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Ortsgeschichte
Der Friedhof als lebendiger Ort

Anke Beißer / 22.05.2019, 06:30 Uhr
Kagel (MOZ) Heimatgeschichte verbirgt sich in Texten, Bildern, Exponaten aus der Vergangenheit. Auf ganz spezielle Weise trat sie am Dienstagvormittag zu Tage – bei einem Spaziergang von Mitgliedern des Kageler Heimatvereins über den Friedhof. Namen riefen Erinnerungen wach, und schnell entspann sich an dem einen oder anderen Stein ein reger Austausch über Erlebtes und Überliefertes. "Das ist doch ein sehr lebendiger Ort", lautete schon bald das einhellige Credo.

Der Kageler Friedhof am Herzfelder Weg liegt in der Verantwortung der evangelischen Kirchengemeinde. Gudrun Oswald, ehrenamtliche Friedhofsverwalterin, war mit zu dem Treffen gekommen. Denn es soll auf Initiative des Heimatvereins eine Möglichkeit geschaffen werden, Grabsteine mit ortsgeschichtlicher Bedeutung vor dem Verfall oder gar Verlust zu bewahren. Der Gemeindekirchenrat hat seine Bereitschaft dazu im Vorfeld erklärt.

Das Vorhaben umzusetzen, gibt es verschiedene Varianten. Steine von aufgegebenen Grabstellen könnten an einem Platz aufgereiht werden – am Eingang des Friedhofs oder als Lapidarium im hinteren Bereich, wo bereits der Kriegstoten gedacht wird. "Dann bräuchten wir aber ein Hinweisschild, eine Art Wegführung dorthin", gibt Vereinsmitglied Klaus Pfeffer zu bedenken. Ohnehin soll mit Info-Tafeln gearbeitet werden, damit Besucher mehr als den Namen, die Lebenszeit und womöglich den Beruf erfahren.

Ein Beispiel existiert schon. Das Grab von Schmiedemeister Berthold Dalibor (1861–1942) ist mit einer Metallplatte versehen. Darauf steht in dichten Lettern geschrieben, dass der Schmied und Feuerwehrmann einst Gerhart Hauptmann von den Bränden in Kienbaum erzählte und der Schriftsteller diese Erkenntnisse in seiner Tragikomödie "Der rote Hahn" verewigt hat.

Besonders lebhaft wurden die Gespräche der Alt-Kageler, als es um Personen ging, die sie noch kennengelernt haben. "Die Hartmanns, das war eine ganz tolle Familie", erzählt zum Beispiel Helma Scherf. Sie kümmert sich mit um das Grab von Wally (geb. 1910, das Sterbejahr fehlt) und Heinz (1908–1988), die an der Hauptstraße, nahe dem Dorfplatz einen Krämerladen führten. "Die haben alles ranbesorgt, auch zu DDR-Zeiten", sagt sie.

Bei Hellmuth Wolf (1906–1984) blieb der Tross ebenfalls stehen. "Er war ein fleißiger Gemeindearbeiter", berichtet Elisabeth Turowski. Sie bringt die Runde immer wieder zum Staunen, was sie über die Biografien heimatgeschichtlicher Kageler Prominenz alles weiß. Zu der zählt der Tischler Erich Donath (1889–1960). "Er hat die Särge gebaut, die auf den Friedhof kamen", sagt Elisabeth Turowski. Als sein Sohn in den Krieg beordert wurde, bildete er den Wandergesellen Emil Niels (1880–1970) in seinem Handwerk aus "und zog sich seine eigene Konkurrenz heran". Sie seien aber gut miteinander ausgekommen, verrät die Vereinsvorsitzende.

Bei dem Spaziergang sind etwa ein Dutzend Grabmale zusammen gekommen, die es zu erhalten und deren Geschichte es zu erwähnen lohnt. Zudem haben sich Vereinsmitglieder bereit erklärt, die Pflege zu übernehmen.

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