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Tempelwald
"Wir brauchen die Artenvielfalt zum Überleben"

Der Landesvorsitzende des NABU Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch, sammelt Unterschriften für die Volksinitiative.
Der Landesvorsitzende des NABU Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch, sammelt Unterschriften für die Volksinitiative. © Foto: Foto: A. Trunschke
Andreas Trunschke / 21.05.2019, 08:00 Uhr
Borkwalde Als Anton Hofreiter zusagte am Sonntag in den Tempelwald zwischen Borkwalde und Fichtenwalde zu kommen, gingen die meisten Akteure noch davon aus, dass in der darauffolgenden Woche das Insektizid "Karate Forst flüssig" über diesen Wäldern versprüht werden würde. Aber auch so war die moralische Unterstützung höchst willkommen, wie die mehr als einhundert Teilnehmer des Spaziergangs mit Hofreiter und Waldbesitzer Karl Tempel zeigten. Mit dabei waren natürlich Grünen-Prominente von Elke Seide über Henry Liebrenz und Axel Müller bis zu Andreas Koska, aber auch die Borkwalder Bürgermeisterin, Renate Krüger (LINKE), ihr Herausforderer Egbert Eska (WiB) sowie der Fichtenwalder Ortsvorsteher Tilo Köhn (Förderverein der FFW Fichtenwalde).

Hofreiter dankte gleich zu Beginn Tempel für seinen Einsatz beim Waldumbau und gratulierte ihm zu seiner Petition und dem NABU zum Sieg vor Gericht: "Wir brauchen die Artenvielfalt zum Überleben. Sie bilden das Netz, das uns trägt. Mit jeder Art, die verschwindet, verschwindet ein Knoten dieses Netzes. Wenn zu viele Knoten verschwinden, reißt es." Tempel verwies darauf, dass der Wald, in dem die Teilnehmer stehen, "kein Naturschutzgebiet ist, sondern ein Wirtschaftswald." Sein Ziel sei es zu zeigen, dass man auch einen solchen Wald erfolgreich umbauen kann.

Der Landesvorsitzende des NABU Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch, zeigte sich froh, "in einem Wald zu stehen, der noch nicht vergiftet wurde". Er verwies auf das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin Brandenburg (OVG), das für ihn drei wichtige Sachen festgestellt hat: Zum einen die Klageberechtigung des NABU. Zweitens, dass die Anwendungsbestimmungen für "Karate Forst flüssig" nicht beachtet worden waren. Und drittens, dass kein artenschutzrechtliches Gutachten eingeholt wurde. Er fasste zusammen: "Mit diesem Urteil sind künftige Vergiftungen unserer Wälder erheblich erschwert." Zugleich bedauerte er, dass das Urteil erst so spät erfolgte, denn immerhin konnten "nur 2.500 Hektar gerettet werden, während auf 6.000 Hektar gesprüht wurde." Zugleich deutete er an, dass seit dem Urteil der NABU mit regelrecht Hass überschüttet wird. Doch auch mit dem OVG-Urteil ist die Sache für den NABU noch nicht beendet. Er will jetzt die besprühten und die nichtbesprühten Wälder überwachen und vergleichen: "Für diese Monitoring können wir noch Mitstreiter gebrauchen."

Die Biologin Ricarda Vogt von der Umweltgruppe "Luckenwalde.Lebendig.Gestalten!" war bereits in einem besprühten Wald bei Nettgendorf: "Dort ist kein Vogelgesang mehr zu hören." Deshalb ist auch Lutz Pahl vom Verein Blühstreifen Beelitz froh über das Urteil des OVG: "Nur schade, dass es erst in zweiter Instanz gefallen ist."

Hofreiter, der vor seinem Politikerleben "Artenvielfaltsforscher" war, demonstrierte vor den Teilnehmer seine profunden Kenntnisse der Waldökologie. Am Ende stand er noch einmal allen Teilnehmern Rede und Antwort. Dabei betonte der Fichtenwalder Ortsvorsitzende Köhn, "was wir erreicht haben, haben in erster Linie die Bürger erreicht". Winfried Ludwig, Vorsitzender des Umweltvereins "Waldkleeblatt – Natürlich Zauche", kritisierte, dass in die jetzt vor dem Besprühen geretteten Wälder Windräder gebaut werden sollen. Es ist das einzige Mal, dass Anton Hofreiter sehr allgemein bleibt: "Wir brauchen Kompromisse, Radikalität ist nicht hilfreich, der Strom muss auch in die Steckdose kommen." Die regionalen Grünen, wie Liebrenz und Koska, sind da eindeutiger: "Windräder in Wälder sind nicht sinnvoll!"

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