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SVV-Beschluss
Sichtbares Zeichen für Frieden und Toleranz

Bärbel Kraemer / 24.05.2019, 08:00 Uhr
Bad Belzig Bad Belzig soll ein Ort auf der "Europäischen Straße des Friedens" werden. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss in ihrer letzten Sitzung vor der Kommunalwahl mehrheitlich, der Charta "Europäische Straße des Friedens -Straße der Skulpturen in Europa" beizutreten.

Die Idee einer solchen völkerverbindenden Straße geht auf den deutsch-jüdischen Humanist und Pazifist, Maler und Bildhauer Otto Freundlich zurück. Letzterer entwickelte in den 1930er Jahren die "Straße der Skulpturen Paris-Moskau".

"Ich finde es wunderbar. Der Beschluss hat mich sehr gefreut", sagte Gerd Pohl aus Bad Belzig, der seit sechs Jahren die Vision und Entwicklung der Straße der Skulpturen quer durch Europa verfolgt und in der Stadt dafür warb. Nach einem gemeinsamen Antrag von SPD und Linken wurde in dieser Folge der Beitritt zur Charta beschlossen.

Gerd Pohl erklärt: "Otto Freundlich begriff sie als einen Weg der Brüderlichkeit und der menschlichen Solidarität, als ein sichtbares Zeichen für die Abkehr von Krieg und menschlicher Gewalt sowie für das friedliche Zusammenleben der Nationen in Europa." Doch Freundlich erlebte die Verwirklichung seiner Vision nicht mehr. Nach seiner Verhaftung im französischen Exil wurde er im Konzentrationslager Majdanek durch die Nazis ermordet.

1971 griff der Künstler Leo Kornbrust die Vision von Otto Freundlich auf. Er entwickelte im St. Wendeler Land eine Straße der Skulpturen. "Die er als Hommage an den von ihm verehrten Künstler und als erstes Teilstück einer ‚Straße des Friedens Paris -Moskau‘ verstand", so Pohl. Kornbrust führte damit die Idee der Friedensstraße, die von der Normandie über Paris bis nach Moskau führen sollte, weiter.

Seinem Beispiel folgten außerdem der Maler und Bildhauer Paul Schneider mit der Skulpturenstraße "Steine an der Grenze", das "Dillinger Stahlbildhauersymposion" und die Berliner Künstler Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer mit dem Symposium "Steine ohne Grenzen". In 2004, als auf dem Gelände einer Granitfirma in Brück unter Leitung von Kaltenbach und Fohrer das sechste Symposium "Steine ohne Grenzen" stattfand, schufen zehn Bildhauer aus sieben Ländern bereits einmal Skulpturen, mit denen für Frieden und Völkerverständigung geworben wurde. Eines wurde in Brück aufgestellt, alle anderen im Krankenhauspark an der Niemegker Straße.

Im Zusammenhang mit der Willenserklärung der Bad Belziger Stadtverordneten zur Charta ist jetzt ein Schülerprojekt unter künstlerischer Leitung von Rudolf Kaltenbach in der Stadt geplant. Schüler aus unterschiedlichen Herkunftsländern sollen aus einem Sandsteinblock eine Skulptur erarbeiten, die als sichtbares Zeichen für Völkerverständigung und Toleranz, gegen Krieg und Gewalt an einem noch nicht festgelegten Standort aufgestellt werden. Dieses Werk soll Teil der symbolischen "Europäischen Straße des Friedens" werden.

"Den Standort betreffend sind noch Abstimmungen nötig", erklärt Pohl. Angedacht sind Flächen an der Gedenkstätte Roederhof im Grünen Grund oder auf dem Campus des Bad Belziger Fläming Gymnasiums.

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