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Fachkräftemangel
Gleiche Arbeit, gleiches Geld

Ina Matthes / 25.04.2019, 07:30 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Die Firma Hoffmeier in Rüdersdorf beschäftigt eine deutsch-polnische Belegschaft. Das war anfangs nicht ganz einfach.

Seine Heimat ist 300 Kilometer entfernt. Filip Mikus kommt aus Lubin, einer niederschlesischen Industriestadt nahe Breslau.  Seit einem halben Jahr ist er bei Hoffmeier Industrieanlagen in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) angestellt. Schon zuvor war er dort über eine Leiharbeiterfirma beschäftigt. Mikus spricht ein gut verständliches, aber noch ein wenig holpriges Deutsch.

"Ich habe gute Kollegen hier", sagt er. "Sie haben viel Erfahrung und ich kann hier viel lernen." Der 36-jährige Schlosser arbeitet in der Werkhalle zusammen mit seinem deutschen Kollegen Klaus Willmann, der seit 13 Jahren im Betrieb ist. "Die polnischen Kollegen machen einen guten Job", lobt Willmann. "Sie machen alles, können auch schweißen, sind vielseitig einsetzbar. Genau das, was wir brauchen."

Filip Mikus ist einer von inzwischen mehr als 40 polnischen Arbeitern bei Hoffmeier. "Wir haben dadurch unsere Mitarbeiterzahl halten können. Wir wären nicht so schlagkräftig, wenn wir die polnischen Mitarbeiter nicht hätten", sagt Stefan Kurzawa, Werkleiter in Rüdersdorf.

Der Betrieb ist 1991 aus dem ehemaligen Instandhaltungsbereich des Zementwerks Rüdersdorf hervorgegangen.  Instandhaltung ist das Hauptgeschäft. Hoffmeier wartet in Rüdersdorf unter anderem Anlagen aus der Zementindustrie, der Holzverarbeitung und aus Stahlwerken. Die Firma ist in der verarbeitenden Industrie fast allen Kraftwerken Ostdeutschlands tätig.

Von den 210 Beschäftigten sind rund 150 als Monteure bei den verschiedenen Kunden im Einsatz. Ein kleinerer Teil arbeitet in der Werkhalle in Rüdersdorf, wo Teile für Anlagen hergestellt oder erneuert werden.  Dort wird gedreht, gebohrt, gefräst, geschweißt – klassisches Metallhandwerk. Dafür lassen sich heute nur noch schwer Fachkräfte in Deutschland finden, wie der studierte Konstruktionsingenieur Kurzawa erzählt. "Es ist schwierig, junge Leute davon zu überzeugen, Industriemechaniker zu lernen."

Vor fünf Jahren hat das Unternehmen die ersten polnischen Mitarbeiter über Leiharbeit beschäftigt. Das war am Anfang nicht so einfach, erzählt Kurzawa: "Es war schwierig, weil die deutschen Kollegen befürchtet haben, es würden ihnen ihre Arbeitsplätze weggenommen." Das habe sich aber relativ schnell beruhigt.  "Die Leute merken, es geht nicht anders." Inzwischen sind die polnischen Mitarbeiter fest angestellt. Sie sind zumeist Facharbeiter im Metallhandwerk. Allerdings sind die Ausbildungs-Abschlüsse in Deutschland und Polen nicht gleich. Für den Hoffmeier-Manager ist wichtig, dass die ausländischen Arbeitskräfte handwerkliche Erfahrungen mitbringen. Zum Teil lernt das Unternehmen sie an oder schult sie gemeinsam mit anderen Institutionen.

Auf Montage arbeiten die Männer aus Polen in Gruppen von vier bis fünf Leuten, von denen zumindest einer sehr gut Deutsch spricht.  Die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen funktioniert aus Sicht des Werkleiters sehr gut. "Sie sind gut akzeptiert."  Diese Anerkennung hätten sie sich durch ihr handwerkliches Können erarbeitet. Einige sind zu Obermonteuren aufgestiegen.

Die Arbeiter kommen aus ganz Polen und pendeln – wer auf Baustellen unterwegs ist, sucht sich dort ein Zimmer. Es ist nicht nur der Verdienst in Deutschland, der Polen wie den Schlosser Filip Mikus Richtung Westen zieht. Es spricht sich auch herum, meint Stefan Kurzawa, dass die Atmosphäre im Unternehmen stimmt. "Die Kollegen sind freundlich", sagt Mikus. "Wir lachen auch mal, wenn Zeit ist bei der Arbeit."

Für polnische und deutsche Mitarbeiter sind die Konditionen bei  Hoffmeier identisch. Zahlen nennt Kurzawa nicht, aber: "Gleiche Verträge, gleiches Geld", sagt der Chef.  Der Mangel an Fachkräften lässt die Preise in der Branche steigen. Wer gutes Personal finden und die Qualität seiner Produkte halten will, muss entsprechend zahlen.

Kurzawa, der sich im Regionalausschuss Märkisch-Oderland der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK) engagiert, setzt auch in Zukunft auf Arbeiter aus dem Nachbarland. Handwerkliche Berufe würden in Deutschland nicht mehr geschätzt, bedauert er. Zwölf Lehrlinge hat der Betrieb derzeit.

Dieses Jahr hofft der Werkchef, fünf Lehrlinge einstellen zu können. Polnische Azubis hat die Firma bisher nicht. Sie müssten sehr gut Deutsch sprechen, um auf einer Berufsschule mithalten zu können. Ausschließen will Kurzawa das aber für die Zukunft nicht.  "Wir sind auch für polnische Lehrlinge offen."

Familienunternehmen aus Hamm

Hoffmeier ist ein Familienunternehmen mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Hamm. Insgesamt sechs Werke gehören zum Verbund. Rund 210 Beschäftigte zählt die Rüdersdorfer Niederlassung. Sie arbeitet seit fünf Jahren mit polnischen Mitarbeitern und war darin Vorreiter im Verbund.⇥ima

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