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Ostbrandenburgs Wirtschaft floriert und schaut verhalten Richtung Jahresende. Sorgen macht die Verkehrsbranche.

Konjunktur
Verkehrsbranche macht sich Sorgen

Lkw-Schlangen auf der A12: Spediteure in Brandenburg haben Probleme, Fahrer zu finden.
Lkw-Schlangen auf der A12: Spediteure in Brandenburg haben Probleme, Fahrer zu finden. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Ina Matthes / 24.05.2019, 07:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) So glänzend wie im vorigen Jahr ist die Stimmung in der Ostbrandenburger Wirtschaft nicht mehr. Eine unsichere internationale Lage, Fachkräftemangel, steigende Energie- und Rohstoffpreise, schwindende Gewinne dämpfen die Erwartungen für die kommenden Monate.

Trotz allem aber sei die Lage "nach wie vor bemerkenswert stabil", sagt Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK) bei der Vorstellung der Frühsommer-Konjunkturumfrage am Donnerstag. Das Gros der 310 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel, Dienstleistungen und Verkehr, die sich an der Umfrage beteiligten, schätzt seine Situation als gut ein und erwartet gleichbleibend gute Geschäfte 2019. Etwa 18 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung – zu Jahresbeginn waren das noch 15 Prozent.

Dabei steht die Baubranche weiter am besten da. Sieben von zehn Unternehmen geht es gut. Acht Prozent der Befragten  schauen skeptisch Richtung Jahresende. Das größte Problem: Personal zu finden. Die Baufirmen investieren auch relativ viel. Allerdings wird hauptsächlich Geld für Ersatz ausgegeben. "Produktinnovationen stehen leider nur an vorletzter Stelle", bedauert Schülke. In Zeiten der Hochkonjunktur sei es bedeutsam, dass die Unternehmen an ihre Zukunft denken.

Diese sieht fast ein Viertel der Industriebetriebe skeptischer – sie erwarten weniger gute Geschäfte. Ähnlich im Handel: Rund ein Drittel der befragten Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung. Sorgen bereiten nicht nur der Fachkräftemangel und der Absatz im Inland, sondern auch Straßensperrungen und eine teils eingeschränkte Warenverfügbarkeit. Letzteres hängt mit den Problemen einer anderen Branche zusammen: dem Verkehrssektor.

Pro Jahr scheiden laut Logistikverband BGL deutschlandweit etwa 67 000 Kraftfahrer aus dem Berufsleben aus. Nur knapp 27 000 neue Fahrer können hinzugewonnen werden. Es fehlen etwa 40 000 Fahrer. Die Folge sind zeitweise leer bleibende Ladenregale, auch in Ostbrandenburg. Hinzu kommen hier überfüllte Straßen wie die A12 und A24, aber auch Engpässe im Schiffs- und Schienenverkehr. Deshalb fordert die IHK in ihren Europapolitischen Positionen vor der Wahl unter anderem einen Ausbau der europäischen Verkehrsinfrastruktur. Vor allem Schienenwege wie die Strecke nach Stettin und die Ostbahn müssten ertüchtigt werden.

Aber auch Bürokratie behindert nach Angaben der Kammer die Wirtschaftsbeziehungen im Grenzraum. So fahren deutsche Taxen in der Regel nicht nach Polen, weil sie sich dort zuvor als Umsatzsteuerzahler registrieren lassen müssten. Vereinheitlichte Steuerregeln für den kleinen Grenzverkehr könnten aus Sicht der Kammer vieles für die Firmen diesseits und jenseits der Oder erleichtern.

Chancen für Arbeitnehmer weiter gut

Die Mehrheit der Unternehmen will ihre Beschäftigtenzahl stabil halten. Das Personal aufstocken wollen knapp 15 Prozent; 17 Prozent denken eher an Verringerung. Das Problem des Fachkräftemangels hat sich für die Firmen weiter verschärft. Fast 75 Prozent sehen das als das größte wirtschaftliche Risiko an. Das ist noch einmal eine Steigerung im Vergleich zum Jahresbeginn (66 Prozent). Dieses Problem zieht sich durch alle Branchen und soll teils durch Rationalisierung aufgefangen werden.⇥red

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