Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Im Juni steht die nächste Granatensprengung auf dem Programm. Wandlitzer Strandbad eröffnet frühestens im August.

Munitionssuche
Wandlitzsee bleibt gefährlich

Jede Menge Schrott: André Vogel vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Landespolizei zeigt im Strandbad Wandlitzsee, was die Taucher alles aus dem See holen. Unter anderem Messer, Blechbüchsen und Glasscherben.
Jede Menge Schrott: André Vogel vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Landespolizei zeigt im Strandbad Wandlitzsee, was die Taucher alles aus dem See holen. Unter anderem Messer, Blechbüchsen und Glasscherben. © Foto: Hans Still
Hans Still / 11.05.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 11.05.2019, 10:47
Wandlitz (MOZ) Die Munitionssuche am Wandlitzsee wird sich mindestens bis zumAugust hinziehen. Mit etwas Hoffnung könne das Strandbad Wandlitzsee eventuell noch in diesem Jahr geöffnet werden, ließ am Freitag André Vogel, Technischer Einsatzleiter beim Munitionsbergungsdienst der Landespolizei, wissen. Traditionell schließt das Strandbad immer am 15. September.

Seit Wochenbeginn seien laut Vogel zwei Taucherteams im Einsatz, um den Seegrund nach Weltkriegsmunition abzusuchen. Damit könnten nun täglich 70 Quadratmeter Fläche bewältigt werden. Bislang schaffte ein Team zirka 30 Quadratmeter pro Tag. Die mathematische Hochrechnung dieser Zahlen führe laut Vogel zwangsläufig zum Ergebnis, dass vor August keinesfalls mit der Eröffnung des Strandbades zu rechnen sei. Wahrscheinlicher erscheint vielmehr, dass die Saison gelaufen ist. Von Anfang April an wurden bisher 15 Prozent der Badestelle abgesucht. Das gesamte zu untersuchende Areal beträgt 10 000 Quadratmeter. Zwar könne laut Vogel unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen der Badebetrieb bei gleichzeitiger Munitionssuche gestattet werden, aber dann müssten Abstände von 200 Meter eingehalten werden. "Es ist die Frage, wer dafür Verantwortung übernehmen würde", stellt Vogel in den Raum. Bisher wurden zwei Hand- und Gewehrgranaten, von denen eine nicht transportabel ist, sechs Gewehrpatronen, ein Waffenteil und eine Panzerfaust gefunden. Im Juni stehe eine geplante Sprengung bevor.

Gesucht werde zudem nach der Quelle der Munition. Dazu gab es am Donnerstag eine Bootsfahrt mit einem Seitenscanner. Gefunden wurde südlich der Jugendherberge auf Höhe Langer Grund eine verdächtige Stelle, die demnächst durch Taucher der Polizei in Augenschein genommen werden soll. Es besteht der Verdacht, nach Kriegsende könnten von einem Boot aus Waffen und Munition im See verklappt worden sein. Ein damals 14-jähriger Wandlitzer habe davon berichtet, so Vogel. Demnächst will sich die Polizei mit dem Augenzeugen treffen, um mehr zu erfahren.

Eingegangen wurde beim Pressegespräch auch auf die Strohmauer, die den Gästen des Ristorante alla Fontana komplett den Blick auf den See verstellt. Im Juli sei demnach denkbar, je nach Fortschritt der Suche, Teile der Mauer zu verschieben und damit wenigstens in Teilbereichen des Wintergartens den Blick auf den See freizugeben. Die Mauer sei aber weiterhin nötig, um bei "Detonationen die Splitter abzuhalten und die Gäste im Restaurant zu schützen".

Surfer-Gelände wird untersucht

Priorität habe bei der Munitionssuche zunächst der Strandbadbereich. Auch das Gelände der Surfschule bekommt Besuch von den Munitionstauchern, da diese Fläche einer öffentlichen Nutzung unterliege. "Privatpersonen mit Besitz im Uferbereich sind aufgerufen, über eine Kontrolle ihres Badebereiches nachzudenken", ließ die Wandlitzer Ordnungsamtsleiterin Ilka Paulikat wissen.

Zudem betonte sie abermals die Gefahren, die von der Munition ausgehe. "Von daher kann ich nicht verstehen, dass die Segler gerade einen  neuen Steg ins Wasser getrieben haben", teilte sie kopfschüttelnd mit. Die Kosten der gesamten Suchaktion bezifferte Vogel mit "minimal 500 000 Euro, eher mehr". Bei einem Jahresetat für die gesamte Munitionssuche im Land von sechs Millionen Euro werde damit klar, wie ernst das Land die Wandlitzer Situation nehme, versicherte der Polizist.

Kommentar: Eine teure Angelegenheit

Die Folgen der Munitionssuche werden teuer. Am 15. Juni wollten die Wandlitzer ihr Strandbadfest feiern. Natürlich auf der Badewiese mit Zugang zum See. Dieses Fest, so wird es der Wandlitzer Ortsvorsteher Oliver Borchert seinen Mitstreitern vorschlagen, fällt möglicherweise aus. Deutlich im Minus dürfte auch der Ristorante-Besitzer Jimelo Ramadanis sein. Weil der Wintergarten von einer Strohmauer umstellt wurde, bleiben ihm ohne Blick auf den See viele Gäste weg.

Immerhin will jetzt die Wandlitzer Verwaltung die Mitglieder im Tourismusverein Naturpark Barnim  über die Situation informieren. Vereinsvorsitzender Horst Geiseler hatte jüngst das Krisenmanagement  der Gemeinde kritisiert und gefragt, warum nicht schon seit September im Strandbadbereich gesucht wurde. Darauf gab André Vogel am Freitag eine klare Antwort. Die Gemeinde habe erst im Februar den entsprechenden Antrag gestellt. Die Munitionssucher hatten dringend dazu geraten.⇥Hans Still

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG