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Mirjam Silber ist Hunde- und Wolfsexpertin. Vor kurzem ist die Wienerin ins Schlaubetal gezogen. Hier will sie ihr Wissen über die Vierbeiner mit anderen teilen.

Vielseitig
Wolf und Hund als Lebensthema

Bücher über Bücher: Mirjam Silber kennt sich mit Wölfen und Hunden gleichermaßen aus und hat als Bibliothekarin gearbeitet. Sie blickt zudem auf eine musikalische Karriere zurück.
Bücher über Bücher: Mirjam Silber kennt sich mit Wölfen und Hunden gleichermaßen aus und hat als Bibliothekarin gearbeitet. Sie blickt zudem auf eine musikalische Karriere zurück. © Foto: Jörn Tornow
Jörg Kühl / 24.04.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 24.04.2019, 11:25
Chossewitz (MOZ) Das Thema "Wolf" bewegt die Menschen. Seitdem immer mehr der wilden Tiere auch in Ostbrandenburg heimisch geworden sind, steigt das Interesse an der Spezies stetig an. Seit einigen Monaten lebt in Chossewitz eine Fachfrau, die sich nicht nur wissenschaftlich mit Hunden und Wölfen beschäftigt, sondern auch fest vorhat, ihr Wissen mit Interessierten zu teilen.

Mirjam Silber als Wolfsexpertin zu bezeichnen, würde bei weitem nicht abdecken, was die Frau mit dem unverkennbaren Wiener Akzent in ihrem Leben alles schon gemacht hat. Die Aufzählung würde den Umfang eines Zeitungsartikels sprengen und muss deshalb stichprobenartig bleiben.

Mirjam Silber ist in Wien geboren, Teile ihrer Kindheit verbringt sie auf dem Lande: Natur und Tiere gehören von Anfang an mit dazu zum Leben. Nach ihrer Schulzeit studiert sie, obwohl sie ursprünglich Tierärztin und Verhaltensforscherin werden wollte, denn doch Musikwissenschaft, Pädagogik, Gesang und Konzertgitarre. Viele Jahre arbeitet sie anschließend als Musiklehrerin. Sie gibt Gitarrenunterricht und Konzerte in klassischem Gesang. Über die Schiene Chanson und Wiener Lieder kommt sie zum Klezmer, der traditionellen jüdischen Volksmusik mit Liedern in jiddischer Sprache. Zehn Jahre lang ist sie, eine liberale Jüdin, Sängerin und Frontfrau der Formation "Scholem Alejchem". Im Rahmen eines weiterführenden Studiums in Ethnomusikologie forscht sie zur jiddischen Vokaltradition der Chassidim, der orthodoxen Ostjuden, und hält Vorlesungen an der Universität Wien.  Ihre Liebe zu Büchern kann sie als Leiterin der Bibliothek des Wien Museums und als Archivarin am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes sowie am Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ausleben.

Ethnomusikologin, Sängerin, Bibliothekarin, Archivarin, nebenbei noch Coach für Stimmbildung: Das Multitalent ist auf vielen Feldern zuhause. Dann, im Jahr 2009 die Zäsur: Ein fataler Bandscheibenvorfall, der zu Lähmungen führt, zwingt die vielseitig Interessierte und viel Beschäftigte in den Rollstuhl. Nur mühsam und mit unbeugsamer Willenskraft gelingt es ihr, sich zu erheben und wieder gehen zu lernen. Dabei kommt ihr eine Spezies zu Hilfe, die gemeinhin als der treuste Begleiter des Menschen gilt: der Hund. Mirjam Silber beginnt sich als Dogwalker im Tierheim ehrenamtlich zu engagieren: Sie führt die armen Vierbeiner aus, lernt bei ihren Spaziergängen viele Menschen kennen, fasst wieder Lebensmut und Lebenskraft. "Die Hunde haben mich wieder ins Leben zurückgeführt." Mirjam Silber beginnt, mit den Hunden zu arbeiten, sie zu Assistenzhunden auszubilden. Gizmo, einer dieser Hunde, lebt heute noch mit ihr zusammen. Leah, die ihr wieder das Gehen beibrachte, ist im Oktober hochbetagt gestorben. Mirjam Silber hört nicht auf, sich weiterzubilden. Sie nimmt an Hundetrainer-Seminaren teil, besucht Vorlesungen in Verhaltensbiologie und absolviert ein Fernstudium in Kynologie (Hundewissenschaft), was sie auch zur Wolfsforschung führt.

2013 hat die Wienerin wieder so viel Energie getankt, dass sie sich entschließt, einen Bauernhof im Waldviertel, unweit der Tschechischen Grenze, zu erwerben. In Raabs an der Thaya plant sie, ein Ausbildungszentrum für Assistenzhunde einzurichten.  Doch es gibt keinerlei Unterstützung aus der Gemeinde dafür. Diese negative Erfahrung reiht sich in eine vorherige ein: Nach der Flüchtlingswelle 2015 wollte Mirjam Silber ein Flüchtlings-Projekt starten. Traumatisierte Jugendliche und verstoßene Hunde zum beiderseitigen Nutzen zusammenführen, war die Idee. Das hatte in dem konservativen Ort bereits zu Skepsis gegen "die linksliberale Grüne aus Wien" geführt. Anfang 2018 reift ihr Entschluss, den Bauernhof aufzugeben. "Von dem Erlös habe ich mir ein größeres Auto und einen Wohnwagen gekauft". Weil eine gute Freundin in Berlin lebt, sie selbst aber eine ländliche Bleibe sucht, kurvt Mirjam Silber monatelang durch Brandenburg. Dabei lernt sie auch das Schlaubetal und die Gegend darum herum kennen. "Die Menschen hier sind so offen, freundlich und herzlich", hat sie erfahren. In einem Ferienbungalow in Chossewitz kommt sie vorläufig unter. Ihre künftige Wohnadresse wird aber das Forsthaus Henzendorf sein. Im Juni will sie dort einziehen. Mirjam Silber wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht schon wieder an neuen Plänen feilen würde. Sie möchte nämlich ihr Wissen über Hunde und deren Verhalten sowie das Wissen über Wölfe gerne an andere Menschen weitergeben. Aus diesem Grund möchte sie den Verein "Schlaubetal-Caniden" gründen. Sie will Seminare und Exkursionen anbieten sowie kindgerechte Vorträge in Kitas und Schulen zum Thema Wolf und Hund halten. Außerdem plant sie, in Zusammenarbeit mit Forstämtern, Naturparks, Gemeinden und anderen Partnern Exkursionen auch für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln. Und sie wird ihre große Fachbibliothek öffentlich zugänglich machen. Im Forsthaus, das ihr neues Zuhause wird.

Wer Mirjam Silber gerne persönlich erleben möchte, hat dazu morgen die Gelegenheit: In der Burg Friedland findet ab 18.30 Uhr ein multimedialer Vortrag über Wölfe mit anschließender Diskussions- und Fragerunde statt.

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