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In den kommenden Jahren erhalten bisher unterversorgte Regionen des Kreises schnelles Internet. Der Kreis lässt Glasfaserkabel bis zum Hausanschluss verlegen.

Interview
Glasfaserkabel für 10 000 Anschlüsse

MOZ / 25.04.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 26.04.2019, 10:10
Beeskow (Olaf Gardt) Knapp 42 Millionen Euro sollen im Landkreis in den Breitbandausbau investiert werden. Olaf Gardt sprach mit der zuständigen Beigeordneten des Kreises,  Gundula Teltewskaja, darüber, wann es losgeht, wer von dem Investitionsprogramm profitiert.

Frau Teltewskaja, seit Jahren wird von der Politik versichert, dass die weißen Breitband-Flecken von der Landkarte verschwinden. Wann geht es im Landkreis los?

Wir sitzen in den Startlöchern. Wir haben die betroffenen Gebiete erfasst, in zwei Regionen geteilt, die Arbeiten ausgeschrieben und auch schon einer Firma den Zuschlag gegeben. Jetzt warten wir auf den endgültigen Zuwendungsbescheid des Bundes, dann können die Verträge unterschrieben werden, die Arbeiten beginnen.

Also noch in diesem Jahr?

Ob man schon Bauarbeiten sehen wird, bleibt abzuwarten. Nach der Vertragsunterzeichnung beginnen zunächst die Feinplanungen, müssen Tiefbaufirmen beauftragt, Schachtgenehmigungen erteilt werden. Leitungen werden wohl vor allem ab dem kommenden Jahr verlegt. Wir haben aber bereits vereinbart, dass die Arbeiten unmittelbar nach Vertragsschluss beginnen und nach drei Jahren abgeschlossen werden müssen.

Wie gut wird das Internetangebot in den Gebieten, die ausgebaut werden?

Es werden überall Glasfaserkabel verlegt, und zwar bis an den Übergabepunkt am Haus. Damit werden technisch Übertragungsraten bis zu einem Gigabit pro Sekunde im Up- und Download möglich. Welche Leistung dann tatsächlich genutzt werden kann, hängt vom jeweiligen Vertrag ab, den man mit seinem Anbieter abschließt.

Wer profitiert von der bevorstehenden Investition?

Es geht um rund 10 000 Anschlüsse im Kreis. Da sind Schulen und Firmen dabei, vor allem aber private Haushalte. Es geht um alle unterversorgten Gebiete. Dazu zählt, wer im Jahr 2016 keinen Internetanschluss mit einer Downloadleistung von 30 Megabit pro Sekunde erhalten konnte. Diese Gebiete haben wir erfasst. Herausgenommen wurden dann noch Orte und Straßen, für die uns große Anbieter, beispielsweise die Telekom oder Vodafone, erklärten, dass sie dort innerhalb von drei Jahren selbst in den Ausbau des Netzes investieren wollen um Bandbreiten von mehr als 30 Megabit pro Sekunde im Download anbieten zu können.

Das heißt, dass nach dem Abschluss des Programms jeder im Landkreis über schnelles Internet verfügen kann?

Wir gehen davon aus, dass es für 95, vielleicht 98 Prozent aller Anschlüsse gilt. Ausnahmen wird es geben, Einzelgehöfte beispielsweise, alte Förstereien im Wald. Da müssen andere Lösungen her, beispielsweise Verbindungen über Satelliten. Das gibt es auch schon, ist für den Verbraucher aber etwas teurer.

Wenn nun der Kreis knapp 42 Millionen Euro in Glasfaserkabel investiert, wird er dann auch zum Netzbetreiber?

Das werden wir nicht. Die öffentliche Hand gibt das Geld in den Regionen aus, wo der Markt versagt, wo kein Privatunternehmen investieren will, weil es zu wenig wirtschaftlich ist. Wir beauftragen wie gesagt eine Firma. Die legt dann nicht nur die Leitungen, sondern muss uns auch garantieren, diese für mindestens sieben Jahre zu betreiben. Da bleibt durchaus ein unternehmerisches Risiko, wenn sich nicht genügend Kunden für einen schnellen Anschluss entscheiden.

Welches Unternehmen ist das und muss ich dann bei diesem Anbieter meinen Internetanschluss bestellen?

Was ich sagen kann, ist, dass wir beide Lose an das gleiche Unternehmen vergeben, es sich um einen großen leistungsfähigen Anbieter handelt. Wer es ist, sagen wir noch nicht, da die Verträge noch nicht unterschrieben sind. Das geht erst, wenn der Förderbescheid vom Bund vorliegt. Seinen Anbieter kann man später frei auswählen. Der Zugang zu dem Netz wird diskriminierungsfrei. Egal, wer baut, muss auch anderen Anbietern, natürlich gegen Entgelt, die Leitungen zur Verfügung stellen. So ist es ja mittlerweile beim Strom und Gas auch.

In welcher Reihenfolge werden die Arbeiten ausgeführt? Wo erfahre ich, wann in meiner Straße das Glasfaserkabel verlegt wird?

Das kann ich noch nicht beantworten. Die Reihenfolge der Arbeiten wollen wir auch nicht vorgeben. Da muss es für den Investor Flexibilität geben. Auch, weil er ja noch auf Genehmigungen angewiesen ist. Wir sagen, dass für uns die Breitbandversorgung der Schulen und Gewerbegebiete Vorrang hat.

Wie setzt sich die Finanzierung des Vorhabens genau zusammen? Muss auch der Kreis Geld in die Hand nehmen?

50 Prozent der Investitionssumme kommen vom Bund, 40 Prozent vom Land Brandenburg. So bleibt uns ein Anteil von rund vier Millionen Euro, knapp zehn Prozent. Das hängt damit zusammen, dass wir vom Land für finanzschwache Kommunen einen etwas höheren Zuschuss er-halten.

Wer vor drei Jahren gerade so eine 30 Megabit-Versorgung hatte, ist in Zukunft benachteiligt. Muss man das so akzeptieren?

Es ist in der Tat so, dass die unterversorgten Regionen, das sind manchmal ganze Orte, manchmal einzelne Straßen in großen Städten, künftig am besten dastehen. Vor allem seit klar ist, dass die Glasfaserkabel bis zum Haus verlegt werden. Es beginnen jetzt aber Überlegungen, wie es danach weitergeht. Wir nennen die betroffenen Gebiete "graue Flecken". Wir sind allerdings der Meinung, dass wir dann nicht mehr darüber sprechen, höhere Übertragungsgeschwindigkeiten für einen Einzelanschluss zu schaffen, sondern in der Fläche. Moderne Landwirtschaft braucht schnelles Internet auch auf dem Feld. Da gibt es aber noch keine Einigkeit mit dem Bund.

Zur Person

Gundula Teltewskaja leitet seit knapp zwei Jahren das Dezernat Ländliche Entwicklung des Landkreises. Die Diplom-Forstingenieurin arbeitete zuvor in verschiendenen Landes- und Bundesministerien und in der Wirtschaft.  Sie plante regionale und internationale Projekte, beispielsweise im Bereich erneuerbarer Energien. Außerdem war sie weit über 20 Jahre für die Partei Die Linke in der Kommunalpolitik aktiv. Im Landratsamt ist sie für die Stabsstelle Stärkung des ländlichen Raumes, Sicherung der Daseinsvorsorge, die Kreisentwicklung und Investitionsförderung, das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt sowie das Landwirtschaftsamt zuständig.

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