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Claudius Kaczmarek leitet jetzt das Kreis-Unternehmen und steht dabei vor großen Herausforderungen.

Fristen
Rettungsdienst ist schneller geworden

Viola Petersson / 21.05.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 21.05.2019, 07:23
Eberswalde (MOZ) Die 100-Tage-Frist ist vorbei. Claudius Kaczmarek, der neue Geschäftsführer der Rettungsdienst Barnim GmbH, hatte die aber vielleicht auch gar nicht nötig. Denn er hat Rettungsdienst sozusagen von der Pike auf gelernt, und er kennt das Unternehmen aus dem Effeff. Ebenso die Herausforderungen, vor denen die hundertprozentige Tochter des Landkreises steht.

Der Wechsel an der Spitze des Unternehmens ging völlig geräuschlos über die Bühne. Anita Stahnke verabschiedete sich in den Ruhestand, im Februar übernahm Claudius Kaczmarek. Eine Nachbesetzung gewissermaßen aus Bordmitteln. Denn der 47-jährige Eberswalder arbeitet seit 2003, seit Gründung der GmbH, im Unternehmen. Kaczmarek konnte sich, nach öffentlicher Ausschreibung der Stelle, im Bewerbungsverfahren durchsetzen.

Eigentlich sei er von Hause aus Kfz-Mechaniker. Durch den Zivildienst, den er seinerzeit bei der Johanniter-Unfallhilfe geleistet hat, habe er Blut geleckt. Er sattelte um, machte eine Ausbildung zum Rettungssanitäter, die er 1996 abschloss. "Seitdem bin ich im Rettungsdienst", so der Neue. Zunächst bei den Johannitern, dann bei der Kreisgesellschaft. Kaczmarek qualifizierte sich weiter, machte den Rettungsassistenten, später den Notfallsanitäter. Bis 2011 sei er in Eberswalde Einsätze gefahren. Dann wechselte er als Wachleiter in die Geschäftsführung des Unternehmens nach Bernau.  Berufsbegleitend schloss sich an der Eberswalder Hochschule HNE ein Masterstudium "Kommunalwirtschaft" an.

Zu den aktuellen Herausforderungen gehören vor allem die Ausbildung und die Personal-Akquise. Derzeit gebe es sieben Azubis. Die Ausbildung soll verstärkt werden. Mit vier Jugendlichen pro Jahr. Dies, so Kaczmarek, sei für die Sicherung des Fachkräftebedarfs zwingend. Erfreulicherweise gebe es "genügend Bewerber". 80 für die vier Plätze im Herbst. Offensichtlich sei der Beruf des Notfallsanitäters für die Jugend attraktiv. Gleichwohl stehe das Unternehmen vor einem Problem: Eigentlich bräuchte es bis 2021 nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen 84 Notfallsanitäter.  Denn auf jedem Rettungswagen (RTW) muss ein Notfallsanitäter fahren. "Das ist nicht zu schaffen", räumt Kaczmarek ein. "Momentan haben wir 53." Auf dem Markt gebe es keine Notfallsanitäter. Denn alle Rettungsdienste suchen händeringend. "Bleibt also nur die Ausbildung. Und die dauert nun mal drei Jahre. Deshalb hofft Kaczmarek auf eine Verlängerung der Übergangsfrist im Land bis 2025.

Bagatelleinsätze nehmen zu

Darüber hinaus arbeite man mit Hochdruck an den "Hilfsfristen" und deren Einhaltung (Vorgabe: in 15 Minuten am Einsatzort). Dazu wurde Anfang des Jahres in Zepernick eine neue Wache eröffnet. Zunächst provisorisch und mit einer zwölfstündigen Besetzung. Dies auch, um Bernau zu entlasten. Die Rechnung, so der Geschäftsführer, gehe nach den bisherigen Erfahrungen auf. Weshalb aller Wahrscheinlichkeit nach die Interims- in eine dauerhafte Lösung überführt wird.

Zudem habe man beim Land ein Pilotprojekt beantragt, um Notfallrettung und Krankentransport zu entkoppeln.  Dies sei unbedingt nötig. Denn seit Jahren steigen die Einsatzzahlen. Was mehrere Ursache habe. Kaczmarek verweist einerseits auf wieder steigende Einwohnerzahlen, andererseits auf den demografischen Wandel. Hinzu komme eine steigende Zahl von Einsätzen, die nicht als Notfall gelten (Bagatell-einsätze). Erste Erfolge seien zu verzeichnen. Wurde bislang die Hilfsfrist bei 7,1 Prozent der Einsätze nicht eingehalten (zulässig sind maximal fünf Prozent), waren es im März 4,5 Prozent.

Zahlen und Fakten

Die Rettungsdienst Barnim GmbH betreibt derzeit 11 Rettungswachen und 2 Notarztstützpunkte. Aktuell zählt das Unternehmen 175 Beschäftigte. 2018 rückten die Retter zu insgesamt 34 516 Einsätzen aus. Der Fuhrpark umfasst 16 Rettungswagen, 2 Notarzt- und 4 Krankenwagen.

Vor diesen Herausforderungen seht das Unternehmen: weitere Modernisierung der Rettungswachen (vor allem Joachimsthal und Parstein); Sicherung einer Notstromversorgung in den Wachen; strategische Personalplanung (pro Jahr scheiden 2-4 Kollegen altersbedingt aus). Der Landkreis überarbeitet gerade den Rettungsdienstbereichsplan.  ⇥vp

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