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Artenschutz
Damit es summt und brummt im Havelland

Noch blüht nichts: NABU-Regionalverbandsgeschäftsführer René Riep (li.) und Bürgermeister Ralf Tebling stellten den ersten Blühstreifen an der Premnitzer Uferpromenade vor.
Noch blüht nichts: NABU-Regionalverbandsgeschäftsführer René Riep (li.) und Bürgermeister Ralf Tebling stellten den ersten Blühstreifen an der Premnitzer Uferpromenade vor. © Foto: Simone Weber
Simone Weber / 10.05.2019, 09:23 Uhr
Premnitz Zwei Volksinitiativen zum Insektenschutz wurden im April gestartet. Ganz praktisch geht das Thema der NABU in der Havelregion an. Vor Vertretern der Wassertourismusinitiative Flusslandschaft Untere Havelniederung F.U.N. warb der Geschäftsführer des Regionalverbands Westhavelland, René Riep, für Wildwuchs im öffentlichen und privaten Raum.

"Zur BUGA 2015 haben wir schon einmal im großen Stil uns getraut und beispielsweise mit Blühstreifen an den Straßen die Orte der Havelregion verbunden. Allerdings geschah dies geordnet, geplant und mit großem Arbeits- und Kostenaufwand und nach den Vorstellungen des BUGA-Zweckverbands", so Riep. "Wir sollten uns trauen, mehr Wildwuchs zuzulassen und wild blühende Pflanzen im Rasen, im Beet oder auf Grünstreifen zwischen Haus und Straße stehen zu lassen."

Blühstreifen und -flächen dienen als Nahrungsgrundlage für Insekten wie Bienen und Schmetterlinge. Immer mehr Fläche wird versiegelt, Monokulturen und der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden schränken die Artenvielfalt immer stärker ein.

Der erfolgreiche Volksentscheid "Bayern summt" stieß die Diskussion für mehr Artenvielfalt an und der NABU fördert und begleitet diese Aktion auch in Brandenburg. Im Westhavelland machte Premnitz einen ersten Schritt. Auch wenn die Straßenreinigungssatzungen der Kommunen grundsätzlich solche Projekte (noch) verhindern. Mitte April hätten Kinder der Kita "Flax und Krümel" geholfen, eine vier mal 20 Meter große Wiesenfläche an der Uferpromenade mit Saatgut einer einjährigen Blumenmischung in einen Blühstreifen umzuwandeln, so Bürgermeister Ralf Tebling (SPD). "Wir wollen das Projekt weiter unterstützen." Auch in Garlitz wird getestet, ob man kleine Grünstreifen vor den Häusern  ohne zu mähen wachsen lässt und sich Blühstreifen daraus entwickeln.

"Mit den Agrargenossenschaften Hohennauen und Gülpe sind wir im Gespräch, ob sie durch weniger düngen auf kleinen Flächen oder geringerer Saatstärke nicht echte Blühstreifen in den Feldern anlegen", ergänzte Naturparkleiterin Ilona Langgemach. "In den letzten Jahren ist im Land Brandenburg nichts an Umweltschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft passiert", kritisierte René Riep. "Die sechs Millionen Euro des Landwirtschaftsministers, um Rotkleestreifen an Brandenburger Feldern anzulegen, reichen nicht aus, wenn auf den Feldern sonst weiter soviel Gift gespritzt wird."

Riep und die anderen Befürworter der Aktion "Deutschland summt" hoffen, dass sich auch private Hauseigentümer stärker daran beteiligen. In Vorgärten von Einfamilienhäusern sieht man immer mehr "schön gepflegten" grünen Rasen, auf dem nichts blüht. Ein neuer Trend ist das Anlegen von "schicken" Kies- und Steinbetten mit einigen Koniferen dazwischen, die für Insekten keinerlei Nahrung bieten.

Bereits 2014 legte das Stadtgartenamt in Brandenburg an der Havel an einer Straßenkreuzung in Neuschmerkze eine Wildblumenwiese an. Mit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im Oktober 2018 unterstützte die Stadt Brandenburg die NABU-Initiative "Brandenburg summt" mit der schrittweisen Umwandlung der Rasenflächen am Paulikloster und östlich des Weinbergs zu Wildblumen- und Kräuterwiesen und baut damit das Netz bereits umgewandelter Wiesen in kommunaler Hand weiter aus. Weitere Orte im Land haben sich bereits an der Initiative beteiligt.

Mehr Informationen zur NABU-Initiative "Gartenvielfalt" findet man auf www.nabu.de/gartenvielfalt.

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