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Mit einer von Landrat Rolf Lindemann initiierten bewegenden Festveranstaltung wurde am Mittwoch das vor 70 Jahren in Kraft gesetzte Grundgesetz gewürdigt.

Grundgesetz
Landrat Lindemann würdigt das Grundgesetz

Olaf Gardt / 23.05.2019, 20:30 Uhr
Beeskow (MOZ) Es sei mit Sicherheit eine ziemliche einmalige Veranstaltung in Brandenburg, um das Grundgesetz zu würdigen, begrüßte rbb-Journalist Andreas Oppermann am Mittwoch die Gäste auf der Burg Beeskow.

Was Schüler aus allen Regionen des Kreises, Kommunal- und Landespolitiker von der Linken bis zur CDU und zahlreiche Verwaltungsmitarbeiter danach erlebten, war ein bewegender Vortrag der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. Eine Stunde, kündigte sie an, werde sie nun lesen, dann könne man ihr noch Fragen stellen. Der Zeitrahmen der Veranstaltung war damit völlig gesprengt, eigentlich sollte schon kurz nach 18 Uhr das Jugendblasorchester der Musikschule auf dem Burghof spielen. Zuvor wollte Oppermann mit Margot Friedländer, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Patzelt und dem Journalitsen Jörg Hildebrandt über die Bedeutung von Menschenwürde und Grundrechten sprechen.

Doch die dafür vorgesehene Zeit beanspruchte Margot Friedländer auf beeindruckende Weise für sich. Die 97-jährige Frau, die in Nazideutschland ihre gesamte Familie verloren hat, selbst im Ghetto Theresienstadt überlebte, 1946 in die USA übersiedelte und einige Jahre nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2010 wieder in ihre Heimatstadt Berlin zurückkehrte, schilderte ihre Ängste, ihre Zweifel, ihr Schicksal. Sie machte nacherlebbar "wie es sich anfühlt, wenn ein Staat, der eigentlich nur eine Legitimation hat, nämlich die innere und äußere Sicherheit seiner Bürger zu garantieren - wenn ein solcher Staat einem Menschen ganz persönlich nach dem Leben trachtet".  Das Zitat stammt aus der Rede von Landrat Rolf Lindemann, der vor der Lesung das nun seit 70 Jahren geltende Grundgesetz gewürdigt und dabei insbesondere die an vorderster Stelle stehenden Freiheitsrechte hervorgehoben hatte. "Die Freiheit", so Lindemann, "verteidigt man am besten dadurch, dass man ausgiebig von ihr Gebrauch macht."

Debatte über Beteiligungsrechte

Margot Friedländer hat das dann in beeindruckender Weise getan. Bereits am Nachmittag versuchten es auch die Schüler in verschiedenen Gruppen. Sie sprachen vor allem über ihre Beteiligungsrechte und Mitwirkungsmöglichkeiten in der Gesellschaft. Die wichtigsten Gedanken wurden auf Zetteln und Tischdecken notiert. "Die Zukunft ist bunt", "Plastik teurer machen", Fridays for Future" und "Wählen gehen" war dort zu lesen. "Jugendbeiräte gründen", "Juniorwahlen", "Kinder sollen beim Spielplatzbau mitentscheiden", lauteten weitere Forderungen.

Der Wert der Meinungsfreiheit

Rolf Lindemann hat in seiner Rede noch auf viele weitere durch das Grundgesetz garantierte  Rechte hingewiesen. Mit der Möglichkeit der Verfassungsbeschwerde habe jedermann ein Instrument in der Hand, mit dem er "die Staatsgewalt in all ihren Ausprägungen, gleich ob Verwaltung, Gesetzgebung oder Rechtssprechung, durch die Anrufung des Bundesverfassungsgerichtes ihre ihre Schranken" weisen könne. Das Grundgesetz als Verfassung garantiere einen hohen Schutzstandard, eine humane Werteorientierung und eine feine Rechtskultur. Versammlungs- und Meinungsfreiheit hob Lindemann hervor und die Möglichkeit, politische Forderungen auf gleicher Augenhöhe zu erheben und nicht aus einer Bittstellerposition heraus. All das sei keine Selbstverständlichkeit, auch nicht in Deutschland.

Viele Schüler und andere Gäste werden sich wohl auch in den kommenden Tagen mit dem Grundgesetz beschäftigen. Zahlreiche Exemplare des Gesetzes im Hosentaschenformat lagen bereit und wurden gern mitgenommen.

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