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Seit kurzem gibt es in Werneuchen ein weiteres Angebot des kollektiven Nahverkehrs. Bisher hat es allerdings noch symbolischen Charakter.

Mobilität
Neue "Mitfahrerbank"

Pilotprojekt für Werneuchen: Wer einen Beförderungswunsch hat, kann auf der Bank Platz nehmen. Hier Mandy Pieper (l.), Stadtverordneter Andreas Pieper und Tom Rochau
Pilotprojekt für Werneuchen: Wer einen Beförderungswunsch hat, kann auf der Bank Platz nehmen. Hier Mandy Pieper (l.), Stadtverordneter Andreas Pieper und Tom Rochau © Foto: Wolfgang Rakitin
Kerstin Ewald / 24.04.2019, 07:45 Uhr - Aktualisiert 24.04.2019, 11:28
Werneuchen (MOZ) Trampen" kennen viele aus ihrer Jugendzeit. In der DDR – aber auch im Westen – war diese preisgünstige Art des Reisens recht verbreitet. In den 90er Jahren waren dann immer weniger Tramper an den Straßenrändern zu sehen. Viele junge Leute schafften sich eigene Autos an. Auch ein stärkeres Bedürfnis nach Sicherheit und ein verändertes Zeitgefühl, verbunden mit der gestiegenen Notwendigkeit, pünktlich am Ankunftsort anzukommen, mögen als Gründe eine Rolle spielen.

Seit einer Woche hat die Stadt Werneuchen nun eine sogenannte Mitfahrerbank. Sie ist auf private Initiative des Stadtverordneten Andreas Pieper (Wählerinitiative Werneuchen) vor dem von ihm mitbetriebenen Veranstaltungslokal "Alte Schmiede" in der Breiten Straße aufgestellt worden.

Möchte jemand nun beispielsweise von Werneuchen nach Seefeld oder – entgegengesetzte Richtung – nach Tiefensee fahren, kann er oder sie auf der schlichten Holzbank Platz nehmen und warten, bis ein freundlicher Autofahrer anhält, um die Person mitzunehmen. Zur Hilfe nehmen können die Tramper dabei vorgefertigte Ziel-Schilder, die sie je nach Bedarf aus einem hölzernen Pfeiler klappen können. "Damit die Autofahrer die gut lesen können, haben wir eine große Schrift für die ‚Fernziele’ gewählt und eine etwas kleinere für die Nahziele", erläutert Pieper zur Gestaltung. Bisher stehen drei Richtungen zur Auswahl: Berlin (über Seefeld und Ahrensfelde), Bad Freienwalde (über Werneuchen-Ost und Tiefensee) und Richtung Bernau (über Weesow, Willmersdorf). Allerdings trägt sich der Stadtverordnete Pieper bereits mit dem Gedanken, die Auswahl um ein Schild mit der Aufschrift "Wegendorf-Altlandsberg" zu erweitern. Der Wegendorfer Ortsvorsteher Michael Töpfer habe ihm spontane Rückmeldung gegeben, Bürger in Wegendorf könnten an einem solchen Angebot Interesse haben, was seinen Grund darin habe, dass die Busse der Barnimer Busgesellschaft Richtung Südosten nicht die Landkreisgrenze nach Märkisch Oderland überwinden. Auch ein fünftes Schild für die Strausberger Richtung ist angedacht. Wirklich genutzt hat die Bank allerdings in der letzten Woche wohl kaum jemand. Noch zu neu, zu unbekannt ist die Neu-Einrichtung.

"Wir möchten mit der Mitfahrerbank vor allem die innerörtliche Beweglichkeit von Menschen ohne Fahrzeug und das Gemeinwesen stärken", erklärt Andreas Pieper zu seinem Anliegen. Unterstützend waren Einweihung der schlicht und klassisch gehalten Bank auch Tom Rochau und Mandy Pieper gekommen. Für den Initiator und seine Unterstützer ist mit der Idee des Mitfahrens und Mitnehmens auch die Hoffnung von ökologischerem und ökonomischerem Unterwegssein verbunden. Die Bank soll in Werneuchen auch als eine Art Pilotprojekt dienen. "Sollte die Bank angenommen werden, wird die Wählerinitiative sich in der kommenden Wahlperiode für mehr kommunale Mitfahrbänke einsetzen, die dann den vom Kreis bereitgestellten Busverkehr unterstützen können", verspricht Andreas Pieper. Alternativ sei für ihn auch die Beteiligung von Privatleuten oder Firmen, die für eine bessere Vernetzung von Menschen ohne eigenes Fahrzeug sorgen wollen, wünschenswert.

Aus versicherungstechnischer Sicht hat der Abgeordnete keine Bedenken, wie er sagt. Er habe ein Feedback von Fachleuten eingeholt, nach deren Aussagen Schäden von Mitfahrern stets über die Haftpflichtversicherung des Fahrers mit abgedeckt seien, sollte es tatsächlich zu einem Unfall kommen.

Das Prinzip "Mitfahrerbank" ist nicht neu, die Werneuchener können sich auf Erfahrungen von Vorreitern aus der Region stützen. Zum Beispiel in Fürstenberg im Landkreis Oberhavel oder im mecklenburgischen Priepert gibt es seit einigen Jahren Mitfahrerbänke. Die Annahme der Bürger von diesen unbürokratischen Mitfahrermodellen ist dabei unterschiedlich, einen wirklichen Ansturm auf die Bänke gibt es bei den bekannten Beispielen nicht. Drei bis fünf Leute am Tag lassen sich in Fürstenberg nach Angaben von Initiator Tim Lehmann mitnehmen. In Priepert wird die Einrichtung, so erzählt der dortige Bürgermeister Manfred Giesenberg, sporadisch genutzt. Die Bank habe aber durchaus einiges im Ort bewirkt: "Sie hat Menschen in Kontakt gebracht. Viele nehmen jetzt ihre Nachbarn mit, ohne dass diese sich auf die Bank setzen müssen", so Giesenberg.

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