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Justiz
Fachkräftemangel droht – Anwälte fordern mehr Geld

Mathias Hausding / 22.05.2019, 07:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Kollegen wandern in die öffentliche Verwaltung ab, an Gerichte oder zu teuren Berliner Kanzleien – Brandenburgs Anwaltschaft registriert einen Verlust an Arbeitskräften.

Auch auf dem Deutschen Anwaltstag in der vergangenen Woche in Leipzig war der Fachkräftemangel ein großes Thema: "Bei den Allgemeinanwälten im ländlichen Raum zeichnet sich ein ähnlicher Mangel wie bei den Hausärzten ab", warnte Edith Kindermann, die Präsidentin des Deutschen Anwaltvereins, in der "Süddeutschen Zeitung".

Für Brandenburg sieht der Landeschef des Anwaltsvereins zwar insgesamt noch keine Alarmsignale. Die Zahl der Anwälte im Land sei mit rund 2000 stabil. "Aber das Thema kommt auf uns zu. Es wächst die Zahl der Menschen, die frustriert in größere Städte fahren müssen, um einen Anwalt zu finden. Oder die deshalb womöglich auf juristischen Beistand verzichten", sagt Frank-Walter Hülsenbeck.

Zusätzlich gebe es den Trend, "dass sich gute Juristen im Zweifel für die Sicherheit entscheiden und ein warmes und trockenes Plätzchen im öffentlichen Dienst der Arbeit als freier Anwalt vorziehen". Was wohl auch darauf zurückzuführen sei, dass Einkommen und Altersvorsorge dort für viele Kollegen lukrativer sind.

Sven Hornauf, Rechtsanwalt in Frankfurt (Oder), sieht bereits einen Mangel an spezialisierten Juristen im Land: "Wenn Sie da jemand suchen, müssen Sie schnell bis nach Potsdam oder Berlin fahren." Seine unter anderem auf Verwaltungsrecht fokussierte Kanzlei verliere zudem immer wieder erfahrene Kollegen. "Sie gehen zum Bamf, zur ILB oder zum Landesumweltamt. Dort und anderswo sind oft Stellen frei. Die öffentliche Verwaltung übt gerade einen Riesensog aus. Und andere Kollegen werden uns von teuren Kudamm-Kanzleien weggekauft."

Hornaufs Reaktion darauf: "Wir scouten wie verrückt, suchen neue Leute." Aber Landesrecht und Abgabenrecht werde an den hiesigen Hochschulen leider kaum gelehrt. Deshalb sei es auch in der Uni-Stadt Frankfurt (Oder) schwierig, geeigneten Nachwuchs zu finden.

Das Problem ist nicht mit Geld zu lösen. Dennoch findet die Forderung des Deutschen Anwaltvereins nach einer Erhöhung der gesetzlichen Gebühren in Brandenburg Unterstützung. "Die letzte Anpassung war 2013, in den sechs Jahren haben sich die Tariflöhne um 16 Prozent erhöht. Wir wollen diese Entwicklung nur nachholen", sagt Bundeschefin Edith Kindermann.

Auch Sven Hornauf findet, dass man mit dem öffentlichen Dienst Schritt halten müsse. Frank-Walter Hülsenbeck holt für seine Begründung im Wissen um Anwaltsklischees etwas länger aus. Zwar würde sich mancher Gebührensatz brutto erst einmal gut anhören und einige Top-Leute Stunden-Honorare von bis zu 450 Euro verlangen. Aber das normale Geschäft sehe ganz anders aus und sei von hohen Abzügen geprägt.

Beispielhaft rechnet er vor, was ein Arbeitsrechtler verdient, wenn er einem Mindestlohnempfänger hilft, sich gegen eine Kündigung zu wehren. Für den Mandanten würde sich demnach eine Netto-Gebühr von 750 Euro ergeben, von denen nach Abzügen für Haftpflicht, Büromiete, Mitarbeitergehälter und weiteren Posten die Hälfte beim Anwalt lande. Daraus ergebe sich für ihn je nach Arbeitsaufwand ein Stundenlohn von 40 bis 50 Euro vor Steuern. "Porsche fahrende Anwälte sind extrem selten", schlussfolgert Hülsenbeck. "Die Anwaltsgebühren müssen gerecht und auskömmlich sein."

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