOZ) Auch in Zehdenick werden Wohnungen knapp", bestritt der Geschäftsführer der Gebäude- und Wohnungswirtschaft (Gewo) Zehdenick, Eckart Diemke, Anfang des Jahres keineswegs, dass Mietwohnung in Zehdenick zunehmend Mangelware werden. Gut einen Monat vor den Kommunalwahlen haben auch Ortspolitiker das Thema für sich entdeckt. Dass die drohende Wohnungsnot nicht erkannt worden ist, davon spricht aber niemand.

Das Gegenteil ist eher der Fall: Bürgermeister-Kandidat Hartmut Leib (SPD) rechtfertigt die zurückhaltende Wohnungsbaupolitik in der Havelstadt mit dem demografischen Wandel, der für die nächsten Jahrzehnte eher einen Rückgang der Bevölkerung voraussage, nicht nur in Zehdenick, sondern allgemein in Deutschland.

Zuzug von Hauptstädtern

Zwar profitiert die Havelstadt seit einigen Jahren schon durch den Zuzug von Berlinern. Diese seien aber eher an einem Haus interessiert und weniger an einer Mietwohnung. Auf diesen Trend habe die Stadt frühzeitig reagiert und weise in nächster Zeit an verschiedenen Standorten Wohngrundstücke für den Eigenheimbau aus. Auch die meisten Parteien und Wählergruppen setzen sich in ihren Wahlprogrammen für die Ausweisung von Baugrundstücken ein, nicht aber für bezahlbaren Wohnraum oder überhaupt für den sozialen Wohnungsbau. Viele sprechen zwar vom Häuslebauer: Nicht gedacht wurde aber offenbar an die vielen Singles, darunter nicht wenige Flüchtlinge, die nach ihrer Anerkennung eine Wohnung beziehen wollen, aber keine mehr finden. Der Markt für kleine Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern sei leergefegt, wissen Mitglieder der Willkommensinitiative Zehdenick, wie schwer es ist, eine Bleibe zu finden. "Wer bei der Gewo anruft, erhält die Auskunft, dass es zurzeit keine freien Wohnungen mehr gibt", berichtete Eric Ruck (SPD). Die Gewo rühmte sich schon in den vergangenen Jahren mit einer Leerstandsquote von unter fünf Prozent. Selbst die in anderen Städten eher verschmähte Plattenbauwohnung stehe bei den Zehdenickern noch immer hoch im Kurs.

Dabei hätte die Gewo, immerhin eine 100-prozentige Gesellschaft der Stadt Zehdenick, durchaus die Möglichkeit gehabt, neue Wohnungen zu bauen. Da die Eigentümerschaft bei der Kommune liegt, hätten die Kommunalpolitiker Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen können. "Die Gewo hat im Wohnpark Zehdenick-Nord noch ein Grundstück für den sozialen Wohnungsbau", stellte Bernd Krumbach (SPD) jüngst in einer Diskussionsrunde seiner Partei zu dem Thema fest. Aber die Gewo habe nicht den Drang gehabt, sozialen Wohnungsbau zu betreiben. Allerdings sei sie in den vergangenen Jahren nicht untätig gewesen, stellte Krumbach fest. Er erinnerte an den neugeschaffenen Senioren-Kiez an der Straße des Friedens, wo zehn altersgerechte Wohnungen geschaffen worden sind. Dadurch seien womöglich an anderer Stelle in Zehdenick Wohnungen wieder freigeworden.

Jüngst sanierte die Gewo Wohnungen in zwei Altbauten. Dass die Gewo mehr leisten könne, als sie gegenwärtig bereit ist, davon ist Hartmut Leib überzeugt. "Ich werde vor den Wahlen noch mit Herrn Diemke über das Thema sprechen", kündigte er an. "Die Gewo muss viel aktiver werden, wenn der Bedarf da ist", erklärte der SPD-Kandidat.

Schuldentilgung hat für die Gewo Priorität

Ein hoher Vermietungsgrad im vorhandenen Wohnungsbestand steht für die kommunale Gebäude- und Wohnungswirtschaft (Gewo) in den nächsten Jahren im Mittelpunkt, was angesichts der demografischen Entwicklung eine Herausforderung darstellt.

Von sozialem Wohnungsbau ist im jüngsten Geschäftsbericht nicht die Rede, wohl aber von der Pflege der mehr als 1 300 vorhandenen Wohnungen der Gewo.

Statt neue Schulden zu machen, will die Gewo alte Schulden senken. Neben der planmäßigen Tilgung werden hier Sondertilgungen genannt.

Die eher konservative Unternehmenspolitik ist darauf ausgerichtet, dass die zur Verfügung stehenden liquiden Mittel eine solide Basis für die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft bieten.

Weil das Angebot trotz steigender Nachfrage knapp bleibt, rechnet die Gewo mit einem konstanten beziehungsweise leicht steigenden Mietniveau.⇥ris

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG